Kommentar: Scholz hält sich immer noch für den besten Kanzler aller Zeiten

Wenn Politik mit dem Betrachten der Wirklichkeit beginnt, dann ist Olaf Scholz ganz weit von dieser entfernt. Der Kanzler legte in der TV-Sendung Caren Miosga am Sonntagabend einen rosaroten Weichzeichner über seine Kanzlerschaft. Das lässt nur einen Schluss zu: Das Ampelproblem sitzt im Kanzleramt selbst.
Denn Scholz sieht, was wir nicht sehen. Eigene Fehler gibt es bei ihm nicht, auch wenn seine Regierung auseinandergeflogen ist. Es ist noch keine Woche her, dass er die Mehrheit im Bundestag verlor. Doch Scholz scheint sich – das wird deutlich, je länger man ihm zuhört – immer noch als den besten Kanzler aller Zeiten zu sehen. Für ihn steht fest: Die Bürgerinnen und Bürger werden ihm bei Neuwahlen wieder das Vertrauen aussprechen. Die niederschmetternden Umfragewerte für die SPD interessieren ihn nicht.
Dafür trat er auch am Sonntagabend wieder nach, als es um den Rauswurf des früheren Bundesfinanzministers Christian Lindner ging. Im FDP-Chef sieht Scholz den Alleinschuldigen für den Bruch der Koalition, den er nicht provoziert habe. Aus Scholz’ Sicht lief die Entlassung anständig ab und war nötig. Er musste auf den Tisch hauen.