Kommentar: IT-Fachkräftemangel: Auch die Unternehmen stehen in der Pflicht
Bewerber berichten von Personalern, die ihre Qualifikation gar nicht verstehen.
Foto: DigitalVision/Getty ImagesKennen Sie den Unterschied zwischen einem Data-Scientist und einer Data-Analystin? Viele deutsche Unternehmen kennen ihn nicht – sollten es aber, um passendes Personal für einen zukunftsfähigen Betrieb zu finden. Während einem Data-Scientist nur das Problem bekannt ist und er es zum Beispiel mit maschinellem Lernen zu lösen versucht, liegt der Data-Analystin eine riesige Datenmenge vor, aus der sie Erkenntnisse gewinnen will.
In einer Handelsblatt-Umfrage unter den 40 Dax-Konzernen zu den Personalplänen für 2023 gaben 19 von 22 an, im Bereich IT zu suchen. Nicht alle konnten konkrete Stellenprofile nennen. Stattdessen nutzten manche Firmen schwammige Begriffe wie IT-Experte, Digitalspezialistin oder ITler. Wenn in Deutschland vom IT-Fachkräftemangel die Rede ist, werden etliche Berufe schlicht zusammengefasst. Das ist aus zwei Gründen ein Problem.
Erstens: Unklare Berufsbilder führen dazu, dass sich weniger junge Menschen für den Job interessieren. Mit inländischem Personal können die laut Digitalverband Bitkom 137.000 offenen IT-Stellen eh nicht besetzt werden. Wenn zusätzlich die Anforderungen nicht greifbar sind, erscheint eine Bewerbung unattraktiv. Dabei stecken hinter Softwareentwicklern keine Nerds – die Basics einer Programmiersprache sind in wenigen Monaten zu lernen.
Zweitens: Wenn eine Personalabteilung nicht weiß, wen sie genau sucht, dauert die Besetzung viel länger. Hohe unnötige Kosten entstehen. Bewerber berichten zum Beispiel von Absagen, weil Personaler im Interview nicht verstanden haben, dass die Qualifikationen ausreichten.
Manche haben bereits eine klare Vorstellung. So sucht etwa Heidelberg Materials „SAP S/4HANA Specialists“, also Expertise mit einer explizit genannten Software. Allianz und VW bilden sogar selbst aus und weiter.
Auch solch gezielte Suchen lösen zwar den Fachkräftemangel nicht. Aber sie geben klare Signale an den Arbeitsmarkt. Andere Unternehmen, vor allem Mittelständler, sollten sich daran ein Beispiel nehmen.