Klimaallianz: US-Banken ducken sich vor Trump

Als letzte US-Großbank hat nun der Marktführer JP Morgan die von den Vereinten Nationen angestoßene Klimaallianz verlassen. Das ist ein ganz schlechtes Signal, und zwar unabhängig davon, für wie wirksam man derartige Allianzen hält. Es zeigt, dass die Banken, ähnlich wie zum Beispiel Facebook, wo Lügen künftig von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, sich der Politik unterwerfen.
Zuvor hatte beispielsweise die weltgrößte Fondsgesellschaft Blackrock dies getan, nachdem ihr Chef Larry Fink jahrelang ethische Grundsätze gepredigt hatte. Nicht erst Donald Trump als künftiger US-Präsident hat den Anstoß zum Wandel gegeben. Zuvor hatte der Öl- und Gasstaat Texas Unternehmen angegriffen, deren Geschäftspolitik gegen Öl und Gas gerichtet war.
Wie stolz waren doch bislang Firmen und Investoren, sich an Kriterien zu Umwelt, Sozialem und guter Unternehmensführung (ESG) zu halten. Zeitweise konnte der Eindruck erstehen, dass die Unternehmen selbst den Wandel zu einer umweltfreundlicheren und gerechteren Welt vorantreiben, statt sich von der Politik treiben zu lassen. War das alles nur Schwindel, wie man etwa der Deutsche-Bank-Tochter DWS vorgeworfen hat? War ESG nur ein Siegel mehr, um die eigenen Produkte an die werte Käuferschaft zu bringen?
Sicher nicht, jedenfalls nicht überall. Wahrscheinlich gibt es in fast jedem Unternehmen Manager, die es ernst meinen, und andere, die das Thema bestenfalls als Werbeargument sehen, vor allem aber als bürokratische Hürde, zu der es leicht werden kann, etwa mit Blick auf das sogenannte Lieferkettengesetz.
Auch die Frage, was Allianzen und Labels tatsächlich bewirken, ist durchaus berechtigt. Erhalten nachhaltig wirtschaftende Unternehmen signifikant bessere Finanzierungskonditionen als solche, die sich nicht darum kümmern? Der Nachweis ist oft nicht einmal ernsthaft versucht worden. Vermögensverwalter mit ESG-Ansatz argumentieren jedoch, dass sie die entsprechenden Themen mit dem Management der Unternehmen ansprechen und so deren Wandel unterstützen.
Oft wird auch gesagt, man finanziere den Wandel selbst, was natürlich die Frage aufwirft, ob dann vage Versprechungen ausreichen, um zum Beispiel „ökologische“ oder „klimafreundliche“ Finanzierungen zu erhalten. Dennoch könnte zumindest ein gewisser Effekt, um das Thema wachzuhalten, von solchen Diskussionen ausgehen.
Gefährliche Gewissensberuhigung
Sehr skeptisch kann man auch fragen, ob Ökofonds und Co. nicht zu einer gefährlichen Gewissensberuhigung führen nach dem Motto: Ich kaufe mit Öko-Siegel, lege mit Öko-Siegel an, engagiere mich für nichts und fliege weiterhin um die halbe Welt in den Urlaub. Es gibt also genügend Gründe, ESG gegenüber skeptisch zu sein, und man ist auch kein Reaktionär, wenn einem die Sprachregelungen unterschwellig auf die Nerven gehen. Aber darum geht es nicht.
Es geht um das Prinzip. Aus ordnungspolitischer Sicht sollten sich die Unternehmen darauf konzentrieren, Geld zu verdienen, und der Staat sollte dafür sorgen, dass dies in gerechten Bahnen geschieht, zum Beispiel in sozialen Fragen. Um externe Kosten wie den CO2-Ausstoß sollte er sich kümmern, sie zum Beispiel den Verursachern aufbürden. Wenn der Spieß umgedreht wird und Unternehmen sich soziale und ökologische Ziele setzen, während die Politik zu wenig tut, ist das schlecht genug.
Wenn aber die Politik die Unternehmen aktiv daran hindert, sich um diese Themen zu kümmern, und selbst Giganten wie JP Morgan in die Knie zwingt, dann sind das im wahrsten Sinne des Wortes perverse, also verdrehte Verhältnisse. Und man fragt sich: Sind wir noch zu retten?
