Kommentar: 170 Millionen Euro Kosten, absurder Sicherheitsaufwand: Die aus der Zeit gefallene G7-Show
Viele Menschen sehen den Gipfel kritisch.
Foto: dpaBerlin. Der G7-Gipfel in Elmau soll nachhaltiger sein als frühere Treffen. Auf Giveaways wie noch beim G7-Gipfel 2015 an gleicher Stelle wird verzichtet, es gibt vegetarische und vegane Mahlzeiten, das Essen wird auf Holztellern serviert.
Doch im krassen Kontrast zu diesen Gipfel-Nachhaltigkeitszielen steht der monströse sicherheitspolitische Aufwand, den die Bundesregierung aus Angst vor Tumulten wie beim G20-Gipfel in Hamburg 2017 für notwendig hält.
Ein ganzes Gebirgstal wurde für den Gipfel verrammelt. 18.000 Polizisten sind im Einsatz, Zehntausende Gullideckel wurden im Vorfeld versiegelt. Allein die unzähligen Hubschrauberflüge auf dem Gipfel hinterlassen einen CO2-Fußabdruck, den kein Holzteller wird wettmachen können. Auch viele ausländische Journalisten waren über die abstrusen logistischen Bedingungen aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen verärgert. Insgesamt 170 Millionen Euro wird die große Alpen-Show am Ende gekostet haben – dafür, dass die Staats- und Regierungschefs sich mit Bildern vor Bergkulisse inszenieren können.
Die Menschen vor Ort fühlen sich durch den Besuch der Mächtigen der Welt ebenfalls nicht geschmeichelt, sondern sind genervt. Über Monate waren Sportmöglichkeiten eingeschränkt, weil die Sporthallen von Sicherheitskräften besetzt waren, Schüler konnten nicht zur Schule, Straßen werden stundenlang abgeriegelt, weil der US-Präsident Joe Biden irgendwann später am Abend für 90 Sekunden durchrauschen könnte.
Natürlich sind solche Treffen wie das der G7, anders als manche Gipfel-Protestler meinen, sehr wichtig. Die Welt ist Unordnung geraten. Wenn ein Gremium gleichgesinnter Demokratien versucht, für etwas mehr Ordnung zu sorgen, ist das ein großer Gewinn. Und selbst wenn es keine Riesen-Beschlüsse gibt, ist Reden in Zeiten, in denen Waffen sprechen, ein Wert an sich. Und natürlich ist auch die Kraft der Bilder nicht zu unterschätzen, gerade nicht in Kriegszeiten, in denen Geschlossenheit zählt.
Die Bilder vor dem Alpenpanorama stehen nicht im Verhältnis zum CO2-Abdruck des Gipfels.
Foto: APDoch in Elmau steht der Aufwand in keinem angemessenen Verhältnis mehr. Eine Alpen-Show in diesem Ausmaß ist in einer Zeit von schmelzenden Gletschern, Energiekrise und Knappheiten aus der Zeit gefallen.
Dass es auch anders, ohne großen Pomp, geht, zeigte Italien im vergangenen Jahr bei seinem G20-Gipfel. Die Italiener mieteten eine schnöde Messehalle an. Tolle Bilder vor Alpenkulisse gab es zwar nicht – aber dafür weniger organisatorischen Aufwand und einen klimafreundlicheren Gipfel.