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Kommentar ARD und ZDF: Raus aus der Wagenburg

Statt sich mit den Argumenten einer Auftrags- und Strukturreform auseinanderzusetzen, wird die Populismuskeule geschwungen. Das schadet der Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
17.05.2021 - 16:43 Uhr 1 Kommentar
Anne Will entschuldigte sich für einen Tweet, der sich auf eine einseitige Quelle stützte. Quelle: dpa
Armin Laschet (CDU bei Anne Will

Anne Will entschuldigte sich für einen Tweet, der sich auf eine einseitige Quelle stützte.

(Foto: dpa)

Letzte Woche zeigte Anne Will Größe. Die TV-Moderatorin entschuldigte sich für einen Tweet, der sich auf eine einseitige Quelle stützte. In ihrer Sendung am Sonntagabend in der ARD hatte Aktivistin und Grünen-Mitglied Luisa Neubauer dem Kanzlerkandidaten der Union Armin Laschet vorgeworfen, er würde in seiner Partei antisemitische Äußerungen legitimieren. Als Armin Laschet nach Belegen fragte, kam nichts. 

An diesem Fall flammte erneut die Debatte über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seine parteipolitische Unabhängigkeit auf. Im Rundfunkstaatsvertrag ist die Neutralität von ARD und ZDF geregelt. Das heißt nicht, dass die Journalisten dort den Parteien nach dem Mund reden müssen.

Viele machen bei den Fernsehanstalten einen herausragenden Job. Nicht jeder missglückte Tweet, der dann gelöscht wird, ist eine Staatsaffäre. Wenn aber der ehemalige Chefredakteur der ARD der FDP Populismus vorwirft, hat das eine andere Dimension. Die Liberalen haben auf ihrem Parteitag eine Auftrags- und Strukturreform der Öffentlich-Rechtlichen gefordert.

Statt sich mit den Argumenten auseinanderzusetzen, wird die Populismuskeule geschwungen. Parteiisch sollten die Rundfunkanstalten nicht sein. Zumal die Apparate ohnehin träger geworden sind.

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    Bei Weltereignissen wie dem Brand von Notre-Dame und dem Sturm des Kapitols durch militante Trump-Anhänger war zunächst Funkstille. ZDF-Starmoderator Claus Kleber erklärte öffentlich, man möge doch CNN einschalten. Das ist ein privater Sender in den USA, der durchaus Maßstäbe in den letzten Jahrzehnten gesetzt hat. 

    ARD und ZDF sollten Wettbewerb annehmen 

    Auch im Inland kommen die Öffentlich-Rechtlichen unter Druck. Pro Sieben wirbt den Sendern renommierte Journalisten ab. Die Axel-Springer-Gruppe versucht im Nachrichtengeschäft aufzuholen. Noch setzen die „Tagesschau“ und das „Heute Journal“, was Reichweite und Qualität angeht, die Maßstäbe.

    Sie sollten aber den Wettbewerb annehmen. Bei dem Kanzler-Triell sieht es nicht danach aus. Hier bahnt sich ein Alleingang von ARD und ZDF an. Eine Begründung gibt es nicht. Auch nicht dafür, dass der SPD-Kandidat Olaf Scholz mit gerade mal 15 Prozent in den Umfragen teilnehmen darf und andere nicht.

    In Deutschland gibt es keine Direktwahl des Regierungschefs. Es werden Parteien gewählt. ARD und ZDF haben ihre Berechtigung, die will ihnen auch niemand absprechen. Aber eine Wagenburgmentalität schadet ihrer Sache. Vielleicht sollten sich mehr Führungskräfte ein Beispiel an Anne Will nehmen und eine offene Debatte nicht scheuen. Sie haben gute Argumente. Wenn sie aber nur draufhauen, schaden sie der eigenen Akzeptanz. 

    Mehr: Über ein Land, das seine Debattenkultur verlor 

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    1 Kommentar zu "Kommentar : ARD und ZDF: Raus aus der Wagenburg"

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    • Privatisieren heißt die Zukunft und dann schauen wir mal was von den ganzen Schmarotzerhaufen übrigbleibt.

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