Grönland: Trump wandelt auf den Spuren von Wladimir Putin

Zu den Gründungsmythen der USA gehört der Anspruch, durch territoriale Expansion den Willen Gottes zu erfüllen. „Manifest Destiny“ – das Projekt der Siedler endete einst an der Pazifikküste und ging auf in dem Sendungsbewusstsein, das an die Stelle der Landnahme die globale Verbreitung von Marktwirtschaft und Demokratie setzte. Bis jetzt.
Donald Trump lässt den imperialen Eroberungstrieb wieder aufleben – nur ohne ideellen Überbau. Er exekutiert nicht Gottes Willen, sondern seinen eigenen.
Den Panama-Kanal beansprucht er, Kanada will er zum 51. Bundesstaat degradieren, Dänemark die Kontrolle über Grönland entreißen. Warum? Weil das angeblich Amerikas Sicherheitsinteressen dient.
Und weil er es kann. Wenn er in knapp zwei Wochen auf den Stufen des Kapitols seinen Amtseid abgelegt hat, steht ihm das mächtigste Militär der Welt zur Verfügung.
Es klingt verrückt und ist doch bitterer Ernst: Der Imperialismus ist zurück und mit ihm eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte. Der künftige US-Präsident tritt in die Fußstapfen des Kreml-Herrschers Wladimir Putin, dessen Drang zur Unterwerfung der Ukraine Europa in den größten Krieg seit der Kapitulation Nazi-Deutschlands gestürzt hat. Amerika, die mächtigste Demokratie der Welt, legitimiert Russlands Anschlussfantasien.
Das ist keine spontane Idee, die in ein paar Wochen schon wieder vergessen ist, sondern eine tiefe Überzeugung. Trump wollte Grönland schon in seiner ersten Amtszeit annektieren. Auch seine Kritik am Irak-Krieg war immer ambivalent. Sie richtete sich nicht nur gegen die Entscheidung, die Invasion überhaupt angeordnet zu haben.
Sie bezog sich auch auf das vermeintliche Versäumnis, die Bodenschätze des Landes zu plündern. In Trumps einfachen Worten klingt das so: „Ich habe immer gesagt: Nehmt das Öl!“
Einmal Tycoon, immer Tycoon
Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel beschreibt in ihrer Autobiografie, dass Trump immer noch wie der Tycoon denkt, der er einmal war.
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Wie ein Immobilienunternehmer, der auf einer Landkarte Grundstücke absteckt. Er behandelt seine Verbündeten wie Vasallen. Demütigt sie, wenn sie ihm im Weg stehen. Und das ist erst der Anfang: Trump 2.0 ist Trump entfesselt.
Für Putin könnte es kaum besser laufen. Der Kreml-Herrscher kann sich trotz der militärischen Rückschläge in der Ukraine auf der richtigen Seite der Geschichte wähnen. Er sieht: Trumps Amerika ist kein verlässlicher Sicherheitsgarant für Europa, sondern ein Herausforderer, vielleicht sogar ein Rivale. Auch Chinas Machthaber Xi Jinping wird der neue Ton in Washington gefallen.
Trump schnappt sich Grönland, Putin die Ukraine und Xi Taiwan. Wenn das die neue Weltordnung ist, was wird dann aus Europa?
