1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kommentare
  4. Flink, Gorillas und Co.: Konkurrenz um Arbeitskräfte ist eines der großen Risiken

KommentarDer Kampf um die Fahrer ist ein großes Risiko für die Liefer-Start-ups Flink und Gorillas

Es geht nicht nur um Kunden und Investoren: Die Lieferdienste wetteifern auch um Mitarbeiter. Sie brauchen Tausende Kuriere.Christoph Kapalschinski 10.10.2021 - 14:21 Uhr Artikel anhören

Statt mit luftigen Visionen sollten die Anbieter mit klaren Aussagen zu Verdienstmöglichkeiten und Arbeitszeiten um Arbeitskräfte werben.

Foto: imago images/Mike Schmidt

Seit Wochen erschüttern wilde Streiks das Image des superschnellen App-Supermarkts Gorillas. Zuletzt wusste sich Gründer Kagan Sümer nur noch mit fristlosen Kündigungen zu helfen. Die Unruhe unter den Fahrern ist keine Petitesse: Die jungen Liefer-Start-ups wetteifern nicht nur um Kunden und Investoren. Auch die Fähigkeit, neue Fahrer zu gewinnen, wird zu einem echten Erfolgsfaktor.

So braucht der Lieferdienst Wolt allein für seinen Start in Hamburg bis zum Jahresende 500 Mitarbeiter. Zugleich bauen Gorillas und Flink ihre Lieferflotten in der Stadt aus, die Delivery-Hero-Marke Foodpanda steht in den Startlöchern, Bringoo will mit neuen Kurieren in der Stadt die Penny-Märkte lieferfähig machen. Dabei konkurrieren die Start-ups mit Logistikern wie Amazon, aber auch mit der Gastronomie um gering qualifizierte Arbeitskräfte, Studenten und Minijobber.

Die Lieferdienste müssen dabei einen Zielkonflikt lösen: Einerseits wollen sie mit Löhnen über dem Mindestlohn und E-Bikes auch für die private Nutzung Bewerber überzeugen. Andererseits müssen sie die Kosten in den Griff bekommen und daher zunehmend mehr Touren pro Stunde von ihren Fahrern verlangen.

Das sorgt für Enttäuschung: Gorillas-Gründer Sümer hat eigentlich früh erkannt, wie wichtig es ist, für Fahrer attraktiv zu sein. Gleich nach der Gründung versuchte er, sein Unternehmen als Community für passionierte Radfahrer darzustellen, in deren Lieferlagern gelegentlich DJs auflegen. Doch gerade weil das ambitionierte Leitbild und die nüchterne Realität auseinanderklaffen, fühlen sich Fahrer zu Streikaktionen berechtigt.

Statt mit luftigen Visionen sollten die Anbieter mit klaren Aussagen zu Verdienstmöglichkeiten und Arbeitszeiten um Arbeitskräfte werben. Der Versuch etwa von Uber Eats, die Kuriere kostengünstig an externe Unternehmer auszulagern, ist dabei ein Irrweg. Im Vergleich zu anderen Jobs im Niedriglohnsektor können die Kurierdienste durchaus einiges bieten – vor allem dann, wenn sie reguläre Beschäftigungsverhältnisse mit klaren Löhnen und Mitbestimmung anbieten.

Dennoch ist noch nicht ausgemacht, dass die neuen Geschäftsmodelle dauerhaft zu wirtschaftlichen Konditionen ausreichend Kuriere anziehen können. Noch sind die Arbeitskosten fast überall viel höher als die Liefergebühren und sonstigen Margen. Die Konkurrenz um Arbeitskräfte ist also eines der großen Risiken der jungen Geschäftsmodelle.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt