Kommentar: Ohne strenge Regulierung hat die Kryptobranche keine Chance
Nach der Pleite von FTX stellt sich die Vertrauensfrage für die gesamte Kryptowelt.
Foto: ReutersWie lange wird es wohl dauern, bis die Saga um Sam Bankman-Fried, den Gründer der kollabierten Kryptobörse FTX, verfilmt wird? Die Affäre hat alles, was ein Blockbuster braucht, Tragik, Schuld, Fallhöhe, und dann spielt das Ganze auch noch an exotischen Schauplätzen.
In Rekordzeit mutierte der junge Protagonist mit dem dunklen Lockenkopf vom Kryptoguru zum Totengräber der einstigen Boombranche, 17 Milliarden Dollar Anlegergelder sind nach der spektakulären Pleite verschwunden, und in der vergangenen Woche wurde Bankman-Fried wegen Betrugsverdacht in seiner Wahlheimat, den Bahamas, verhaftet.
Bleibt nur noch die Frage, welches Hollywood-Studio sich den Zuschlag für die Geschichte vom Aufstieg und Fall von SBF sichert, wie der FTX-Gründer in der Szene genannt wird.
Für die Kryptobranche stellen sich ganz andere – existenzielle – Fragen. Werden Bitcoin & Co. den Skandal überleben, der das Vertrauen in die gesamte Szene erschüttert hat? Oder werden die Kunstwährungen in Zukunft in irgendeiner dunklen Nische der Finanzwelt trostlos verkümmern?
Die Antwort hängt entscheidend davon ab, wie streng das Krypto-Ökosystem in Zukunft reguliert wird, und da gibt es zwei entgegengesetzte Denkschulen.
>> Lesen Sie hier: Ohne strenge Regulierung hat die Kryptobranche keine Chance
Die Welt der Kryptowährungen sei künstlich aufgeblasen, inhärent instabil und voller Risiken, deshalb sollte sie gar nicht erst durch Regulatoren oder Finanzunternehmen legitimiert werden, weil Anleger dadurch in falscher Sicherheit gewiegt werden, meint zum Beispiel Ulrich Bindseil, Generaldirektor bei der Europäischen Zentralbank. Mark Branson, der Chef der deutschen Finanzaufsicht Bafin, fordert das Gegenteil: eine strenge globale Regulierung.
Um es kurz zu machen – der Bafin-Chef hat recht: Die Kryptobranche braucht konzise und international einheitliche Regeln. Nicht nur, um die Verbraucher und den Rest der Finanzwelt zu schützen, sondern auch aus Eigeninteresse.
Ein unreguliertes Ökosystem hätte nur eine Chance, wenn es so klein wäre, dass Unfälle wie der Kollaps von FTX und die dadurch ausgelösten Kollateralschäden so überschaubar blieben, dass keine Ansteckungsgefahr für den (regulierten) Rest der Finanzwelt bestünde.
Eine solche isolierte, anarchistische Nische wäre per definitionem für das große Ganze der internationalen Kapitalmärkte bedeutungslos. Das würde aber weder der Kryptobranche noch dem Rest der Finanzwelt nutzen.
Handelsvolumen an Kryptobörsen hat sich halbiert
Ganz abgesehen von der Tatsache, dass solche dunklen, abgeschiedenen Biotope in der ansonsten ziemlich gut ausgeleuchteten Finanzwelt Geldwäschern und anderen Kriminellen einen idealen Lebensraum bieten. Allein aus diesem Grund ist klar, dass die Kryptoszene härter reguliert werden muss.
Der Vertrauensverlust infolge des FTX-Skandals müsste eigentlich auch den Protagonisten der Kryptoszene zeigen, dass ihre Innovationen wirkungslos zu verpuffen drohen, wenn die Branche nicht so schnell wie möglich erwachsen wird. Und dazu gehört nun einmal Regulierung.
Wie schnell die Rutschparty in Richtung Bedeutungslosigkeit werden kann, haben die vergangenen Tage gezeigt. Glaubt man den Daten des Informationsdienstes Bloomberg, dann hat sich das Handelsvolumen an Kryptobörsen wie FTX seit dem Kollaps Mitte November in etwa halbiert. Wenn das in diesem Tempo weitergeht, dann hat Hollywood vielleicht doch kein Interesse mehr an der SBF-Story, und das wäre eigentlich schade.