Kommentar: Die G20 erreichen auf Bali überraschend viel – auch dank Olaf Scholz
Der Kanzler musste viel Kritik dafür einstecken, dass er als erster Staatschef vor eineinhalb Wochen nach Peking reiste.
Foto: dpaBali. Auf dem G20-Gipfel auf Bali wird derzeit nichts Geringeres als die Zukunft der Weltordnung verhandelt. Wäre die Gruppe der 20 mächtigsten Industrie- und Schwellenländer nicht in der Lage, sich wenigstens auf einen Minimalkonsens zu den drängendsten globalen Fragen zu einigen, die G20 wäre obsolet.
So weit ist es nicht gekommen. Die G20 hat auf Bali mehr erreicht, als man erwarten durfte. Der Gipfel hat trotz großer Meinungsunterschiede eine gemeinsame Abschlusserklärung angenommen.
Die Staats- und Regierungschefs stellen sich geschlossen gegen Drohgebärden mit Atomwaffen und isolieren damit Wladimir Putin ein Stück weiter. Das ist ein Erfolg, den auch Kanzler Olaf Scholz für sich verbuchen kann.
Schon länger arbeitet der Westen daran, dass China seine Russlandpolitik hinterfragt. Das ist auf Bali zumindest in Teilen gelungen – und in seiner Bedeutung kaum zu überschätzen. Denn der russische Präsident braucht die Volksrepublik – nicht nur als Abnehmer für Energieexporte, sondern auch für den politischen Rückhalt.
Scholz China-Reise hat den G20 den Boden bereitet
Ohne diesen Rückhalt verliert auch die atomare Drohung zumindest in Teilen ihren Schrecken. Auch Putin weiß, dass er sich nicht komplett isolieren kann. Von „grenzenloser Freundschaft“ jedenfalls, die Peking und Moskau noch vor einigen Monaten beschworen haben, kann spätestens jetzt keine Rede mehr sein.