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Kommentar Smarte Technologie muss einen Nutzen haben

Auf der CES werden wieder reihenweise Produktneuheiten präsentiert. Aber die Nutzer fragen zu Recht, was ihnen all die Geräte eigentlich bringen.
10.01.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Auf reinen Techno-Optimismus sollten die Konzerne nicht mehr setzen. Quelle: AP
Smarthome-Präsentation auf der CES

Auf reinen Techno-Optimismus sollten die Konzerne nicht mehr setzen.

(Foto: AP)

Man muss auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas nie lange suchen, um ein neues Gerät zu finden, das zur Lachnummer taugt. Es gibt in den weiten Hallen der Tagungshotels auf dem Kasino-Strip vernetzte Duschköpfe, vernetzte Mülleimer und vernetzte Toiletten zu bestaunen. Wer nicht mal auf dem stillen Örtchen ohne Alexa auskommt, der darf sich getrost auf die Zukunft freuen.

Die Absurdität dieser ziemlich dummen smarten Geräte hat einen ernsten Kern: Viele Firmen wollen beim vernetzten Zuhause dabei sein, aber wenige Ideen erleichtern uns wirklich das Leben und bringen so die Gesamtidee und das technologische Ökosystem voran.

Google, Apple und Amazon bringen ihre smarten Lautsprecher zwar mit Kampfpreisen unter die Leute, aber nur wenige werden dadurch zu Enthusiasten bekehrt, koppeln Rollläden, Lichtschalter und Waschmaschine damit. Es fehlt an Kompatibilität zwischen Herstellern und teils auch einfach an überzeugenden Produkten. Viele Nutzer gebrauchen den Lautsprecher deshalb vor allem: als Lautsprecher. Oder stellen Alexa gleich ganz in die Ecke.

Auf reinen Techno-Optimismus sollten die Konzerne nicht mehr setzen. Die Nutzer fragen zu Recht kritisch, was ihnen all die Geräte eigentlich bringen? Es gibt in Las Vegas Fernseher zu bestaunen, so hochauflösend, dass es kaum Inhalte dafür gibt. Oder Virtual-Reality-Brillen, obwohl die seit Jahren auf das Ökosystem an Apps warten, das ihre Anschaffung sinnvoll macht.

Zwar beginnen Amazon, Apple und Co. langsam, das Problem selbst in die Hand zu nehmen und eigene Dienste für ihre Geräte zu entwickeln – doch bisher mit mittelmäßigem Erfolg. Etwa beim intelligenten Zuhause: Die smarte Türklingel von Ring ist in den USA zwar ein Renner, seit Amazon das Unternehmen gekauft hat. Dass die Geräte aber ganze Nachbarschaften überwachen und unnötige Angst verbreiten, schadet auch Amazons Ruf.

Oder beim Streaming: Zwar hat Apple manche gute Serie für seinen Dienst TV+ produziert, aber alle hätten genauso gut von einem gewöhnlichen Sender gemacht werden können. Einen Sinn für die Möglichkeiten eines Smartphones strahlt TV+ nicht aus.

Plattform statt PS

Wie der iPhone-Hersteller Gerät und Dienst sinnvoller hätte verbinden können, zeigt ein viel kleinerer Konkurrent: Quibi, das Start-up von Produzenten-Legende Jeffrey Katzenberg und Valley-Veteranin Meg Whitman. Quibi produziert ausschließlich Videos von ein paar Minuten, statt gehetzte Millennials zu zwingen, einen für Kinoabend und -leinwand ausgelegten Film am kleinen Bildschirm auf 25,5 U-Bahn-Fahrten aufzuteilen. Manche „Quibis“ interagieren mit der Smartphone-Uhr, andere machen sich Gyroskop oder GPS-Signal im Handy zunutze.

Von dieser Erfahrung sollten die Unternehmen lernen, die um die Vorherrschaft auf den neuen Plattformen kämpfen werden: für das Auto und speziell das Entertainment für die Beifahrer und eines Tages in der autonomen Zukunft auch den Dann-nicht-mehr-Fahrer.

Dass der chinesische Neuling Byton auf der CES wesentlich mehr über seine Entwicklerplattform und die Partnerschaft mit dem Film- und Fernsehkonzern Viacom CBS gesprochen hat als über Beschleunigung und PS, muss traditionellen Autokonzernen zu denken geben. Sie müssen sich, oder besser ihre Kunden, fragen, was das Auto von anderen smarten Geräten unterscheidet. Soll es morgens auf dem Weg ins Büro standardmäßig Mail-Account und Firmen-Intranet anzeigen? Soll es präventiv beruhigende Musik spielen, wenn das Navigationsgerät einen Stau auf der Strecke anzeigt?

Generäle versuchen immer, den letzten Krieg zu gewinnen, und verlieren deswegen den nächsten, heißt es. So wie Apples Streamingdienst für den Fernseher statt fürs Smartphone produziert wurde, haben sich die großen Tech-Konzerne lange vor allem für die Schaltzentrale – den Lautsprecher – interessiert und Anwendungen vernachlässigt, weil es beim Smartphone ja auch so funktionierte.

Autokonzerne, die das vernetzte Auto nicht Amazon, Google und Apple überlassen wollen, sollten ihre Plattformen bewusst und mit einem Sinn für die Besonderheiten des Autos als rollendes Wohnzimmer der Zukunft entwickeln. Es reicht nicht, nur darauf zu setzen, alle erfolgreichen Smartphone-Apps im Auto zu replizieren. Sie sollten sich nicht scheuen, selbst Anwendungen in Auftrag zu geben, die ihren Kunden Mehrwert bringen, aber nicht von anderen Entwicklern kommen.

Vor allem aber sollten sie den Fehler aus dem Smarthome-Bereich vermeiden, die Güte ihres Ökosystems mit einem möglichst großen Maß an Vernetzung zu verwechseln. So wie die Alexa-kompatible Toilette niemanden zum Smarthome-Jünger bekehrt, sollten sie auch den smarten Zigarettenanzünder oder das sprechende Handschuhfach dort lassen, wo sie hingehören: an einen einsamen Stand in einer Kongresshalle in Las Vegas. Irgendwann Anfang Januar 2021.

Mehr: Der Netflix-Konkurrent kann zum Marktstart mit namhaften Hollywood-Stars aufwarten. Quibi will die technischen Möglichkeiten von Smartphones ausschöpfen.

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