Kommentar: Abhängigkeit von Gas, Öl und Kohle: Russlands Erpressungspotenzial ist sehr begrenzt
Russland ist für Deutschland mit weitem Abstand Lieferant Nummer eins für Erdöl, Erdgas und Steinkohle. Das Land lieferte 2019 mehr von diesen fossilen Energieträgern als die Lieferländer zwei, drei und vier – das sind Norwegen, die Niederlande und die USA - zusammen. In den Jahren zuvor verhielt es sich ebenso.
Wer mag, kann das ändern. Die Lieferbeziehungen mit Russland sind nicht in Stein gemeißelt. Erdgas, Erdöl und Steinkohle sind auf dem Weltmarkt reichlich vorhanden, die Bezugsquellen vielfältig. Das Erpressungspotenzial Russlands ist daher sehr begrenzt.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Deutschland mit den russischen Energierohstoffen in den vergangenen Jahrzehnten sehr gut gefahren ist. Gerade günstiges russisches Erdgas ist für einige Branchen, etwa für die Chemieindustrie, einer der Garanten für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit.
Wenn man Russland durch Lieferländer ersetzen will, die über jeden politischen Zweifel erhaben sind, stößt man schnell an Grenzen. Dieser Realität muss sich das rohstoffarme Industrieland Deutschland stellen.