Kommentar: Anleger gehen mit Schwellenländer-Fonds ein erhebliches Verlustrisiko ein
Die Abkürzung BRIC, die auch den chinesischen Markt umfasst, zog lange Zeit viele Anleger in ihren Bann.
Foto: dpaFrankfurt. Vor knapp 20 Jahren ging eine Idee um in der Finanzwelt: Jim O’Neill, der damalige Chefvolkswirt der US-Bank Goldman Sachs, schuf mit der Abkürzung BRIC einen Begriff, der die Finanzbranche und viele Anleger in ihren Bann zog. Nachdem O’Neill im Jahr 2001 zum ersten Mal davon gesprochen hatte, die vier Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China als BRIC-Staaten zu bezeichnen, wurden in den Jahren danach diverse Investmentfonds und auch Zertifikate mit dieser Ausrichtung aufgelegt.
Allein in Deutschland gab es knapp 50 Fonds, die die Bezeichnung BRIC im Namen trugen. Anleger sollten die Möglichkeit bekommen, pointiert von den besonderen Wachstumschancen in diesen aufstrebenden Ländern zu profitieren.
Doch nun verabschiedet sich die Goldman-Fondstochter Goldman Sachs Asset Management (GSAM) von O’Neills Kreation: Der entsprechende Fonds des Hauses „GS BRICs Equity“ wird mit einem Schwellenländeraktienfonds verschmolzen. Ebenso ergeht es einem weiteren Fonds, der auf einem Einfall O’Neills basierte: der „GS N11 Equity“, der mit Ägypten, Bangladesch, Indonesien, dem Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, den Philippinen, Südkorea, der Türkei und Vietnam elf weitere „Wachstumsmärkte“ abbildete und ebenfalls enorm beliebt bei Anlegern war - so sehr, dass er sogar zwischenzeitlich für neues Kapital geschlossen wurde.
Für Anleger ist das Ganze gelinde gesagt gut zu verkraften: Denn die Performance dieser Fonds hat nicht wirklich überzeugt. Längerfristig ließ sich mit breiteren Anlagestrategien mehr verdienen.
Außerdem gehen Investoren mit solchen Fonds, die auf wenige, teils recht spezielle Märkte setzen, ein nicht unerhebliches Verlustrisiko ein. Genau aus diesen Gründen haben manche Kritiker, beispielsweise die Analysten des Fondsratinghauses Morningstar, die „BRICs“ und auch „Next 11“ von Anfang an als das postuliert, was es eigentlich war: eine brillante Marketingidee.
Und die Idee zog: Zwischenzeitlich managten Fondsprofis in den 49 Fonds am deutschen Markt gut zwölf Milliarden Euro, wie Morningstar berechnet hat. Heute sind zwölf solcher Fonds übrig, gut zwei Milliarden Euro Kapital steckt noch darin. Die beiden Goldman-Fonds enthalten 92 Millionen und 34 Millionen Euro.
GSAM betont daher, dass Anleger mit einer breiten Schwellenländerstrategie bessere Chancen auf gute Renditen hätten als mit BRIC oder N11, und breiter anlegende, größere Fonds auch billiger seien. Das stimmt – ist aber keinesfalls eine neue Erkenntnis.