Kommentar: Trump erpresst Selenskyj auf Kosten der Ukrainer

Wenn sich russische Drohnen oder Raketen nähern, bleiben den Menschen in der Ukraine oft nur Minuten, um Schutz zu suchen – wenn überhaupt. Doch wirkliche Sicherheit ist eine Illusion: Im Schutzraum, im Keller oder in der U-Bahn-Station ist die Gefahr, verletzt oder getötet zu werden, zwar geringer. Doch allein der Weg dorthin ist riskant – vor allem, wenn man mit Kindern oder alten Menschen unterwegs ist.
Zwei Gründe verhinderten bisher weit höhere Opferzahlen unter der Bevölkerung, die USA torpedieren nun offenbar beide: Erstens konnte die Ukraine bisher regelmäßig Drohnen und Raketen abschießen, bevor sie einschlugen. Doch schon jetzt müssen Patriot-Luftabwehrsysteme aus den USA von Stellung zu Stellung fahren, weil es nicht genug davon gibt. Nach dem Stopp der US-Waffenlieferungen ist es nur eine Frage der Zeit, bis ihnen die Munition ausgeht. Das System ist kaum zu ersetzen.
Zweitens gibt es Warnsysteme für die Bevölkerung, Sirenen und Handy-Alarme, die auf herannahende Gefahren aus der Luft hinweisen. Sollten sich die aktuellen Medienberichte bewahrheiten, wonach die USA die Informationsübermittlung einstellen, werden diese Systeme ihr bisheriges Niveau nicht aufrechterhalten können.
Das Ergebnis: Die Bevölkerung wird Russlands Angriffen noch schutzloser ausgeliefert sein, wenn Washington keine Kehrtwende macht. Trump würde dem russischen Militär de facto helfen, noch mehr Menschen zu töten, ohne dass dies zusätzliche Kosten verursacht. In der vergangenen Nacht tötete eine russische Rakete in einem Hotel in Krywyj Rih vier Menschen und verletzte mehr als 30 weitere.
Trump erpresst Selenskyj auf Kosten der Ukrainer
Die Ukraine hat eine wahre Horrorwoche hinter sich – und die Lage wird sich höchstwahrscheinlich noch verschlimmern. Denn Trump erpresst Selenskyj auf dem Rücken der ukrainischen Zivilbevölkerung und hat bereits bewiesen, dass er ohne jede Moral den Druck jederzeit erhöhen kann. Am vergangenen Freitag hat Trump den ukrainischen Präsidenten vor den Augen der Weltöffentlichkeit erst gedemütigt und dann aus dem Weißen Haus werfen lassen. Es folgte die Entscheidung, die Militärhilfe für das Land einzustellen, und dann die Ausweitung auf die Übermittlung von Geheimdienstdaten.
Für die Ukraine, die sich seit Jahren unter massiven Verlusten gegen den russischen Angriffskrieg verteidigen muss, ist jede dieser Entscheidungen ein weiterer Schlag in die Magengrube. Die USA erhöhen damit massiv den Druck auf die Regierung in Kiew – mit dem Ziel, eigene Interessen durchzusetzen.
Was Trump unter Frieden versteht, verdient die Bezeichnung nicht
So stellten führende US-Politiker Kiew die Wiederaufnahme des Datenaustauschs in Aussicht, wenn die Verhandlungen über eine sogenannte Friedenslösung in der Ukraine vorankommen. Doch was Trump unter Frieden versteht, verdient diese Bezeichnung nicht. Ohne Sicherheitsgarantien ist keine Lösung nachhaltig, das sieht auch die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung so. Und die russischen Angriffe der letzten Tage unterstreichen einmal mehr, wie brutal der Kreml vorgeht, wenn der Ukraine die internationale Unterstützung fehlt.
Gleichzeitig sabotieren die USA die innere Stabilität der Ukraine. US-Politiker fordern immer offener den Rücktritt Selenskyjs, was einem der Kriegsziele des Kremls entspricht. Im eigenen Land hat Selenskyj starken Rückhalt, die Angriffe von außen lassen das Volk noch geschlossener hinter ihm stehen. Aber auch bei ihm tritt die berechtigte Frustration immer offener zutage.
Er muss jetzt weiterhin eine besondere Führungsrolle übernehmen: Seit den ersten Monaten der Invasion stand die Ukraine nicht mehr so schlecht da. Allein wird er dem massiven Druck Russlands und der USA nicht standhalten können. Europa, Kiews letzte Hoffnung, muss jetzt seiner historischen Verantwortung gerecht werden. Sonst wird aus der Woche des Schreckens ein Schrecken ohne Ende – für den ganzen Kontinent.