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Kommentar Der Fall Bezos zeigt: Im Digitalzeitalter hat sich die Spionage verändert

Das Beispiel von Amazon-Chef Jeff Bezos zeigt: Manager und Unternehmer leben gefährlich. Die neue Bedrohung kommt über ihr Mobiltelefon.
22.01.2020 - 17:12 Uhr Kommentieren
Der Amazon-Gründer soll einen Smartphone-Virus über WhatsApp bekommen haben. Quelle: AFP
Jeff Bezos

Der Amazon-Gründer soll einen Smartphone-Virus über WhatsApp bekommen haben.

(Foto: AFP)

Wollten früher Staaten oder Konzerne an geheime Informationen über Politiker oder Manager gelangen, setzten sie gerne auf die weibliche Kunst der Verführung. Die käufliche Liebe in der Hotelkette „Interhotels“ in der DDR oder ein Stelldichein mit der Meisteragentin Mata Hari und ihresgleichen – das waren die Herausforderungen des analogen Zeitalters.

Fallen werden zwar auch nach dem Ende des Eisernen Vorhangs noch aufgestellt, um an Geschäfts- oder Politgeheimnisse zu kommen. Doch heute bedarf es dafür nicht einmal mehr Schlapphüten oder leicht bekleideter Damen.

Im Digitalzeitalter, in dem viele Menschen mit ihrem Smartphone mehr Zeit verbringen als mit Familie, Partnerin oder Partner, hat sich auch die Spionage verändert. Der jetzt bekannt gewordene Fall ist sicher nur die Spitze des Eisbergs: Das Handy von Amazon-Chef Jeff Bezos soll mit einem Virus gehackt worden sein, der direkt vom Mobilgerät des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman stammte.

Verwunderlich ist ein enger Umgang des technikaffinen Kronprinzen mit dem reichsten Mann der Welt nicht: Saudi-Arabien ist seit dem Amtsantritt von Kronprinz Mohammed einer der wichtigsten Tech-Investoren im Silicon Valley und andernorts. Riad konvertiert immer mehr Ölmilliarden in Anteile vielversprechender Start-ups oder Aktien von Internetgiganten.

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    Bezos ist für die Saudis und andere nichtdemokratische Staaten aber auch wegen seiner Rolle als Eigentümer der „Washington Post“ interessant. Die Zeitung spielt im politischen Establishment der Vereinigten Staaten eine bedeutende Rolle. Es dürfte kein Zufall sein, dass der oppositionelle saudische Journalist Jamal Kashoggi Kolumnist des Blattes war. Er wurde 2018 laut UN-Ermittlungen auf direkte Veranlassung des Kronprinzen Mohammed im saudischen Konsulat in Istanbul bestialisch ermordet.

    Auch der Verfassungsschutz warnt

    Der Fall Bezos mag deutschen Einkaufsleitern, Chefs von Entwicklungsabteilungen, Geschäftsführern und Gründern weit weg erscheinen. Doch das ist ein Trugschluss. Die Gefahr aus dem Handy lauert inzwischen fast überall.

    Nicht nur, dass Bezos das Abhörvirus über Facebooks populären Messengerdienst WhatsApp aufgespielt worden sein soll, lässt aufhorchen. Ebenso besorgniserregend ist die Warnung, die unlängst der deutsche Verfassungsschutz ausgesprochen hat: Er rät Geschäftsreisenden, nach China-Reisen ihre Handys zu zerstören – wegen der Gefahr, dass sie im Reich der Mitte einen Trojaner in das flache rechteckige Rechenwunder gepflanzt bekommen könnten.

    Es sind zwar immer öfter, aber nicht nur Handys, die zur Spionage genutzt werden. Auch vermeintlich unverfängliche Dienste wie das Karriere-Netzwerk LinkedIn nutzen Chinas mit faktischer Allmacht ausgestatteten Aufklärer, um sensible Informationen abzugreifen und Kontakte zu möglichen neuen Zuträgern für Peking anzubahnen. Das zumindest hat das Bundesamt für Verfassungsschutz vor Kurzem mitgeteilt.

    In Berlin wurden gerade gegen einen ehemaligen deutschen EU-Diplomaten, der über beste Beziehungen zu hiesigen Geschäftsmännern verfügte, sowie gegen zwei Mitarbeiter einer deutschen Lobbyfirma Ermittlungen wegen Spionage für China aufgenommen.

    In Davos flogen vermeintliche russische Spione auf, die als Handwerker getarnt beim Weltwirtschaftsforum Firmenlenker auskundschaften sollten. Russland steht zudem in konkretem Verdacht, sich ins Bundestags-Datennetz gehackt und so vertrauliche Dokumente beschafft zu haben.

    Öfter mal das Handy daheim lassen

    Dabei haben es nicht nur Staaten, die ohnehin nicht mit dem besten Ruf ausgestattet sind, auf schützenswerte Firmendaten abgesehen. Legendär ist die Überwachung des Handys von Bundeskanzlerin Angela Merkel durch den amerikanischen Nachrichtendienst NSA. Deutsche Firmenvertreter berichten bereits davon, dass sie bei Besuchen in der US-Botschaft in Berlin Smartphones nicht mehr mitnähmen.

    Der Feind liegt nicht mehr in meinem Bett, ich habe ihn – leider meist viel zu oft – in der Hand. Mata Hari hängt heute am Handy. Doch was tun, um mal eine zutiefst aus dem Analogzeitalter noch von Lenin stammende Frage aufzuwerfen? Da macht sich Ohnmacht breit und leider eine große Unwissenheit in Sachen Datensicherheit bei den allermeisten von uns.

    Sich der Gefahr bewusst zu sein ist ein erster Schritt. Keiner muss in eine Spionageparanoia verfallen. Aber im Zweifel lieber einmal zu viel als einmal zu wenig den Rat von IT-Experten zu suchen, könnte ein Anfang sein. Handys bei Reisen in Länder mit zweifelhafter Reputation daheim zu lassen, ist ein weiterer Schritt.

    Auf die Politik zumindest kann man sich bei der Lösung des Problems nicht verlassen. Merkel reagierte auf ihren eigenen Handy-Hack mit dem lakonischen Satz: „Abhören unter Freunden geht gar nicht.“

    Mehr: Wie das Smartphone von Jeff Bezos gehackt werden konnte.

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