Kommentar: Deutsche Großkonzerne sollten führende Quantenforschung in Europa endlich nutzen
In Deutschland gibt es kaum Unternehmen, die sich mit der Hardware-Entwicklung von Quantencomputern befassen.
Foto: ReutersKürzlich wurden neben dem US-Amerikaner John F. Clauser mit Alain Aspect und Anton Zeilinger auch zwei Europäer für ihre wissenschaftliche Leistung im Quantenbereich mit den Physik-Nobelpreis geehrt. Ihre Forschung schafft die Grundlage für den Bau von Quantencomputern. Die Auszeichnung zeigt: Europa ist in der Quantenphysik weltweit führend.
Jetzt könnte man annehmen, dass sich europäische Unternehmen für den Bau eines Quantencomputers um dieses glänzende wissenschaftliche Potenzial reißen. Leider aber ist das nicht wirklich der Fall.
In Europa gibt es keinen einzigen börsennotierten Großkonzern, der sich an den Bau eines Quantencomputers heranwagt. In Deutschland begnügen sich Unternehmen wie Siemens, BASF, SAP, Volkswagen oder Infineon mit der Entwicklung von Algorithmen für Quantencomputer. Nicht einmal eine Beteiligung an Unternehmen, die Quantencomputer bauen, ziehen sie in Erwägung.
Es ist schon auffällig, dass der Mittelständler Trumpf oder ein Start-up wie IQM mutiger zu sein scheinen. Sie wagen das wirtschaftliche Risiko, obwohl sie über deutlich weniger finanzielle Mittel und personelle Ressourcen verfügen.
Das ist ein unhaltbarer Zustand: Wenn Trumpfs Technikchef Peter Leibinger sagt, dass Quantencomputer die Welt verändern werden, dann ist das keine Aussage eines Wissenschaftlers, der sich in die Physik verliebt hat. Es hat Gründe, warum US-Konzerne wie IBM, Google und Microsoft und der chinesische Staat große Anstrengungen unternehmen, um Quantencomputer zu bauen.
Gute Förderbedingungen in Deutschland
Hierzulande scheint vielen Unternehmen hingegen die Weitsicht zu fehlen und die klare Aussicht auf sprudelnde Einnahmen. Denn klar ist auch: Investitionen in die Quantencomputer-Entwicklung werden sich so schnell nicht rechnen. Die Technologie könnte erst in Jahrzehnten einsetzbar sein.
Im Umkehrschluss zeigt aber die Tatsache, dass die stark kapitalmarktorientierten US-Konzerne dennoch an der teuren Entwicklung festhalten, welche Bedeutung die Unternehmen dieser Technologie beimessen.
Wenn es um Zukunftstechnologien geht, kritisieren Unternehmen in Deutschland oft, dass die Politik nicht die nötigen Rahmenbedingungen schafft und kaum finanzielle Mittel zur Verfügung stellen würde. Beim Quantencomputing ist es allerdings genau andersherum.
Wirtschafts- und Forschungsministerium stellen fast zwei Milliarden Euro zur Verfügung. In Europa können Unternehmen sogar auf über sieben Milliarden Euro Fördergelder zugreifen.
Es ist alles da, was benötigt wird. Die Köpfe, das Geld. Jetzt fehlt nur noch ein unternehmerischer Geist, der sich traut, die Chance zu nutzen.