Kommentar: Schweiz hält Skipisten offen: Dieser Sonderweg könnte sich schnell als Irrweg erweisen
Im Gegensatz zu anderen Ländern setzt die Schweiz auch während der Pandemie auf den Wintersport.
Foto: dpaDie Schweiz bietet vieles, was der Freund des Wintersports begehrt: gediegene Hotels, atemberaubende Abfahrten und auch eine Prise Exklusivität. In diesem Corona-Winter scheint es aber von Graubünden bis ins Wallis an einem zu mangeln: Vernunft.
Während andere Alpenstaaten ihre Schneeregionen geschlossen halten, sausen in der Schweiz die Skifahrer über die Pisten. Dabei verzeichnete die Schweiz zuletzt 592 neue Corona-Fälle je 100.000 Einwohner. Doch trotz der weiterhin sehr kritischen Covid-19-Lage wollen sich Deutschlands südliche Nachbarn nicht das Geschäft vermiesen lassen. Neben den Schweizern selbst dürfen sich auch angereiste Ausländer in das Getümmel stürzen.
Ski und Rodel gut, heißt die Parole. Die Schweizer Regierung, der Bundesrat, erlaubt damit ein Spektakel im Herzen Europas, das nicht nur für die Eidgenossenschaft selbst, sondern auch für andere Staaten erhebliche Risiken birgt.
Bilder einer ansteckenden Fahrlässigkeit aus dem international beliebten Skiort Verbier lassen das Schlimmste befürchten: Dicht gedrängt stehen Dutzende Sportsleute vor einer Gondelbahn, um in luftige Höhen zu gelangen. Auch in Zermatt fielen Skifans auf, die Schulter an Schulter, Kopf an Kopf auf den Transport warteten.
Unkontrollierbarer Leichtsinn
Solche Konstellationen aber haben das Potenzial, sich zu Superspreading-Events zu entwickeln. Haben die sonst so gewissenhaften Eidgenossen schon vergessen, dass im vergangenen Winter Skiorte zu Corona-Hotspots mutierten?
Vorwürfe aus Deutschland wegen der Partys im Schatten des Matterhorns weist die Schweiz zurück. Die ausgeklügelten Schutzkonzepte gegen die Pandemie – vom Maskentragen bis hin zur Kapazitätsbegrenzung in den Beförderungsmitteln – reichten aus, um neue Ausbrüche zu verhindern. Im Übrigen sei die Schweiz ein souveränes Land, dem niemand Vorschriften zu machen habe.
Doch der Leichtsinn auf und rund um die Pisten herum, der nicht selten von Alkohol und auch Drogen befeuert wird, lässt sich nicht kontrollieren. Da helfen weder Appelle noch Sicherheitsvorkehrungen, sondern nur vorübergehende Verbote. Die Schließungen der Skigebiete sind zwar schmerzhaft und teuer, vor allem für die Tourismusbranche. Sie sind aber nötig.
Was den Wintersport betrifft, braucht es ein einheitliches restriktives Vorgehen aller europäischen Länder. Das würde schon einiges dazu beitragen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen und die Rückkehr zur Normalität zu beschleunigen, auch in den Bergdestinationen.
Der Schweizer Sonderweg könnte sich bald als Irrweg erweisen. Bern sollte den Schneespaß erst dann wieder zulassen, wenn die Corona-Bedrohung auch in den Alpen gebannt ist.