1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kommentare
  4. Kommentar: Wissing versucht es bei der Bahn mit dem Vorschlaghammer

KommentarWissing versucht es bei der Bahn mit dem Vorschlaghammer

Der Verkehrsminister maßregelt Bahn-Vorstandschef Lutz – das kommt drei Jahre zu spät und wirkt unglaubwürdig, wenn es nicht mit personellen Konsequenzen verbunden ist.Josefine Fokuhl 03.09.2024 - 18:35 Uhr
Artikel anhören
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) fordert vom Bahn-Vorstand mehr Tempo. Foto: Carsten Koall/dpa

Die Ansage war längst überfällig. Nachdem der Bundesverkehrsminister die Ausreden der Deutschen Bahn jahrelang nachgebetet hat, holt Volker Wissing nun auf einmal den Vorschlaghammer raus und nimmt sich den Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz vor. Der Zeitpunkt ein Jahr vor der Bundestagswahl lässt jedoch an der Glaubwürdigkeit zweifeln.

Es stimmt: Wissing hat mit seinem Großprojekt die Sanierung der maroden Schieneninfrastruktur angepackt. Mehr als 40 wichtige Schienenkorridore sollen generalüberholt werden. Jeder Bahnfahrer weiß: Das ist dringend nötig. Denn die Infrastruktur wurde jahrelang auf Verschleiß gefahren. Warum das nicht schon viel früher angepackt wurde, sondern erst, als der Bahnfrust ins Unermessliche stieg, bleibt ein Rätsel bei allen Verkehrsministern.

Doch die marode Infrastruktur ist nicht das einzige Problem der Deutschen Bahn. Im Juli lag die Pünktlichkeitsquote der Fernzüge bei nur noch 62 Prozent – und das liegt eben nicht allein an der maroden Infrastruktur. Endlich ist das auch im Ressort des Verkehrsministers durchgedrungen. Dieser hat jetzt die Bahn dazu verdonnert, in mehreren Bereichen organisatorisch und wirtschaftlich umzusteuern.

Wissing fordert nun konkrete Kennzahlen – auch bei der Pünktlichkeit. Werden sie nicht eingehalten, dann möchte der Minister mit den jeweils verantwortlichen Personen sprechen.

Alle drei Monate muss die Deutsche Bahn dem Haus des Verkehrsministers nun Bericht erstatten. Ginge es nach den Bahnreisenden, müsste der bundeseigene Konzern das täglich machen.

Spätestens aber nach der desaströsen Halbjahresbilanz 2024, bei der die Deutsche Bahn einen Nettoverlust von 1,2 Milliarden Euro auswies, musste der Verkehrsminister handeln. Die Bahn macht derzeit in allen relevanten Geschäftsfeldern Verluste. In der Privatwirtschaft hätte ein solches Ergebnis längst zu personellen Konsequenzen geführt.

Die Vorstände sollten nur noch Bahn fahren

Verwandte Themen
Bahnverkehr
Deutsche Bahn
Verkehrspolitik

Im Fernverkehr haben viele Kunden bereits deutlich gemacht, was sie derzeit von der Deutschen Bahn halten. Im ersten Halbjahr stiegen vier Millionen Kunden weniger in einen ICE oder IC – ein Minus von fast sechs Prozent. Wissing fordert nun eine höhere Auslastung der Fernverkehrszüge, um den Konzern wieder in einen „wirtschaftlichen und nachhaltigen Betrieb“ zu bringen. Einen Punkt hat Wissing allerdings vergessen: Er müsste die Bahn-Vorstände und das weitere Topmanagement dazu verpflichten, innerhalb Deutschlands nur noch mit dem Zug zu fahren. Man würde sich wundern, wie schnell dann das WLAN funktioniert und sich die Pünktlichkeit verbessert.

Die große Frage bleibt, was passiert, wenn die Deutsche Bahn die Forderungen des Verkehrsministers nicht einhält. Laut Wissing ist das keine Option. Doch es braucht eine abschreckende Konsequenz, damit die Forderungen Wirkung zeigen. Personelle Konsequenzen müssen  die Antwort sein. Das gilt auch für den Bahn-Vorstand.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt