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Kommentar Streit um Veggie-Burger: EU-Parlament schafft der Fleischlobby einen Konkurrenten vom Hals

Ausgerechnet die EU-Institution, die sich am meisten dem Klimaschutz verschrieben hat, könnte diese Woche der Fleischindustrie einen Gefallen tun. Damit setzt sie falsche Anreize.
19.10.2020 - 14:52 Uhr Kommentieren
Um die globale Erderwärmung auf ein noch halbwegs erträgliches Maß zu begrenzen, müssen wir alle weniger Fleisch essen – auch wenn es der deutlichen Mehrheit gut schmeckt. Quelle: Planted
Teller mit pflanzlichem Hühnerfleisch der Firma Planted

Um die globale Erderwärmung auf ein noch halbwegs erträgliches Maß zu begrenzen, müssen wir alle weniger Fleisch essen – auch wenn es der deutlichen Mehrheit gut schmeckt.

(Foto: Planted)

Was einem gefährlich wird, muss man entweder aus dem Weg räumen oder gemeinsame Sache mit dem Urheber des Problems machen. Ersteres ist der Fleischlobby gelungen: Sie hat es geschafft, das EU-Parlament dazu zu bringen, für sie das Problem zu beseitigen.

Dass sich immer mehr Verbraucher für Seitansteak, Tofuwürstchen, Auberginenschnitzel und Kircherbsenburger entscheiden, bedeutet für die Fleischhersteller Geschäftseinbußen, während ihre Konkurrenten regelmäßig Absatzrekorde vermelden. Doch ausgerechnet das EU-Parlament ist drauf und dran, der Branche aus der Bredouille zu helfen. Denn in dieser Woche stimmen die Parlamentarier darüber ab, ob die Bezeichnung von Fleischersatzprodukten an Fleisch erinnern darf. Der Agrarausschuss, der dem Europäischen Parlament die Entscheidung eingebrockt hat, sagt Nein.

Die abstruse Begründung: Man möchte die Verbraucher davor schützen, versehentlich pflanzliches statt tierisches Eiweiß zu kaufen. Dabei gibt es längst eine Studie, die belegt: 95 Prozent der Verbraucher verwechseln eine Tofuwurst nicht mit einem toten Tier. So liegt der Verdacht nahe, dass es bei der Sache nur darum geht, Schlachtviehzüchtern einen Konkurrenten vom Hals zu schaffen.

Noch abstruser: Bei dem Gesetzesvorhaben handelt es sich nicht um einen Vorschlag der EU-Kommission, der nun seinen üblichen legislativen Weg geht. Nein: Das EU-Parlament, das gar nicht von allein neue Gesetze vorschlagen darf, packt es einfach als Unterpunkt in einen größeren, von der Kommission vorgeschlagenen Gesetzeskomplex hinein.

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    Einmal von den Parlamentariern beschlossen, wird es in den anschließenden Verhandlungen mit Rat und Kommission vermutlich nicht wieder herausgestrichen – zumal einige EU-Länder vegetarischer Ernährung ohnehin argwöhnisch gegenüberstehen, allen voran Frankreich, dessen EU-Abgeordnete übrigens die Treiber des Verbots sind.

    Grafik

    Besonders absurd ist dabei, dass im Brüsseler Kosmos gerade das EU-Parlament immer wieder betont, das Interesse der Verbraucher zu vertreten. Und: Es ist das EU-Parlament, das bei Klimavorhaben die anderen Institutionen immer wieder auffordert, mehr zu tun.

    Um die globale Erderwärmung auf ein noch halbwegs erträgliches Maß zu begrenzen, müssen alle weniger Fleisch essen – auch wenn es der deutlichen Mehrheit gut schmeckt. Und dabei konterkariert das EU-Parlament nun die europäische Klimapolitik: Die Kommission hat sowohl in ihrer Lebensmittel- als auch in ihrer Methanstrategie bereits das Ziel eingewoben, dass tierische Produkte seltener auf dem Speiseplan der Europäer stehen sollen.

    Die Bereitschaft der Verbraucher dafür ist da, wie man an der steigenden Zahl der Flexitarier sieht.

    Statt der Fleischindustrie zu helfen, sollte das EU-Parlament daher lieber dafür sorgen, dass Verbraucher eine klimafreundlichere Ernährung leichter umsetzen können.

    Mehr: Livekindly will Fleischalternativen für den globalen Massenmarkt produzieren. Der Newcomer kooperiert dabei auch mit Fleischproduzenten.

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