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PharmazieWie stark ist das Gesundheitssystem Europas von China abhängig?

80 Prozent der in Europa verwendeten Wirkstoffe stammen heute aus China und Indien. Während Peking sein pharmazeutisches Imperium ausbaut, diskutiert die EU, statt zu handeln.Helena Smolak 12.11.2025 - 09:56 Uhr
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Forschung an der Jinan University in Guangzhou: Vier Fünftel der in Europa verwendeten Wirkstoffe stammen aus China und Indien. Foto: imago/Xinhua

Chinas Aufstieg zur medizinischen Großmacht ist das Ergebnis langfristiger, strategischer Planung und kam keineswegs über Nacht. Schon seit Jahrzehnten steigt die Abhängigkeit Europas von dem Land – insbesondere bei den grundlegenden Wirkstoffen für Medikamente. Heute stammen etwa 80 Prozent der in Europa verwendeten Wirkstoffe aus China und Indien. Diese Abhängigkeit macht die EU verwundbar, doch die politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen bleiben bislang unzureichend.

Aus dieser Stärke heraus baut China seine Position im medizinischen Sektor weiter aus. Während Europa noch über Regularien, Normen und bürokratische Hürden debattiert, arbeiten chinesische Forscher und Unternehmen unbemerkt daran, klinische Studien zu beschleunigen, Patente zu sichern und das Vertrauen westlicher Partner zu gewinnen. Immer häufiger gehen große westliche Pharmakonzerne Kooperationen mit asiatischen Biotech-Firmen ein, um am Innovationsfluss teilzuhaben.

Europa reagiert auf diese Entwicklung nicht entschlossen genug, sondern scheint sich selbst etwas vorzumachen. Statt den inzwischen klar erkennbaren Rückstand anzuerkennen, wird er kleingeredet.

Strategische Autonomie in der Pharmaindustrie ist zwar in Brüssel und Berlin zu einem politischen Schlagwort geworden, doch vielmehr bleibt es bei Gesetzesentwürfen, die auf dem Papier Abhängigkeiten lösen sollen. Konkrete Maßnahmen, Standortanreize oder eine umfassende industriepolitische Gesamtstrategie fehlen weitgehend. Besonders erstaunlich ist das, da gerade das Land, von dem Europa bei lebenswichtigen Medikamenten abhängig ist, gleichzeitig als systemischer Rivale gilt.

Zudem mangelt es Europa an Kapital, Geschwindigkeit und Risikobereitschaft. Während China gezielt junge Biotech-Unternehmer fördert und damit Innovationen beschleunigt, wird Europa durch Bürokratie und Vorsicht gebremst.

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Es geht dabei nicht darum, China eins zu eins nachzueifern – die Unterschiede in Größe, staatlicher Steuerung und politischen Rahmenbedingungen sind zu groß. Es wäre aber auch falsch, China komplett außen vor zu lassen.

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Europa muss ehrlich bilanzieren, wo es tatsächlich steht, um aufzuholen. Das Eingeständnis der Abhängigkeit könnte zugleich ein Ansporn sein. Wenn die EU nicht schnell ein eigenes Ökosystem von der Pharmaproduktion bis zur Biotech-Forschung aufbaut, wird die Union langfristig an Einfluss verlieren. Dann bestimmt nicht Brüssel, sondern Peking über die medizinische Versorgung der Europäer – eine Entwicklung, die sich Europa nicht leisten kann.

Erstpublikation: 10.11.2025, 11:57 Uhr.

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