1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kommentare
  4. Kommentar: Rettung der Zocker-Volksbanken darf nicht folgenlos bleiben

KommentarRettung der Zocker-Volksbanken darf nicht folgenlos bleiben

Mehrere Schieflagen kosten die Genossenschaftsbanken aktuell 1,2 Milliarden Euro. Sie sollten ihr Sicherungssystem möglichst bald anpassen. Denn es gibt noch ganz andere Schwierigkeiten.Elisabeth Atzler 07.07.2025 - 14:39 Uhr
Artikel anhören
Volks- und Raiffeisenbanken: 60 Prozent der Mitglieder der Geldhäuser sind über 50 Jahre alt. Foto: dpa

Nach vier großen Stützungsfällen in den eigenen Reihen wollen die Volks- und Raiffeisenbanken ihre Sicherungssysteme anpassen. Unter anderem ist geplant, dass sie künftig schneller auf drohende Schieflagen einzelner Geldhäuser reagieren können. Außerdem sollen die Anforderungen an Aufsichtsräte erhöht werden, damit diese die Bankvorstände wirklich kritisch hinterfragen.

Das ist gut und richtig. Schließlich muss der genossenschaftliche Finanzsektor für die vier geretteten Banken, die sich verzockt haben, Risiken in Höhe von 1,2 Milliarden Euro abschirmen. Das ist eine enorme Summe, auch wenn ihre Sicherungsfonds das leicht verkraften können.

Wichtig ist aber auch, dass sich der Finanzverbund der Genossenschaftsbanken rasch auf strengere Regeln verständigt und die 670 Banken besser 2026 als 2027 darüber abstimmen. Denn aktuell können die Geldhäuser aus einer Position der großen Stärke heraus agieren. Sie verdienen Milliarden, und selbst ein zaghaftes Wirtschaftswachstum dürfte ihre Geschäfte ankurbeln.

Denn die Volks- und Raiffeisenbanken haben noch ganz andere Probleme, die sie rasch angehen müssen – mit Investitionen und den dafür nötigen internen Abstimmungen, was wiederum Zeit erfordert. Der Wettbewerb auf dem deutschen Bankenmarkt ist härter denn je. Zu den neuen Konkurrenten zählen das Onlineangebot der spanischen Großbank BBVA und bald wahrscheinlich auch das der US-Großbank JP Morgan. Schon jetzt ziehen Neobroker wie Trade Republic und Neobanken wie Revolut viele Kundinnen und Kunden an.

Großteil der Mitglieder ist älter als 50

Für Genossenschaftsbanken wie für Sparkassen ist es eine große Herausforderung, trotz Onlinebanking und immer weniger Filialen die Nähe zu ihren Kundinnen und Kunden zu bewahren. Sie müssen Ideen entwickeln, um auch die Kundinnen und Kunden von morgen zu erreichen.

Banken

„Wir müssen uns verändern“: Volksbanken wollen in Krisenfällen schneller reagieren

Die Volks- und Raiffeisenbanken unterscheiden sich vom Rest der Branche, weil ein erheblicher Teil ihrer Kunden – fast 18 Millionen – zugleich Mitglied und damit Anteilseigner der Bank ist. Allerdings sind 60 Prozent der Mitglieder älter als 50 Jahre.

Es geht darum, mit dem Bankgeschäft vor Ort dauerhaft Geld zu verdienen – und nicht mit bundesweiten Krediten für Gewerbeimmobilien oder Start-ups. Die Tatsache, dass manche Banken davon ausgehen, ihr eigentliches Geschäftsmodell werfe nicht genug ab, darf kein Argument für hohe Risiken sein. Vielmehr sollte es ein Argument dafür sein, mehr in Digitalisierung und Mitgliedervorteile zu investieren.

Deutlich mehr Fusionen als bisher sind naheliegend. Derzeit gibt es noch mehrere Hundert Volks- und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD-Banken sowie genossenschaftliche Spezialinstitute, darunter etliche sehr kleine Geldhäuser. Wenn die Zahl der Banken sinkt, fallen Entscheidungen im Verbund womöglich auch schneller.

Verwandte Themen
Trade Republic
Sparda-Banken
Sparkassen

Erstpublikation: 04.07.2025, 13:32 Uhr.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt