Kommentar: Die Deutsche Telekom verspielt ihre Vorzeigekonferenz Digital X

Mit der Digital X hatte Deutschland über die vergangenen Jahre eine Vorzeigeveranstaltung in Deutschland. Ein Hauch von Silicon Valley über ganz Köln verteilt. Selbst Stars wie Arnold Schwarzenegger und George Clooney kamen vorbei. Und heute?
Zum Auftakt der Veranstaltung fehlte in diesem Jahr selbst Telekom-Konzernchef Timotheus Höttges. Der Flug des CEO sei gestrichen worden, hieß es von der Telekom.
Übrig geblieben ist ein Mini-Event. Die Telekom nennt die Rumpfveranstaltung „Focus Edition“. Im Zentrum steht das Thema Künstliche Intelligenz. Ökonomisch kann das sinnvoll sein. Nach dem Hype um ChatGPT geht es darum, die Technik dahinter in konkrete Geschäftsmodelle zu übersetzen.
Statt Festivalatmosphäre gibt es heute Standardkonferenz. Sie ist austauschbar, beliebig, ohne klares Profil. Die Digital X unterscheidet sich heute kaum noch von Dutzenden anderen Branchentreffen. Warum nach Köln fahren, wenn die DLD in München mehr Programm, mehr Glanz und mehr Relevanz bietet?
Dabei hatte die Telekom es doch geschafft. Mit der Digital X wirkte der Dax-Konzern wie ein Digital-Vorreiter, fast schon cool. Für kurze Zeit gelang der Telekom, was kaum jemand für möglich hielt: Sie wirkte modern, wie ein digitaler Vorreiter.
Der Imagegewinn war gewaltig, und genau deshalb schmerzt der Rückzug umso mehr. Intern gab es schon länger Kritik an den Kosten. Die Kritiker hatten an vielen Stellen recht. Aber eine sinnvolle Kostendisziplin muss nicht gleich das Format entsorgen. Der einstige Architekt der Konferenz, Hagen Rickmann, wechselte ausgerechnet zum Rivalen Vodafone.
Ein Event, das sich vom Rest abhob, wurde so lange zurechtgestutzt, bis es beliebig wurde. Die Digital X war einzigartig. Heute ist sie nur noch ein Name ohne Strahlkraft.
Korrektur: Im zweiten Absatz wurde korrigiert, dass der Flug von Höttges laut Telekom-Angaben gestrichen worden sei, nicht, dass er ihn verpasst habe. Zudem wurde korrigiert, dass diese Aussage nicht von Telekom-Deutschlandchef Rodrigo Diehl getätigt wurde.
Erstpublikation: 10.09.2025, 14:33 Uhr.