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Kommentar Die Fed schwächt die Banken-Stresstests genau zur falschen Zeit

Die US-Notenbank muss das Vertrauen in das Bankensystem aufrecht erhalten. Dass sie dabei auf weniger statt auf mehr Transparenz setzt, ist ein Fehler.
27.06.2020 - 00:11 Uhr Kommentieren
Die US-Notenbank will mit ihren Banken-Stresstests Vertrauen schaffen. Quelle: AFP
Federal Reserve

Die US-Notenbank will mit ihren Banken-Stresstests Vertrauen schaffen.

(Foto: AFP)

Denver Die Stresstests, die die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) nach der Finanzkrise einführte, galten lange Zeit als ein innovatives Instrument der Bankenregulierung. Sie wurden mitten in der Krise erdacht und halfen Investoren und Kunden dabei, Vertrauen in die Finanzbranche zurückzugewinnen. Das lag auch daran, dass die Fed unangenehme Daten der Banken öffentlich machte – vor allem mögliche Verluste der Banken, die im Ernstfall anfallen könnten.

„Schlechte Nachrichten sind besser als keine Nachrichten“, rechtfertigte der damalige Finanzminister Tim Geithner den radikalen Schritt. Die Transparenz half den großen Wall-Street-Häusern dabei, sich am Kapitalmarkt schnell frisches Kapital zu besorgen.

Fed-Chef Jay Powell verfolgt in dieser Krise einen anderen Ansatz. Die Auswirkungen der Pandemie sind deutlich schwerwiegender, als in den vor der Krise entworfenen Testszenarien abgeklopft wurde. Doch statt neue Tests zu entwerfen, entschied sich Powell für eine kurzfristige Ergänzung, deren Ergebnisse jedoch nicht für jede Bank einzeln, sondern nur für die Institute insgesamt veröffentlicht wurde.

Unsicherheiten und Ungenauigkeiten

Daraus geht hervor, dass „die große Mehrheit“ der Banken auch im schwierigsten Szenario ausreichend kapitalisiert ist, aber eben nicht alle. Zudem kündete die Fed an, dass die 33 getesteten Banken ihre Kapitalpläne noch einmal einreichen müssen, nannte dafür jedoch kein genaues Datum und ließ auch offen, nach welchen Kriterien diese Pläne bewertet werden. Aktienrückkäufe sind noch ein weiteres Quartal ausgesetzt, Dividendenzahlungen jedoch nicht.

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    Die Notenbank will die Institute damit vor unnötiger Unruhe schützen, doch erreicht damit das Gegenteil. Sie schafft eine Reihe von zusätzlichen Unsicherheiten und Ungenauigkeiten, in einer Zeit, in der Transparenz und klare Ansagen besonders wichtig sind. Die Sorgen über die Dividenden wird bei den Investoren weiter anhalten. Besser wäre es gewesen, die Ausschüttungen ganz zu streichen, um Kapital zu konservieren, statt es an die Anleger und auch an die Top-Manger auszuschütten, die zum Teil immer noch mit Aktien vergütet werden.

    Mit der Entscheidung zu weniger Transparenz holt sich die Notenbank zudem ein unnötiges Reputationsrisiko ins Haus. Anleger und Kunden können nun nur darauf vertrauen, dass die Fed mögliche Schwächen der Institute schnell erkennt und beseitigt. Sollte etwas schief gehen, würde das den Ruf der Stresstests genauso wie den der Fed als effektiver Bankenregulierer beschädigen. Der Kurs ist zum Glück leicht zu korrigieren, das sollte auch im Interesse der Banken sein.

    Mehr: Die Deutsche Bank besteht den Stresstest in den USA. Die US-Notenbank bescheinigt dem Institut Fortschritte.

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