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Morning Briefing Branson klopft ans All

12.07.2021 - 06:20 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

„Raketen sind die neuen Jachten“, sagte meine zwölfjährige Tochter neulich leichthin – und ich fragte mich, wo bitteschön man an einem Hamburger Vorstadtgymnasium solche Sätze aufschnappen kann.

Aber recht hat sie natürlich. In den unteren Ligen mögen Oligarchen und Ölpotentaten noch immer um Bootslängen und Bruttoregistertonnen buhlen. Doch das wahre Statussymbol der 2020er Jahre ist das eigene Raumfahrtprogramm.

Der britische Selfmade-Unternehmer Richard Branson war mit „Virgin Galactic“ dabei lange im Hintertreffen gegenüber Amazon-Gründer Jeff Bezos („Blue Origin“) und Tesla-Pionier Elon Musk („SpaceX“).

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    Doch gestern schaffte es Branson als erster Superreicher im eigenen Raumschiff ins All. Wobei er bei einer Flughöhe von 86 Kilometern und wenigen Momenten Schwerelosigkeit an den unendlichen Weiten des Universums allenfalls anklopfen durfte.

    Branson hatte seinen Flug kurzfristig vorverlegt, nachdem Bezos angekündigt hatte, am 20. Juli ins All zu starten. Musk wiederum will erst zu einem späteren Zeitpunkt in die Kapsel klettern. Dafür hat er aber als einziger der drei ein funktionierendes Geschäftsmodell: Seine wiederverwendbaren Raketen befördern konkurrenzlos günstig Satelliten in die Umlaufbahn und Astronauten zur Internationalen Raumstation. Wer zuletzt fliegt, fliegt am lukrativsten.

    Quelle: imago images/photothek
    Bundesfinanzminister Olaf Scholz auf dem Weg zum G20-Gipfel. An seiner Seite die Generalkonsulin des Generalkonsulates der Bundesrepublik Deutschland in Mailand, Tatjana Schenke-Olivieri.
    (Foto: imago images/photothek)

    Das Wochenende lieferte Szenen, wie sie kein sozialdemokratischer Wahlkampfmanager schöner hätte photoshoppen können: Auf einem Schnellboot braust der SPD-Kanzlerkandidat über die Lagune von Venedig, den Blick entschlossen in die Ferne gerichtet, an seiner Seite eine geheimnisvolle Schöne mit Sonnenbrille.

    Anschließend überzeugt Special Agent Scholz die G20-Finanzminister im Konferenz-Nahkampf von der globalen Mindeststeuer. Fast meint man, das Miauen der Perserkatze zu vernehmen, die Obersteuervermeider Blof… äh, Bezos wutentbrannt von seinem Schoß stößt, als ihn die Nachricht aus Venedig in seinem Weltraumflughafen erreicht.

    Aber bringen die schönen Bilder Scholz seinem eigentlichen Ziel näher, dem Kanzleramt? Am Wochenende sah eine Insa-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ SPD und Grüne erstmals gleichauf.

    Gut für Scholz – denn nur, wenn die SPD vor den Grünen durchs Ziel geht, kann er in einer gemeinsamen Koalition die Kanzlerschaft beanspruchen. Doch für eine Kanzlermehrheit bräuchte Scholz erstens ein paar Prozent mehr und zweitens neben den Grünen auch die FDP.

    Deren Chef ist gerade dabei, seine vorsichtigen Ampel-Avancen wieder einzusammeln. „Am Schluss geht es um Schwarz-Grün oder #Jamaika. Der Spekulation über die #Ampel fehlt die inhaltliche Substanz“, twitterte Christian Lindner am Sonntag. Nun, abgerechnet wird nach der Wahl, und erlagen am Ende nicht schon ganz andere Kaliber dem „schlumpfigen Grinsen“ (Markus Söder) von Commander Scholz, Olaf Scholz?

    Grafik

    Die Pipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland ist ein Rohr des Anstoßes. Mit fast allen Mitteln, Sanktionen inklusive, versuchen die USA, die Fertigstellung zu verhindern. Offiziell aus Solidarität mit der Ukraine und anderen osteuropäischen Staaten, an denen das schöne Gas künftig vorbeifließt.

    Inoffiziell geht es auch um die Handelsinteressen der USA, die Europa liebend gern per Tanker mit Flüssiggas aus eigener Produktion versorgen würden. Doch jetzt schaffen die Pipelinebauer Fakten. „Mittlerweile sind 98 Prozent der Pipeline fertiggestellt“, sagt Nord-Stream-2-Chef Matthias Warnig im Interview mit dem Handelsblatt. „Wir gehen davon aus, dass die Bauarbeiten Ende August beendet sind.“

    Durchaus trickreich weicht Warnig, enger Putin-Vertrauter und ehemaliger Offizier des DDR-Geheimdiensts, dabei dem Störfeuer aus Washington aus. Ende vergangenen Jahres hatte der Zertifizierungsspezialist Det Norske Veritas – Germanischer Lloyd (DNV-GL) die Zusammenarbeit mit der Nord Stream 2 AG wegen der US-Sanktionsdrohungen eingestellt.

    Insider berichten: Die Nord Stream 2 AG habe Ingenieure und andere Experten, die zuvor für DNV-GL gearbeitet hätten, nun direkt unter Vertrag genommen. Nord Stream habe gute Chancen, auf diesem Weg ans Zertifizierungssiegel zu kommen, ohne das kein Gas durch die Pipeline fließen darf.

    Quelle: dpa
    In den vergangenen Wochen hatte es bei Daimler und bei anderen Autoherstellern immer wieder Engpässe und vorübergehende Produktionsstopps gegeben.

    Die S-Klasse von Mercedes gilt als margenstärkstes Automodell der Welt. Solange es irgendwie ging, hat das Daimler-Management daher versucht, die Produktion in Sindelfingen aufrechtzuerhalten.

    Doch nun hat der chronische Mangel an Halbleitern auch Daimlers Gelddruckmaschine erreicht. Seit vergangenem Freitag steht die Produktion der S-Klasse weitgehend still. Auch die Fertigung der E-Klasse ruht.

    Wegen des globalen Chipmangels wird Daimler die Produktion in Sindelfingen voraussichtlich für die ganze Woche aussetzen, teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit. Der Mangel an Halbleitern wird nach einer Studie des Centers for Automotive Research (CAR) in diesem Jahr branchenweit zu einem Produktionsausfall von gut fünf Millionen Fahrzeugen führen. Das entspricht rund sieben Prozent der weltweiten Gesamtproduktion. Auch eine Art von praktiziertem Klimaschutz.

    Die Analyse der derzeitigen Corona-Lage in Deutschland fällt vergleichsweise leicht – sofern man die Erfahrungen des vergangenen Sommers einbezieht und einen Blick auf andere Staaten wirft.

    • Erstens: Der Vormarsch der hochinfektiösen Delta-Variante hat dafür gesorgt, dass der R-Wert in Deutschland wieder stabil über eins liegt, was bedeutet: Das Virus breitet sich erneut mit exponentiellem Tempo aus.
    • Zweitens: Wegen der höheren Ansteckungsgefahr der Delta-Variante wird die angestrebte Herdenimmunität in Deutschland erst später erreicht. Die bisher angenommenen 70 Prozent Impfquote in der Bevölkerung dürften dafür nicht ausreichen. Bislang sind erst 42 Prozent der Deutschen vollständig geimpft.
    • Drittens: Weil die Corona-Risikogruppen schon überwiegend geimpft sind, bedeuten höhere Infektionszahlen nicht automatisch, dass die Todeszahlen im gleichen Maße steigen oder das Gesundheitssystem überlastet wird. Kein Grund zur Panik also, aber auch kein Anlass zum Zurücklehnen.

    Die richtige Strategie lautet: Mit aller Kraft weiterimpfen. Der beste Weg, um die Impfbereitschaft hochzuhalten, sind dabei nicht Strafen oder gar eine Impfpflicht, sondern Anreize. Wenn Kultur- und Eventbranche nun schnelle Öffnungen fordern, dann sollte die Antwort lauten: Ja, aber mit deutlichem Vorrang für Geimpfte.

    Und dann ist da noch die sportliche Leistung von London, die uns allen Respekt abnötigt. Mit viel Willensstärke – oder wie Fußballkommentatoren es neuerdings gern nennen, mit „Mentalität“ – hat ein Mann am Sonntagabend im Wembley-Stadion seinen persönlichen Hattrick vollendet.

    Die Rede ist von Hollywood-Schauspieler Tom Cruise, der am zurückliegenden Wochenende neben dem Damen- und dem Herrenfinale von Wimbledon auch noch das Finale der Europameisterschaft jeweils live im Stadion verfolgt hat.

    Zusammengenommen rund acht Stunden Spieldauer, das einspricht einer Ironman-Distanz und erfordert eine Ausdauer, die wir normalen Fernsehzuschauer uns gar nicht richtig vorstellen können.

    Ich wünsche Ihnen einen energiegeladenen Start in die neue Woche.

    Herzliche Grüße
    Ihr

    Christian Rickens
    Textchef Handelsblatt

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