Kommentar: Mit dem Umbau von Cariad führt Volkswagen-Chef Blume den ersten Schlag aus

Bei der wichtigen Softwaretochter Cariad wechselt das Management.
Foto: imago images/Arnulf HettrichNach acht Monaten im Amt nimmt Volkswagen-Chef Oliver Blume den ersten großen Eingriff in das Gefüge des Autobauers vor. Bei der wichtigen Softwaretochter Cariad wechselt er das Management weitgehend aus und justiert die Abläufe in der Einheit neu. Cariad soll nicht mehr abgekoppelt von den Marken (VW, Audi, Porsche, Seat, Skoda) arbeiten, sondern enger an diese gebunden werden.
Bei Cariad geht es um mehr als ein paar Personalien und eine Neuordnung firmeninterner Prozesse. Die Einheit mit ihren rund 6000 Mitarbeitern ist zentral für die Entwicklung der Betriebssysteme, mit denen die Fahrzeuge des Konzerns eines Tages autonom und mit Unterhaltungs-Apps ausgestattet über die Straßen fahren sollen. Gegenüber Herstellern aus China und Tesla aus den USA ist VW in dieser Disziplin ins Hintertreffen geraten.
Die Neuerrichtung von Cariad ist ein richtiger Schritt in Richtung eines restaurierten Volkswagen-Konzerns, für den Vorstandschef Blume angetreten ist. An seinem ersten Arbeitstag im September vergangenen Jahres hatte er einige Zielmarken benannt, allerdings konnte er zu dem frühen Zeitpunkt keine konkreten Maßnahmen nennen.
Cariad stand auf dieser Liste, und mit deren Umbau führt Blume den ersten Schlag aus. Weitere müssen folgen, will er seine Arbeit im Dienst der Volkswagen AG erfolgreich abschließen.
Oben auf Blumes Liste steht als Nächstes eine Verbesserung der Rentabilität. Volkswagen mit seinen über 600.000 Mitarbeitern und 100 Fabriken ist zwar eine Macht in der Automobilwirtschaft. Doch hat der Gigant zuletzt an Substanz eingebüßt.
Mehr Rentabilität als nächstes Ziel
Diese Schwäche müssen Blume und seine Mannschaft beseitigen, wollen sie größere Probleme vermeiden. Gerade in einem wettbewerbsintensiveren Umfeld und in Zeiten technologischer Umbrüche verliert das Unternehmen, das wirtschaftlich schlechter agiert. Handelt VW-Chef Blume nicht, wird eines Tages das Geld für attraktive Modelle und flankierende Vertriebsmaßnahmen fehlen.
Blume ist sich dieser Schwäche bewusst. Er verlangt daher, dass die einzelnen Marken sich börsentauglich aufstellen. Weniger verfolgt er dabei den Plan, dass Audi oder Seat wie zuletzt Porsche tatsächlich am Kapitalmarkt gelistet werden.
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Die einzelnen Hersteller unter dem Dach von VW sollen sich vielmehr mit ihren Kostenstrukturen an ihrer jeweiligen Wettbewerbsgruppe orientieren. Das Ziel ist benannt, was fehlt, sind die konkreten Maßnahmen.
Die wird Blume bald liefern müssen, immerhin ist er schon acht Monate im Amt. Mit dem Blick auf die Börse will das Führungsteam um Blume die Manager der Marken auch dazu bringen, sich dem Wettbewerb außerhalb der Konzernmauern zu stellen. Allzu oft arbeiten sich die Vorstände der Marken aneinander ab – und verlieren damit Zeit und Geld.
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Eine Folge dieser fortwährenden Nabelschau lässt sich in China beobachten. In diesem wichtigen Markt hat Volkswagen gegenüber den lokalen Herstellern seine Marktführerschaft eingebüßt. Chinesische Autobauer wie BYD oder Geely bieten ihren Kunden Fahrzeuge mit einer besseren Digitalisierung an. Das macht sie erfolgreich.
Um den Rückstand aufzuholen, braucht Volkswagen eine funktionierende Softwareeinheit Cariad und rentablere Kostenstrukturen. Nur wer Geld in der Kasse hat, kann in Forschung und Entwicklung investieren. Dieses Feld war eigentlich immer die Stärke des VW-Konzerns. Nun muss Volkswagen genau hier nachlegen..