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KommentarTrumps Kandidatur ist so gut wie besiegelt

Bei den Vorwahlen in Iowa stimmte zwar nur ein Bruchteil der US-Bevölkerung ab. Doch die Bedeutung der Wahl reicht weit über den ländlich geprägten Bundesstaat hinaus.Annett Meiritz 16.01.2024 - 07:52 Uhr
Syndication: The Indianapolis Star A podium stands in front of a row of flags Monday, Jan. 15, 2024, at the Trump caucus night watch party at the Iowa Events Center in Des Moines. , EDITORIAL USE ONLY PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xZachxBoyden-Holmes/ThexRegisterx USATSI_22300479 Foto: IMAGO/USA TODAY Network

Donald Trump wirkte bei seiner Siegesrede in der Wahlnacht von Iowa tief entspannt. Er hat etwas abgenommen, die Anzüge sitzen besser, auf der Bühne lächelte er weniger verbissen als sonst. Der Ex-Präsident, der erneut ins Weiße Haus einziehen will, konnte sich sicher sein: Von  diesem Moment an ist seine Präsidentschaftskandidatur kaum noch aufzuhalten.

Zwar war sein Sieg bei den ersten Vorwahlen der Nation weithin erwartet worden, außerdem folgen noch Abstimmungen in allen anderen US-Bundesstaaten. Dennoch ist Iowa ein Meilenstein für den Kampf um die Nominierung der Republikaner. Der Schwung, den Trump aus den Vorwahlen in Iowa mitnimmt, macht ihn bei den Republikanern bald alternativlos.

Trump will zum dritten Mal Kandidat für die Partei werden, die sich 2016 anfänglich gegen ihn gewehrt hatte –  inzwischen scheint sie ihm endgültig erlegen zu sein. Zwar werden nicht wenige Experten argumentieren, dass man eine einzige Vorwahl nicht überhöhen sollte. Auf den ersten Blick mag das stimmen: 100.000 registrierte Republikaner stimmten ab, das sind drei Prozent der Menschen eines Bundesstaats, der wiederum nicht mal ein Prozent der Gesamtbevölkerung der USA vertritt.

Aber entscheidend ist, was Trumps klarer Sieg bei genauerem Hinsehen aussagt. 2016, bevor er Präsident wurde, verlor er noch gegen Ted Cruz. Acht Jahre später gewann er nun haushoch, was bedeutet, dass Trump das Mobilisieren beherrscht wie kein Zweiter – das ist die erste Erkenntnis dieses frühen Stimmungstests.

Außerdem holte Trump in 98 von 99 Landkreisen den Sieg, sowohl in sehr konservativen, evangelikalen Gegenden als auch in eher vielfältigen Vorstädten. Das muss die Demokraten, die Trump als Sprachrohr einer radikalen Minderheit abstempeln, spätestens jetzt nervös machen. Offenbar haben Trumps Kernthemen Kriminalität und Grenzsicherheit besonders verfangen und machen Joe Biden verwundbar, das ist die zweite Erkenntnis.

Trump beherrscht das Mobilisieren wie kein Zweiter.

Und drittens herrscht überhaupt keine Wechselstimmung an der republikanischen Basis. Darauf deutet hin, dass Ron DeSantis, dessen Klientel sich in Teilen mit dem von Trump überschneidet, ein besseres Ergebnis erzielte als Nikki Haley, die eher auf moderate Republikaner setzt.

Die Verehrung der Trump-Anhänger grenzt dabei an Realitätsverweigerung. Das festzustellen ist kein Trump-Bashing, sondern ist eine akkurate Beschreibung der Gründe, warum er noch immer und trotz allem erfolgreich ist. Der harte Kern seiner Fans hat einen blinden Fleck, wenn es um Trumps Versäumnisse geht. Deshalb hatten Bewerber wie DeSantis und Haley im Grunde nie eine Chance gegen Trump.

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Gerade in Iowa müsste man sich eigentlich daran erinnern, wie sehr die Bauern unter Trumps Strafzöllen litten, dass die „Mauer“ zu Mexiko nicht mal im Ansatz fertiggestellt wurde und dass Trump die Midterms 2018 und die Präsidentschaftswahlen 2020 verlor. Doch die üblichen Maßstäbe der Politik gelten nicht für Trump, was sich daran zeigt, dass ihm 60 Prozent der republikanischen Wähler zutrauen, trotz einer möglichen Gefängnisstrafe amtstauglich zu sein.

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Am Ende ist es fast egal, ob Haley und DeSantis ein paar Millionen in andere Vorwahlstaaten pumpen und noch ein wenig durchhalten. Es dreht sich ohnehin alles um Trump, keiner kommt an ihm vorbei. Die Frage ist inzwischen nicht mehr, ob Trump Kandidat wird, sondern, wen er zum „running mate“ macht, zum Vizepräsidentschaftskandidat oder zur Vizepräsidentschaftskandidatin.

Vor dem Wahlabend in Iowa gab es zwei große Unsicherheitsfaktoren, die Trumps Kandidatur noch ins Wanken bringen können: Die vier Gerichtsverfahren, die gegen ihn laufen, und ob er Umfragen mit tatsächlichen Ergebnissen bestätigen kann. Einer dieser Faktoren hat sich schon erledigt. Dabei hat das Wahljahr gerade erst begonnen.

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