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Morning BriefingBeraterbranche: McKinsey muss sich neu erfinden

Teresa Stiens 01.03.2023 - 06:00 Uhr Artikel anhören

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

das Beratungsunternehmen McKinsey ist es gewohnt, andere Unternehmen zu analysieren, zu kritisieren und ihnen – wenn nötig – einen radikalen Kurswechsel zu verordnen. Jetzt scheint das Schwergewicht in der Beraterbranche diese schonungslose Ehrlichkeit auch bei sich selbst an den Tag zu legen. Das vernichtende Urteil über die eigene Arbeit lautet: „Unser Geschäftsmodell passt nicht mehr für die Zwecke einer modernen Firma.“

Die Organisation müsse „beweglich, einfach, sicher und qualitativ hochwertig sein und weniger Wiederholungen“ bieten. So steht es in einer E-Mail der Beratungsfirma an ihre Alumni, die dem Handelsblatt vorliegt. Das Geschäftsmodell sei schon seit einer Dekade nicht mehr überprüft worden, schreibt McKinsey selbstkritisch. Ein Satz, der so auch im Abschlussbericht für einen besonders beratungsresistenten Kunden stehen könnte. Derzeit ist McKinsey wohl sein eigener schwerster Fall.

Das Rundschreiben ist eine Reaktion auf Medienberichte aus der vergangenen Woche, die einen geplanten Abbau von bis zu 2000 Stellen gemeldet hatten. Der Kahlschlag wird in der Mail nicht explizit erwähnt. Doch gleichzeitig bittet das Beratungsunternehmen bei seinen Alumni schon einmal subtil um die gnädige Aufnahme von Mitarbeitern, die „in diesem Prozess verloren gehen werden“.

In einem Prozess des Wandels steckt auch der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer. Werner Baumann, seit 2016 Vorstandsvorsitzender, verabschiedet sich Ende Mai in den Ruhestand und stellte gestern seine letzte Jahresbilanz als CEO vor.

Seine eigene Bilanz als Mann an der Spitze des DAX-Konzerns fällt rückblickend eher gemischt aus. Vor allem, weil seine Amtszeit mit einem folgenschweren Schritt für das Unternehmen in Verbindung gebracht wird: die Übernahme des Saatgutspezialisten Monsanto. Das Kernprodukt von Monsanto, „Roundup“ mit dem Wirkstoff Glyphosat, steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Bayer erbte deshalb mit der Übernahme mehrere Rechtsstreite in den USA.

„Baumann hinterlässt ein schweres und auch tragisches Erbe“, resümiert etwa Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Dass die Aktionäre Baumanns Wirken kritisch sehen, lässt sich leicht erklären. Schließlich fiel der Wert der Aktie seit 2015 um 45 Prozent. Spätestens 2018 flüchteten viele Anleger, nachdem Bayer den ersten großen Glyphosatprozess in den USA verloren hatte.

Trotzdem zeigte sich Baumann gestern stolz, dass Bayer heute in allen Bereichen führende Weltmarktpositionen innehabe. Um dieses Selbstlob einzuordnen, empfiehlt sich der Vertiefungskurs Bilanzanalyse. Denn was auf den ersten Blick tatsächlich ziemlich erfolgreich aussieht, wird auf den zweiten Blick durch „Sondereinflüsse“ getrübt, zu denen vor allem die vielen Rechtskosten in der Causa Glyphosat zählen. Baumanns Nachfolger, der Amerikaner Bill Anderson, wird also mit einigen Herausforderungen konfrontiert sein – nicht nur bei der Analyse der eigenen Bilanz.

Chipsubventionen gegen Kitaplätze – so lautet der kuriose Deal zwischen US-Präsident Joe Biden und den Halbleiterproduzenten in den USA. Gestern startete die erste Finanzierungsrunde für eine gigantische Chipoffensive der Amerikaner. Biden will mit den Subventionen die wirtschaftliche und technologische Führungsrolle der USA gegenüber China sichern. Moderne Halbleiter sind mittlerweile unentbehrlich für Autos und Elektronik, aber auch in der Rüstungsindustrie.
Das US-Handelsministerium teilte jetzt mit, dass Unternehmen, die von den insgesamt 39 Milliarden US-Dollar staatlicher Subventionen profitieren wollen, einige Bedingungen erfüllen müssen. Unter anderem sollen sie auf Aktienrückkäufe verzichten, überschüssige Gewinne abführen und die Kinderbetreuung verbessern.

Das sind weitreichende Forderungen des Staates an die Unternehmen in einem Land, das sich traditionell eher gegen staatliche Eingriffe ausspricht. Die Chipindustrie teilte mit, sie werde die Vorgaben „sorgfältig prüfen“. Wir hier in Deutschland sollten dieses Experiment genau beobachten. Schließlich könnten wir beides gut gebrauchen: Halbleiter und Kitaplätze.

Wer plant, eine neue Heizung einzubauen, sollte sich beeilen – zumindest, wenn es sich dabei um eine Öl- oder Gasheizung handelt. Denn Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) wollen das schon ab dem kommenden Jahr verbieten – das geht aus einem Referentenentwurf der Ministerien hervor. „Der Einbau von Heizungsanlagen auf Basis ausschließlich fossiler Energieträger – vor allem Gas- und Ölheizungen – ist ab dem Jahr 2024 nicht mehr gestattet“, heißt es in dem Entwurf.

Foto: IMAGO/Metodi Popow

Heizsysteme gelten als wichtiger Hebel für die Klimaziele. Schließlich geht mehr als ein Drittel des gesamten deutschen Energiebedarfs für das Heizen von Gebäuden und die Versorgung mit Warmwasser drauf. Doch ob die Pläne von Grünen und SPD auch umgesetzt werden, ist noch fraglich, denn der liberale Koalitionspartner scheint bisher wenig begeistert. Wer angesichts dieser Nachrichten plant, eine Wärmepumpe einzubauen und die dafür notwendigen Handwerker zu bestellen, dem sei an dieser Stelle schon einmal viel Glück gewünscht.

Von möglichen Maßnahmen, die Klimakrise in Deutschland zu bekämpfen, nun noch ein Blick auf deren momentane Auswirkungen in unseren Nachbarländern. Während der Gardasee in Italien wegen der anhaltenden Trockenheit Inselbesuche zu Fuß gestattet, hat auch Frankreich im Februar einen traurigen Dürrerekord aufgestellt. Auf dem französischen Festland fiel 32 Tage lang kein Regen – das gab es noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Mittlerweile fallen wieder die ersten Tropfen, die dort begrüßt werden wie der Heiland selbst.
Präsident Emmanuel Macron machte klar, dass Wasser fortan eine knappe Ressource werde: „Das ist das Ende des Überflusses“, sagte er. In einigen Départements ist es bis Ende April verboten, Autos zu waschen, Rasensprenger zu nutzen und private Pools zu füllen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Sie immer genau so viel Wasser zur Verfügung haben, wie Sie gerade benötigen.

Es grüßt Sie herzlich

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Ihre

Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

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