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Kommentar Der Israel-Pakt mit den Golfstaaten hat das Potenzial, die Lage in Nahost nachhaltig zu verändern

Israel und die Golfregion haben jetzt ähnliche Interessen. Der Vertrag ist aber nicht nur ein Freundschaftsabkommen, sondern auch ein Verteidigungspakt gegen den Iran.
16.09.2020 - 15:20 Uhr Kommentieren
Die diplomatischen Beziehungen sollen nun aufgenommen werden. Quelle: AFP
Donald Trump (2.v.r.) mit den Vertretern von Israel, den Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain

Die diplomatischen Beziehungen sollen nun aufgenommen werden.

(Foto: AFP)

US-Präsident Donald Trump spricht von einem „historischen“ Tag. Die kürzlich im Weißen Haus unterzeichneten Abkommen zwischen Jerusalem sowie Abu Dhabi und Manama seien eine Chance für einen nachhaltigen Frieden in der Region. Und: Weitere Staaten aus der Region würden sich den Vorreitern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Bahrain anschließen und ihre Beziehungen zu Israel normalisieren.

Auf den ersten Blick klingt das nach den üblichen Übertreibungen des Präsidenten. Auf den zweiten Blick allerdings zeigt sich: Das Klima im Mittleren Osten hat sich tatsächlich grundlegend verändert. Den politischen Arabismus und die innerarabische Solidarität gibt es nicht mehr.

Der Arabische Frühling, der syrische Bürgerkrieg, die Wirren in Libyen sowie das Terrorregime islamischer Dschihadisten im Irak und in Syrien haben den arabischen Raum erschüttert und für neue Allianzen gesorgt. Das Neue: Auch Israel ist willkommen, zumindest inoffiziell.

Israel und die Golfregion haben jetzt ähnliche Interessen. Beide betrachten die schiitische Regionalmacht Iran als Erzfeind, dessen regionalen Vormarsch sie bremsen und dessen Atommachtpläne sie verhindern wollen. Beide sind zudem Gegner der Muslim-Bruderschaft und der radikal-islamischen Hamas, des israelfeindlichen Sprosses im Gazastreifen.

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    Verteidigungspakt gegen den Iran

    Das Abkommen zwischen Israel und den beiden Golfstaaten ist deshalb nicht nur ein Freundschaftsabkommen, sondern auch ein Verteidigungspakt gegen den Iran und dessen schiitischen Statthalter. Es richtet sich an alle, die sich vom Iran und von dessen Trabanten im Libanon, in Syrien, im Irak, im Gazastreifen oder im Jemen bedroht fühlen.

    Aus Rücksicht auf die Palästinenser hatten bisher fast alle sunnitischen Staaten auf eine offizielle Annäherung an Israel verzichtet. Die arabische Welt hatte ihnen versprochen, dass die Gründung des Staates Palästina Voraussetzung für die Aufnahme diplomatischer Beziehung zu Israel sei.

    Der jetzige Pakt wirft diese Prämisse über den Haufen. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas fühlt sich von den arabischen Brüdern verraten. Die Arabische Liga hat bei ihrer jüngsten Sitzung darauf verzichtet, die Normalisierung der Beziehungen zu Israel zu verurteilen. Schlimmer noch: Sogar die beiden wichtigsten arabischen Länder, Saudi-Arabien und Ägypten, loben das Abkommen.

    Trump hat den Palästinensern indirekt sogar geholfen. Denn er rang Netanjahu das Zugeständnis ab, auf die einseitigen Annexionspläne der Westbank zu verzichten, die er stets in Aussicht gestellt hatte. Diesen gefährlichen Schritt wird Netanjahu jetzt nicht mehr wagen, weil er es sich sonst mit seinen neuen Freunden am Golf verscherzen würde.

    Mehr: Nach dem Friedensvertrag erwarten Jerusalem und Abu Dhabi umfangreiche Geschäfte.

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