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KommentarDas Azubi-Drama ist keine logische Folge des Geburtenrückgangs

Die Wirtschaft konnte 2022 nur ein paar mehr neue Azubis gewinnen. Die nötige Wende ist das nicht. Dabei gibt es ein großes Reservoir an jungen Leuten, die durch das Raster fallen.Barbara Gillmann 17.04.2023 - 14:56 Uhr
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Die Zahl der neuen Auszubildenden verharrt auf einem niedrigen Niveau.

Foto: imago images/Georg Ulrich Dostmann

2022 gab es wieder mehr neue Azubis. Aber eine wirklich gute Nachricht ist das nicht. Denn der Anstieg ist minimal: Mit knapp 469.000 neuen Ausbildungsverträgen entschieden sich nur 2700 Menschen mehr für eine Ausbildung als im Vorjahr.

Besser als ein Minus, aber ein weiteres Abrutschen nach Ende der Coronapandemie war auch nicht zu erwarten. Entscheidend ist: Obwohl Politik und Wirtschaftsverbände gewaltig die Werbetrommel für die Ausbildung gerührt haben, hat sich kaum etwas gebessert. Im Handwerk gibt es sogar weniger neue Azubis.

Das Interesse an einer Lehre sinkt damit auf historisch niedriges Niveau. 2011 begannen noch mehr als 560.000 junge Leute eine duale Ausbildung, fast 100.000 mehr als jetzt. Seither ging es bergab.

Diese alarmierenden Zahlen müssten angesichts des drohenden Mega-Fachkräftemangels für Aufruhr sorgen. Denn ohne Fachkräfte gelingt weder die Energiewende noch die Digitalisierung. Und rein zahlenmäßig braucht es deutlich mehr beruflich Ausgebildete als Akademiker.

Fachkräftemangel: Wenig neue neuen Azubis in Deutschland

Es ist ein Trugschluss, dass die traurigen Zahlen eben die logische Folge des Geburtenrückgangs sind, gegen den nur Einwanderung hilft. Denn es gibt ein großes Reservoir an jungen Leuten, die durch das Raster fallen.

Unverändert schaffen sechs Prozent der Schüler keinen Abschluss – zuletzt rund 50.000 pro Jahr. Und noch immer wechseln jedes Jahr mehr als 200.000 Schulabgänger statt in eine Lehre in den sogenannten Übergangsbereich, der sie weiter auf den Beruf vorbereiten soll. Doch viel zu wenige davon schaffen danach den Sprung in eine Ausbildung, sondern drehen nur eine Warteschleife.

Die Folge: Seit Jahren steigt die Zahl der jungen Menschen, die überhaupt keine Berufsausbildung haben, trotz Fachkräftemangels. Zuletzt waren 2,33 Millionen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss, Studierende sind hier nicht mitgezählt. 

Und trotz Zehntausender unbesetzter Lehrstellen in deutschen Betrieben gibt es Regionen, in denen es zu wenig Lehrstellen gibt. Ausgerechnet für die IT-Berufe gilt das sogar in ganz Deutschland

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Angesichts der Misere hat die Ampel vor Kurzem gegen den Willen der Arbeitgeber die versprochene „Ausbildungsgarantie“ beschlossen: Jeder hat nun Anrecht auf eine Lehrstelle – im Zweifel überbetrieblich. Das muss die Wirtschaft nun erst recht motivieren, die vorhandenen Reserven besser zu nutzen. Denn die betriebliche Ausbildung bleibt der Königsweg. 

Erstpublikation: 13.04.2023, 10:12 Uhr.

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