Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Feuer-Katastrophe in Moria: Mitschuld durch jahrelange Ignoranz

Die EU-Mitgliedstaaten haben die untragbaren Zustände in Moria geduldet. Jetzt ist es höchste Zeit, sich zu einer Asylreform zusammenzuraufen.
09.09.2020 - 15:13 Uhr 3 Kommentare
Das Feuer soll auch auf Wohncontainer der Flüchtlinge übergegangen sein. Quelle: dpa
Feuer im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos

Das Feuer soll auch auf Wohncontainer der Flüchtlinge übergegangen sein.

(Foto: dpa)

Das Coronavirus, ein Feuer, ein Aufstand – es war klar, dass die Zustände im Flüchtlingslager Moria durch irgendeinen Auslöser einmal zu einer Katastrophe führen mussten. Jetzt ist es so gekommen – und alle in der Europäischen Union reagieren plötzlich entsetzt. Dabei tragen sie, das muss man so deutlich sagen, eine Mitschuld durch jahrelange Ignoranz.

Die EU hat zugelassen, dass am Rande Europas mehr als 12.000 Menschen dauerhaft in einem Lager hausen, das für weniger als 3000 Menschen, und nur übergangsweise, konzipiert war. Sie hat zugelassen, dass sich Hunderte Menschen eine Toilette teilen, Tausende einen Wasserhahn – und das selbst in Zeiten der Corona-Pandemie. Die Augen verschlossen haben die EU-Mitgliedstaaten – und die Geflüchteten weggeschlossen.

Nach den ersten Corona-Infektionen stand das ganze Lager seit vergangener Woche unter Quarantäne. Menschenrechtsorganisationen hatten seit Monaten vor einem Ausbruch gewarnt.

Moria ist ein europäisches Flüchtlingslager. Die EU trägt eine besondere Verantwortung für das Lager auf der griechischen Insel Lesbos. Es ist entstanden, als sich der Staatenbund vor vier Jahren mit der Türkei auf einen Flüchtlingspakt einigte. Abgelehnte Asylsuchende sollten von Griechenland direkt zurück in die Türkei gebracht werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den Pakt persönlich mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan ausgemacht.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Damals, 2016, war klar, dass das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei Zeit kaufen sollte, damit die EU-Mitgliedstaaten in Ruhe regeln können, wie sie künftig mit der Migration in die EU umgehen. Die Zeit wurde nicht genutzt, die Kluft zwischen den EU-Staaten war zu groß, es war zu bequem, eine Einigung angesichts sinkender Flüchtlingszahlen immer wieder zu verschieben. Die Menschen in Moria waren ja weit weg.

    Flüchtlingslager Moria: EU hat Mitschuld durch Wegschauen  Quelle: AFP
    Moria

    Tausende könnten durch das Feuer nun obdachlos sein.

    (Foto: AFP)

    In diesem Jahr haben sich EU-Länder monatelang umeinander gedreht auf der Suche nach einem Pakt der Freiwilligen, um wenigstens die Kinder aus Moria zu evakuieren. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat den Termin für eine EU-Migrationsstrategie mehrfach verschoben. Ende September will sie sie nun vorlegen – ein Verteilsystem auf die EU-Mitgliedstaaten, aber nicht verpflichtend für alle, zeichnet sich ab. Man darf gespannt sein, ob dies nach vier Jahren die Probleme löst.

    Krisen können Auslöser für Durchbrüche sein. Die EU-Staaten sollten jetzt, die schrecklichen Bilder aus Moria vor Augen, sofort eine Lösung für die Unterbringung der Geflüchteten anbieten. Das kann auf eine Gruppe aufnahmewilliger Staaten begrenzt bleiben. Und dann sollten sich die EU-Staaten schnell auf ein reformiertes europäisches Asylsystem einigen. Die Zeit des Verdrängens ist vorbei. Deutschland hat mit der EU-Ratspräsidentschaft hier eine besondere Verantwortung.

    Niemand fordert eine ungeprüfte permanente Aufnahme der Geflüchteten. Aber ein möglichst schnelles Asylverfahren unter menschenwürdigen Umständen, das sollte die Europäische Union, die Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit zu ihren Werten zählt, bieten können.

    Mehr: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Feuer im Flüchtlingscamp Moria

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Feuer-Katastrophe in Moria: Mitschuld durch jahrelange Ignoranz
    3 Kommentare zu "Kommentar: Feuer-Katastrophe in Moria: Mitschuld durch jahrelange Ignoranz"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • [...] Wenn wie in dem Kommentar behauptet wird, Tausende Flüchtlinge, also Mehrzahl was bedeutet mindestens 2000, hätten nur einen Wasserhahn der lügt uns doch die Hucke voll. Bei 12.000 Flüchtlingen wären das 6 Wasserhähne.
      Bei 2 Minuten fürs Wasserholen/zapfen pro Flüchtling würden in 24 Std. max. 720 Flüchtlinge an Wasser kommen, diese Schlange würde uns doch all abendlich im TV in Dauerschleife gezeigt. Max 4320 Menschen kämen somit an Wasser. Was ist mit den andern 8.000 Menschen?
      [...]  Beitrag von der Redaktion editiert. Unterstellungen und Verdächtigungen, die durch keine glaubwürdigen Quellen gestützt werden, sind nicht erwünscht. 

    • Es ist höchste Zeit, nur noch Asylberechtigte in Europa aufzunehmen. Die restlichen 90-95%
      müssen draußen bleiben, es sei denn, sie decken einen bestimmten Bedarf für die Wirtschaft.

    • Was nützt ein Asylverfahren, wenn eine Ablehnung nicht zur Ausweisung führt? Es ist zwischenzeitlich gleichgültig ob der Asylbescheid negativ oder positiv ist. Deutschland verlassen muß nur ein sehr kleiner Bruchteil der Ausreispflichtigen. Der größte Teil erhält eine Duldung und die meisten werden niemals in das Sozialsystem einbezahlen sondern eher ein ganzes Leben lang davon profitieren und kostenlos Wohnung, Essen, Trinken, Kleidung, Gesundheitsfürsorge, Bildung und sehr Vieles mehr beziehen. Professor Sinn (ex Ifo-Chef) bezifferte die Kosten pro Flüchtling auf 450.000.- Euro. In Deutschland leben ca. 670.000 Flüchtlinge!

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%