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KommentarDer Bund und Siemens werden Siemens Energy stützen müssen

Das Debakel um den Dax-Konzern hat viele Ursachen – darunter strategische Fehler und das politische Umfeld. Doch fest steht: Der Energietechnikspezialist wird noch gebraucht.Axel Höpner 27.10.2023 - 15:32 Uhr
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In erster Linie haben Managementfehler die tiefe Krise von Siemens Energy verursacht.

Foto: Siemens Gamesa Renewable Energy

Es sah nach einer eleganten Lösung aus: Per Abspaltung trennte sich die Siemens AG vor gut drei Jahren von ihrer margenschwachen Energietechnik, um sich fortan ganz auf die lukrativeren Digitalgeschäfte zu konzentrieren. Die neue Siemens Energy sollte – nun nicht mehr ungeliebtes Anhängsel – als „weltweit führendes Unternehmen der Energietechnologie“ auf den Weltmärkten reüssieren.

Doch nun stehen Unternehmen und Investoren vor einem Desaster: Nach Milliardenverlusten muss Siemens Energy nach Staatshilfe rufen. Dabei zeigt sich ein altes Dilemma. Zu der schweren Krise des Unternehmens hat sicherlich auch das politische Umfeld beigetragen, also die in vielen Punkten fehlgeleitete Energiewende. Aber in erster Linie haben Managementfehler die tiefe Krise von Siemens Energy verursacht. Und doch wird die Bundesregierung gar nicht anders können, als das Unternehmen mit milliardenschweren Garantien zu stützen. Wie so oft wird der Steuerzahler wieder einmal einspringen müssen, um Managementfehler auszubügeln. Denn auch hier gilt trotz aller ordnungspolitischen Bedenken: Ein Scheitern des Unternehmens würde größeren volkswirtschaftlichen Schaden anrichten als eine staatliche Stützung.

Auch die Ex-Mutter Siemens wird nicht so leicht davonkommen und ihren Beitrag leisten müssen. Denn die Probleme in der Energietechnik waren ja nach der Abspaltung nicht weg – es hatte sie nur wer anderes. Auch Siemens trägt eine große Verantwortung für das aktuelle Desaster.

Die Windkraftfusion hatte einen Geburtsfehler

Die Fehler der Manager reichen weit zurück und sind vielfältig: Die fingen schon im Jahr 2017 mit der Fusion der Siemens-Windkraftsparte mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa an. Der damalige Siemens-Chef Joe Kaeser hielt das für einen cleveren Zug. Durch die Fusion in der börsennotierten Gamesa konnte Siemens an der Konsolidierung in der Windkraftbranche teilnehmen, ohne viel Geld für eine Übernahme in die Hand nehmen zu müssen. Bei Zukäufen im Softwarebereich winkten schließlich viel höhere Renditen.

Doch zeigten sich bald die Nachteile: Siemens – und später Siemens Energy – hatte keinen direkten Zugriff auf die börsennotierte Tochter Siemens Gamesa. Eine wirkliche Integration des spanischen Teils, der stark bei Onshore-Windkraft war, und dem deutschen, Weltmarktführer bei Offshore-Turbinen für die hohe See, fand über Jahre nicht statt. Die Einheiten beäugten sich misstrauisch, statt die jeweiligen Stärken zu nutzen.

So gab es von Siemens Gamesa eine schlechte Nachricht nach der anderen, die Verluste zogen den ganzen Siemens-Energy-Konzern nach der Abspaltung tief in die Verlustzone. Auch Siemens-Energy-Chef Christian Bruch sah zu lange zu. Er konzentrierte sich anfangs stark auf die Sanierung der schwächelnden Kraftwerkssparte, während die Probleme beim Hoffnungsträger Windkraft immer größer wurden.

Der Produktionshochlauf bereitet große Probleme

Der mehrmalige Austausch der Gamesa-Führung brachte wenig. Massive Qualitätsprobleme bei der ersten gemeinsam entwickelten Onshore-Turbinengeneration ließen das Fass dann überlaufen. Hinzu kamen auch noch Probleme beim Hochfahren der Offshore-Windradproduktion, um die vielen Aufträge abzuarbeiten, die man hereingenommen hatte.

Auch wenn die Windkraftbranche schwierig ist – kein Anbieter verdient Geld: Ein großer Teil der Probleme ist also selbst verursacht. Für den Bund dürfte eine Stützung in Form von Garantien ohne Alternative sein. Nicht nur, weil Siemens Energy zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres 92.000 Menschen beschäftigte.

Das Unternehmen wird vor allem noch für die Energiewende gebraucht. Die Grundidee stimmt ja immer noch: Als einziges Unternehmen weltweit deckt Siemens Energy die ganze Kette ab. Von der Stromerzeugung mit konventionellen Kraftwerken und Erneuerbaren über die Stromübertragung bis hin zu Zukunftstechnologien wie Wasserstoff. Oft handelt es sich um Milliardenprojekte – und da kann es gut sein, wenn sie von einem deutschen Anbieter abgewickelt werden und nicht zum Beispiel einem chinesischen Konkurrenten. Die anderen hätten im Übrigen auch gar nicht die Kapazitäten einzuspringen.

Siemens muss um seinen guten Ruf fürchten

Grüne Technologien, erprobt in der schwierigen deutschen Energiewende, können ein Exportmodell sein. Die Nachfrage ist da, das zeigt der Auftragsbestand von 110 Milliarden Euro. Für den Bund dürfte das Risiko zudem überschaubar sein, schließlich geht es um Garantien, nicht um direkte Zahlungen.

Das gilt auch für die Siemens AG, und doch dürfte die Entscheidung dort deutlich schwerer fallen. Schließlich wollte man dort Garantien und Beteiligung weiter zurückfahren, nicht das Engagement erhöhen. Mit Ärger hat man deswegen das Debakel bei Siemens Energy beobachtet. Außerdem ist man in erster Linie den eigenen Investoren verpflichtet.

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Doch trägt Siemens natürlich eine Mitverantwortung, nicht nur, weil führende Manager in den Aufsichtsrat von Siemens Energy entsandt wurden. Siemens muss außerdem seine 25-Prozent-Beteiligung schützen. Den rechtzeitigen Absprung – also den Verkauf zu höheren Kursen – hat Siemens schließlich verpasst. Darüber hinaus will der Münchener Konzern die eigene Marke schützen. Darum wird die Siemens AG bei der Stützung von Siemens Energy eine konstruktive Rolle spielen müssen.

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