Kommentar: Saudi-Arabien mischt den Wasserstoffmarkt auf

Seit Wochen überschlagen sich die schlechten Nachrichten aus der Wasserstoffbranche. Hier wird ein Projekt verschoben, dort gleich ganz eingestampft. Und dann kommt Saudi-Arabien.
Das Land will einer der größten Wasserstoffproduzenten der Welt werden. Dazu plant es die Gründung eines neuen Mega-Unternehmens. Dahinter steht der saudische Staatsfonds, ein ziemlich gutes Indiz dafür, dass das Projekt auch wirklich realisiert wird.
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Damit löst der Ölstaat ein großes Problem: das fehlende Angebot. Und wenn der saudische Staatsfonds Milliarden in das Vorhaben investiert, muss es sich für Saudi-Arabien auch rechnen, so viel steht fest. Und Deutschland, so munkelt man, ist einer der Hauptzielmärkte für den grünen Wasserstoff aus Solarkraft. So weit, so gut.
Allerdings gibt es noch zwei große Probleme, die den Hochlauf des Wasserstoffmarktes bremsen:
- zahlungsunfähige Abnehmer
- und fehlende Infrastruktur.
Thyssen-Krupp, Deutschlands größter Stahlkonzern und einer der größten Abnehmer von grünem Wasserstoff in Europa, hat massive finanzielle Probleme. Ob Thyssen-Krupp aus heutiger Sicht einen Abnahmevertrag für 20 Jahre abschließen wird, ist mehr als fraglich. Es ist zwar davon auszugehen, dass Saudi-Arabien seinen grünen Wasserstoff zu erschwinglichen Preisen auf den Markt bringen wird, aber er wird immer noch teurer sein als die fossile Alternative.
Wie soll das grüne Molekül an Land kommen?
Das zweite Problem ist die fehlende Infrastruktur. Zwar hat Deutschland inzwischen die Planung für sein Wasserstoff-Kernnetz verabschiedet. Was aber noch fehlt, ist die Infrastruktur, um das grüne Molekül an Land zu bringen. Im Ausland produzierter Wasserstoff wird höchstwahrscheinlich in Form eines Derivats wie grünes Ammoniak exportiert, egal aus welchem Land. Die Infrastruktur, um grünes Ammoniak hierzulande wieder in Wasserstoff umzuwandeln, existiert jedoch noch nicht. Hier wären Investitionsentscheidungen und entsprechende Rahmenbedingungen in erheblichem Umfang erforderlich.
Dennoch: Die Pläne Saudi-Arabiens sind ein dringend benötigtes positives Signal für den europäischen Wasserstoffmarkt. Und manchmal reicht ein bisschen Optimismus, um etwas in Bewegung zu bringen.