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Kommentar Die europäische Chipindustrie ist gefährlich abhängig von fremden Mächten

Infineon, NXP, ST Microelectronics: Die führenden europäischen Anbieter sind den USA und China ausgeliefert. Das muss sich dringend ändern.
21.11.2020 - 13:52 Uhr Kommentieren
Halbleiterfertigung von TSMC: Der taiwanesische Konzern gibt auf Drängen von Donald Trump zwölf Milliarden Dollar für eine Fabrik in Amerika aus. Quelle: TSCM
Chipfertigung

Halbleiterfertigung von TSMC: Der taiwanesische Konzern gibt auf Drängen von Donald Trump zwölf Milliarden Dollar für eine Fabrik in Amerika aus.

(Foto: TSCM)

München Es ist einer jener wenigen wirklichen Erfolge, die Donald Trump für sich verbuchen kann. Der weltgrößte Auftragsfertiger der Chipindustrie, TSMC, baut auf Druck des US-Präsidenten für zwölf Milliarden Dollar ein Werk in den USA.

Für den Konzern aus Taiwan ist das keine außergewöhnlich große Investition, seine modernsten Fabriken in der Heimat sind noch deutlich teurer. Trotzdem gibt der Neubau der Halbleiterbranche in Amerika einen Schub.

Zum Vergleich: Die größte Chipfabrik, die momentan in Europa entsteht, kostet nur rund 1,6 Milliarden Euro. Infineon will die Fertigung nächstes Jahr im österreichischen Villach in Betrieb nehmen.

Trumps schäbiger Populismus lief in den vergangenen vier Jahren zum Glück nur allzu oft ins Leere. Die Chipindustrie hat der scheidende Präsident allerdings nachhaltig geprägt. So verblendet der Mann in diesen Tagen auch daherkommt: Er hat erkannt, dass die Halbleiterbranche eine strategische Bedeutung hat.

Den wenigen verbliebenen, großen europäischen Halbleiterkonzernen hat Trump schonungslos vor Augen geführt, wie abhängig sie von den zwei führenden Volkswirtschaften der Welt sind: von den USA und China. Das ist nicht nur für die Firmen selbst kritisch. Es ist für ganz Europa bedrohlich. Denn ohne Halbleiter geht nichts in der europäischen Industrie.

Europa muss deshalb endlich aufwachen und diese für die Zukunft des ganzen Kontinents so entscheidende Branche entschlossen weiterentwickeln. Das heißt nicht, dass Europa jetzt Milliarden in die Hand nehmen muss, um Fabriken zu subventionieren. Es bedeutet auch nicht, Zollhürden zu errichten, um ausländische Wettbewerber abzuschrecken.

Vielmehr sollte Europa einen eigenen, großen Markt schaffen. Einen Markt, der so attraktiv ist, dass sich die Welt künftig nach den Regeln der Europäer richten muss. Das ist nicht so utopisch, wie es auf den ersten Blick scheint. Beim Mobilfunk hat Europa schon einmal einen globalen Standard gesetzt. So richtig Geld verdient daran haben dann allerdings nicht zuletzt amerikanische Konzerne wie der Handychip-Anbieter Qualcomm oder der Smartphone-Produzent Apple.

Zwischen allen Stühlen

Jetzt könnte es die Elektromobilität sein, mit der die Europäer dem Rest der Welt ihren Stempel aufdrücken. Viele der wichtigsten Automarken weltweit stammen aus Europa und auch die größten Autochip-Hersteller: der Münchener Dax-Konzern Infineon, die ehemalige Philips-Tochter NXP sowie die französisch-italienische ST Microelectronics.

Diese Konzerne sitzen momentan zwischen allen Stühlen. Auf der einen Seite müssen sie zwingend die US-Regeln befolgen. In diesen Tagen heißt das: Sie dürfen auf Befehl Trumps den chinesischen Großkunden Huawei nicht mehr beliefern. Trump versucht, die Chinesen unter Druck zu setzen, indem er einen ihrer bedeutendsten Technologiekonzerne vom weltweiten Chipnachschub abschneidet. Das Kalkül geht – aus der Sicht von Trump – durchaus auf: Gerade erst hat sich Huawei von seiner Handymarke Honor getrennt, um dem Geschäft trotz der Sanktionen eine Perspektive zu geben.
Auf der anderen Seite sind die europäischen Chiphersteller gezwungen, die Chinesen bei Laune zu halten. Die Volksrepublik ist der größte Chipmarkt weltweit. In der Corona-Pandemie ist das Land sogar noch wichtiger geworden, weil die Wirtschaft dort schneller wieder angesprungen ist als im Westen.

Ein ärgerlicher Nebeneffekt für die europäischen Halbleiteranbieter: Angesichts der US-Blockade ist China geradezu gezwungen, eine eigene Chipindustrie aufzubauen. Langfristig entstehen so mit staatlicher Unterstützung Wettbewerber, die es sonst womöglich nie gegeben hätte.

Joe Biden wird wenig ändern

Die EU tut gut daran, sich für einen freien Marktzugang der europäischen Chipfirmen rund um den Globus einzusetzen. Angesichts eines derzeit vergleichsweise kleinen europäischen Halbleitermarkts ist das für die Hersteller überlebenswichtig.

Gut möglich, dass mit Joe Biden im Weißen Haus die Zeit der Lieferverbote zu Ende geht. Wahrscheinlich aber wird der neue Präsident den Druck auf China erst einmal aufrechterhalten, bis das Land den USA irgendwie entgegenkommt.

Dazu kommt: Als Biden noch Vizepräsident war, da untersagte die Regierung die Übernahme des US-Chipherstellers Wolfspeed durch Infineon unter Verweis auf die nationale Sicherheit. Auf allzu große Konzessionen dürfen die Europäer unter Biden daher nicht hoffen.

Höchste Zeit also, die europäische Chipindustrie so stark zu machen, dass Amerika nicht mehr über die eigenen Grenzen hinaus diktieren kann, wen die Konzerne beliefern dürfen – und vor allem: wen nicht.

Mehr: Warum Infineon-Chef Reinhard Ploss der Liebling der Investoren ist

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