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KommentarDer Schulterschluss zwischen IWF und Argentinien wird nicht lange halten

Private Gläubiger sollen laut IWF auf Forderungen verzichten. Das ist opportun, weil vor allem nur Profianleger in Argentinienbonds investiert haben. Doch der IWF könnte der nächste Sündenbock sein.Alexander Busch 20.02.2020 - 19:09 Uhr

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält Argentiniens Schulden für nicht mehr tragbar und empfiehlt einen Schuldenschnitt.

Foto: dpa

Überraschend harmonisch endeten die ersten Verhandlungen zwischen dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der argentinischen Regierung: Die Delegation aus Washington erklärte, dass sie die Regierung von Alberto Fernández vollends unterstütze. Sie halte weder die Schulden des Landes für bezahlbar, noch inmitten der schweren Krise des Landes Sparmaßnahmen für möglich.

Kein Wort der Kritik war zu hören, dass die Regierung in Buenos Aires ihre Ausgaben wieder voll mit der Notenpresse finanziert. Dabei beträgt die Inflation bereits 55 Prozent und wird nur durch Preiskontrollen halbwegs stabil gehalten – auch die wären früher ein Affront für die Ökonomen aus Washington gewesen.

So sanft die Analyse für Argentiniens gerade angetretene Regierung ausfällt, umso klarer sind die Vorstellungen des IWF, wie die Umschuldung für Argentinien aussehen soll: Vor allem die privaten Gläubiger sollen erhebliche Zugeständnisse machen, also auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Das war zu erwarten.

Die Investoren haben argentinische Anleihen mit Traumzinsen gekauft, obwohl das Land einen katastrophalen Ruf als Schuldner hatte. In einer Welt mit Negativzinsen dürften viele Verständnis dafür haben, dass Gläubiger, die bisher zweistellige Verzinsungen kassiert haben, nun zur Kasse gebeten werden.

Doch noch ein anderer Grund macht es dem Fond so leicht mit Argentiniens Linksregierung an einem Strang zu ziehen. Anders als bei den großen Schuldenverhandlungen der jüngeren Vergangenheit, sind es vor allem Profianleger, die in argentinische Bonds investiert haben, um mit den Hochzinsanleihen ihre Margen aufzubessern: Franklin Tempelton, Pimco, BlackRock sind das – und weit weniger die Privatanleger aus Italien, der Schweiz und Deutschland, die beim Zahlungsstopp Anfang der 2000er Jahre ihre sicher gewähnten Renten verloren.

Dennoch sollte sich der IWF nicht zu sicher fühlen an der Seite der argentinischen Regierung. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch der Fonds in Argentinien wieder als Sündenbock für die Misere herhalten muss. Bereits jetzt forderte die Vize-Präsidentin Cristina Kirchner, dass auch der IWF auf einen Teil seiner Forderungen verzichten müsse. Dieser Meinung dürfte die Mehrheit der Argentinier sein.

Kein Zweifel: Die harmonisch begonnene Zusammenarbeit mit dem IWF ist nur das erste Kapitel eines lange anhaltenden Verhandlungsmarathons, den Argentinien mit seinen Gläubigern und dem IWF dieses Jahr führen wird.

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