Kommentar: Die AfD-Forderung nach „Remigration“ ist Wählertäuschung

Beim Gründungskongress ihrer neuen Jugendorganisation zeigte die AfD offen, wie stark sie auf die Parole „millionenfache Remigration“ setzt. Jeder Hinweis darauf wurde mit Jubel quittiert. Co-Parteichef Tino Chrupalla legte im Phoenix-Interview nach: Es sei „ja nun unumstritten“, dass es „millionenfache Abschiebungen“ brauche.
Der Asylrechtsexperte Daniel Thym ordnet die Lage nüchtern ein. Massenabschiebungen seien „illusorisch“. Mit Blick auf syrische Flüchtlinge in Deutschland erklärte er jüngst im ZDF: „Selbst wenn man alle juristischen und logistischen Voraussetzungen irgendwie schafft: Mehr als 5000, 6000, vielleicht 7000 Abschiebungen maximal sind nächstes Jahr nicht drin.“
Die AfD verschweigt diese Realität – und erweckt den Eindruck, Deutschland könne per Beschluss Millionen Menschen außer Landes bringen. Das ist gezielte Wählertäuschung.
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Hinzu kommt: Der Begriff „Remigration“ stammt aus rechtsextremen Kreisen und steht dort dafür, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll – auch unter Zwang. Die AfD stört das nicht. Sie verwendet diesen Begriff in Wahlprogrammen und bei öffentlichen Auftritten, obwohl sie wissen müsste, wie weit er von rechtsstaatlichen Verfahren entfernt ist.
Diese Strategie ist gefährlich. Die AfD forciert damit Misstrauen und Frust gegenüber der Bundesregierung. Damit fördert die Partei zugleich ein Klima, in dem gesellschaftliche Gegensätze schärfer hervortreten und Konflikte schneller eskalieren. Die AfD trägt aktiv zur Polarisierung bei. Und sie riskiert eine dauerhafte Beschädigung des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Wenn ganze Bevölkerungsgruppen als Problem markiert werden, verschiebt sich die Grenze dessen, was gesagt werden darf. Und aus Worten werden Haltungen, aus Haltungen können Taten werden.
Vor diesem Hintergrund ist es umso irritierender, wenn Teile der Wirtschaft der AfD Gesprächsbereitschaft signalisieren. Wer auf Stabilität, Planbarkeit und Rechtsstaatlichkeit angewiesen ist, sollte erkennen, wie stark die AfD diese Grundsätze infrage stellt.
Eine Partei, die auf maximalen Konflikt setzt und unrealistische Forderungen als Lösung verkauft, ist kein Partner für eine verantwortungsvolle Debatte – weder gesellschaftlich noch wirtschaftlich.
Deutschland braucht eine ehrliche und sachliche Diskussion über Migration, Rückführungen und Integration. Dafür gibt es klare Zahlen, rechtliche Grenzen und praktikable Instrumente. Die AfD verweigert sich dieser Realität. Sie setzt auf Täuschung und Polarisierung. Verantwortliche Akteure in Politik und Wirtschaft sollten darauf eine deutliche Antwort finden.
Erstpublikation: 30.11.2025, 18:45 Uhr.