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KommentarTrotz missglücktem Getir-Gorillas-Deal: Mehr Mut zur Übernahme!

2023 gab es nur wenige Verkäufe und Zusammenschlüsse in der Start-up-Branche. Alle fürchten böse Überraschungen. Dabei wäre es Zeit, den prominenten Fehlkauf zu vergessen.Nadine Schimroszik 28.12.2023 - 03:41 Uhr
Ein Bote des Lieferdienstes Gorillas. Die Bedingungen für Start-ups haben sich in einem Jahr krass verändert. Foto: dpa

Die Übernahme des Berliner Schnelllieferdienstes Gorillas durch den türkischen Wettbewerber Getir ist nun gut ein Jahr her – und hemmt die deutsche Start-up-Branche immer noch. Keiner will einen solchen Kauf, der Getirs Marktmacht vergrößern sollte, stattdessen aber Massenentlassungen und einen Schrumpfkurs mit sich brachte, nachmachen. Die Angst geht um, die Katze im Sack zu kaufen und nach einem Deal schlechter dazustehen als zuvor.

Der prominente Fehlgriff hat Folgen: In diesem Jahr gab es so wenige Fusionen und Übernahmen in der Start-up-Szene wie wohl noch nie. 

Die Zurückhaltung lässt sich leicht erklären. Die Wirtschaft schwächelt, Geld ist durch die Zinswende teuer geworden, und selbst in der sonst so optimistischen Start-up-Branche mangelt es inzwischen an Zuversicht. Zudem halten einige Gründerinnen und Gründer und häufig auch Investoren an den inzwischen teils illusorisch anmutenden Firmenbewertungen aus der Coronazeit fest.

Die Verhandlungen für Zusammenschlüsse und Übernahmen ziehen sich oft in die Länge, nicht selten gibt es am Ende kaum noch etwas zu kaufen.

Das zeigt auch das Beispiel des Kältesystementwicklers Efficient Energy aus Feldkirchen bei München, wo letztlich der Insolvenzverwalter kam und nach langwierigen Gesprächen nur noch Patente, Technologierechte und einzelne Vermögenswerte verkaufen konnte.

Dabei wäre es Zeit, den Getir/Gorillas-Deal endlich zu vergessen. Es gibt so viele junge Firmen mit herausragenden Geschäftsmodellen in Deutschland, die in größeren Unternehmen für Dynamik und neue Ideen sorgen könnten, getreu dem Motto: Kräfte bündeln, statt allein vor sich hin zu wurschteln, was noch nie geholfen hat. Es gilt, sich Innovationen an Bord zu holen und Widerstandskraft durch mehr Größe zu gewinnen.

Nach den Krisenmonaten haben viele Gründerinnen und Gründer ihre Forderungen nun doch allmählich an die Realität angepasst und akzeptieren niedrigere Preise – Hauptsache, es geht weiter.

Es braucht frische Köpfe und Kräfte

Zwar sollten Käufer die vorhandenen Jahresabschlüsse und Kontoauszüge potenzieller Kandidaten tiefgehend prüfen, aber dann sollten sie eben Mut beweisen. Denn Fusionen und Übernahmen bedeuten nicht nur Risiko, sondern auch die Chance, sich für die Zukunft zu rüsten und den Weg, den das eigene Unternehmen nimmt, aktiv zu gestalten. Gerade in schwierigen Zeiten lohnt es sich, auf frische Köpfe und Kräfte zu setzen und Optimismus zu verbreiten.

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