Kommentar: Apple ist der heimliche Gewinner des Google-Urteils

Auf den ersten Blick kann vor allem Google nach dem Ende des Kartellverfahrens in den USA aufatmen. Die Muttergesellschaft Alphabet wird nicht gezwungen, den Browser Chrome oder das Betriebssystem Android abzuspalten, wie es das Justizministerium gefordert hatte. Die Aktie stieg am Dienstag nachbörslich um rund acht Prozent.
Der eigentliche Gewinner der Entscheidung ist jedoch Apple. Und das aus drei Gründen.
1. Alphabet ist einer der wichtigsten Geldgeber von Apple
Google zahlte Apple im Jahr 2022 rund 20 Milliarden US-Dollar, damit die Suchmaschine des Konzerns auf Endgeräten für iPhones und iPads voreingestellt ist.
Das ist eine gewaltige Zahl. Zum Vergleich: Für das Geschäftsjahr 2022 beliefen sich die gesamten Entwicklungsausgaben von Apple laut Geschäftsbericht auf rund 26 Milliarden Dollar. Anders ausgedrückt: Google bezahlt indirekt einen Großteil der Forschung bei Apple, um im Gegenzug die omnipräsente Suchmaschine auf den Geräten zu bleiben.
Dieser lukrative Deal war im Zuge des Verfahrens in Gefahr. Richter Amit Mehta entschied jedoch, dass Google weiter Drittanbieter bezahlen darf, um als Suche voreingestellt zu sein.
2. Alphabet wird verpflichtet, mit Rivalen Daten zu teilen
Das Gericht stellte Leitplanken auf, mit denen der Suchmarkt künftig weniger stark von Google dominiert sein soll. Der Suchriese muss seine Daten teilen. Plötzlich ist der Vorsprung des Konzerns nicht mehr uneinholbar. Die Datenhoheit, ein großer Trumpf von Google, verliert an Exklusivität und damit an Schrecken.
Auch davon dürfte Apple stark profitieren. Trotz vieler Ankündigungen von Apple-Chef Tim Cook hängt der iPhone-Konzern im Wettrennen um Künstliche Intelligenz deutlich zurück. Eine verbesserte Version des Sprachassistenten Siri wurde mehrfach verschoben.
Apples Rückstand wird kleiner, weil Google gezwungen sein könnte, einen Teil seines Wissensvorsprungs preiszugeben. Denn was Google so mächtig macht, ist der Zugang zu vielen Daten. Daten, wie sich Milliarden von Menschen durch das Internet bewegen. Die Entwickler in Cupertino werden sich ganz genau anschauen, welche Daten Google gerichtlich angeordnet teilen muss, und daraus ihre Schlüsse ziehen.
3. Das Urteil könnte Apple Zeit verschaffen
Das Urteil könnte Apple nicht nur Zugang zu wertvollen Daten verschaffen. Im Wettrennen um Künstliche Intelligenz ist Zeit die vielleicht knappste und zugleich wertvollste Ressource. Während Google gebremst wird, darf Apple in Ruhe aufholen. Es ist das klare Ziel des Gerichts zu verhindern, dass Google bei Künstlicher Intelligenz ähnlich mächtig wird wie bei der Internetsuche.
Im Gerichtssaal stand Google am Pranger, doch der eigentliche Profiteur sitzt in Cupertino. Apple kassiert Milliarden, studiert die Daten und gewinnt Zeit. Das letzte Wort ist im Kartellstreit noch lange nicht gesprochen. Google wird vermutlich Rechtsmittel einlegen, das Verfahren könnte sich noch über Jahre hinziehen. Doch während die Juristen streiten, zählt für Apple jeder Tag als Gewinn.