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Morning Briefing Der große Glaubensstreit der Volkswirte

22.02.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Drei Prozent, eine Zahl macht Karriere. Erst nannte sie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Jetzt spricht auch der Wirtschaftsweise Volker Wieland in unserer Titelstory davon. Die beiden rechnen noch für 2021 mit einer Inflation in dieser Höhe. „Reflation“, die Rückkehr der Geldentwertung, ist das Thema der Stunde an den Börsen, bei Banken, in der Politikberatung. Was einige den Alarmknopf drücken lässt, ist für die Zentralbanken dieser Welt jedoch ein Erfolgssignal. Angesichts der jahrelang niedrigen Preissteigerung – aktueller Stand in Europa: 1,7 Prozent – sorgten sie sich um Deflation, nicht um Inflation. Und fluteten die Märkte mit Geld.

Ob nun wirklich das viele Cash sowie die üppigen „Deposits“ der Firmen und privaten Haushalte am Ende auf Gütermärkten zu jenen drei Prozent mehr führen, hat sich zum großen Glaubensstreit der Volkswirte entwickelt. Der löst – für kurze Zeit jedenfalls – den Disput ab, ob angesichts irrwitziger Börsenkurse der Crash wohl unvermeidlich ist.

Quelle: Reuters
Bitcoin erreicht fast täglich Rekordstände.

Wenn wir schon bei Überhitzung sind: Der größte Überflieger ist derzeit die Kryptowährung Bitcoin, aktuelles Lieblingsobjekt einer Bewegung, die sich einen einfachen Leitspruch gegeben hat: „Spekulanten aller Länder, vereinigt Euch!“ Am Sonntag wurde mit 58.354 Dollar ein Rekordhoch erreicht. Der Wert der Digitalwährung hat sich seit Jahresanfang sagenhafterweise verdoppelt und liegt nun bei mehr als einer Billion Dollar.

Tesla-Chef Elon Musk, der mit Wort und Tat den Hype überhaupt erst angefacht hatte, verliert sich angesichts der neuen Himmelsmalereien im Philosophischen: „Geld ist nicht mehr als Daten, die es uns erlauben, die Unannehmlichkeiten des Tauschhandels zu vermeiden… Abgesehen davon wirken die Kurse für Bitcoin und Ethereum hoch.„ Der Prophet glaubt seinen eigenen Psalmen nicht mehr. Vielleicht hat er auch nur gelesen, was die US-Großbank JP Morgan erklärt: „Der Aufstieg von Digital Finance und die Nachfrage nach Fintechs ist die wahre Story von der finanziellen Transformation der Covid-19-Ära, nicht die Rally bei Bitcoin-Preisen.“

Quelle: dpa
In zehn Bundesländern öffnen die Schulen wieder für Grundschüler.

Heute gehen in zehn Bundesländern die Grundschüler zurück in ihre Klassenzimmer. Es ist ein kleines Ende jenes Lockdowns, der schon zur Dauerveranstaltung der Politik zu werden drohte. Die Rahmenbedingungen für den „Re-Entry“ wollen viele Gesundheitsminister der Länder auf ihrer heutigen Konferenz schaffen – und angesichts der Schulöffnungen kurzfristig die Impfreihenfolge ändern. Auch die Minister Jens Spahn (Gesundheit) und Anja Karliczek (Bildung) sympathisieren mit dem Plan.

Grundschullehrkräfte und Kita-Personal sollen demnach von der dritten in die zweite Priorisierungsgruppe rücken und damit früher als gedacht zur Impfdosis gelangen. Hier könnte auch das umstrittene Serum von Astra-Zeneca zum Einsatz kommen. Kritiker wie die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion Karin Maag sind gegen den Plan, damit würden die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission aufgeweicht.

Die Auswirkungen der nun erfolgenden Schulöffnungen will Gesundheitsminister Spahn abwarten. Erst danach will er verkünden, wann es zu Öffnungen in der Gesellschaft kommt. Nachdem die Bundesregierung erst einen Inzidenzgrenzwert von 50 propagierte und dann zu 35 wechselte, spricht der CDU-Politiker jetzt von der Zahl zehn. Eine Inzidenz von unter zehn, die sei „jedenfalls in den allermeisten Regionen in Deutschland gerade ziemlich weit weg“. Und deshalb ist für das täglich grüßende Regierungsmitglied ein verbindlicher Stufenplan für Lockdown-Lockerungen ganz weit weg. Falsche Versprechungen wolle er angesichts leicht steigender Infektionswerte nicht machen, hieß es bei „Bericht aus Berlin“ in der ARD: „Alle wünschen sich einen Drei- und Sechs-Monatsplan, aber das geht halt gerade nicht.“

Doch, es geht, findet Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, und avisiert für diese Woche „einen Vorschlag ohne die Werte zehn oder 25“. Wenn Bundesländer über mehrere Wochen unter 50 oder 35 lägen, könnten „weitere Schritte in der Kultur oder Gastronomie folgen“.

Was übrigens auch „halt gerade“ nicht geht, sind in sich nicht stimmige und schlecht kommunizierte Regeländerungen. Die unter Reizarmut leidende SPD jedenfalls scheint im Superwahljahr einen Watschenmann erster Wahl im verhinderten Supermann Spahn gefunden zu haben. Generalsekretär Lars Klingbeil kann man bei „Bild“ nicht missverstehen: „Beim Impfen haben wir gemerkt, wir können den Ankündigungen von Jens Spahn nicht glauben. Da wird jetzt immer weiter korrigiert und korrigiert. Und ich habe ein bisschen Angst, dass wir beim Testen die nächste Enttäuschung schaffen.“

Quelle: dpa
Wenn in den nächsten Monaten mehr Impfstoff zur Verfügung steht, können Deutschlands Unternehmen zu einem entscheidenden Hebel bei der Immunisierung der Bevölkerung werden.

Deutschlands Dax-Konzerne lieben es konstruktiver. Sie arbeiten an Plänen, die Beschäftigten möglichst rasch durch eigene Betriebsärzte impfen zu lassen. Das zeigt eine Umfrage unserer Redaktion. Volkswagen denkt sogar an ein innerbetriebliches Corona-Impfzentrum. Adidas wiederum erklärt, „sofern die flächendeckende Verfügbarkeit des Impfstoffes gesichert ist, werden wir ein Impfangebot für unsere Mitarbeiter schaffen“.

Solche Initiativen könnten zum wichtigen Standortfaktor werden. Immerhin haben mehr als 12.000 Betriebsärzte einen direkten Zugang zu 45 Millionen Beschäftigten in Deutschland. Einig sind sich alle 30 Dax-Unternehmen in der Ablehnung einer Impfprämie für Mitarbeiter. In den USA waren Aldi und Lidl mit der Idee verhaltensauffällig geworden, das Personal pekuniär zu belohnen, wenn es sich impfen lässt.

Als die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom jüngst dem englischsprachigen Staatssender China Global Television Network (CGTN) die Sendelizenz entzog, glaubte sie, eine wichtige Entdeckung gemacht zu haben. Im Verfahren hatten die chinesischen Statthalter angegeben, letztlich sei die globale Chefredaktion für die Inhalte verantwortlich. Für konservative Abgeordnete war damit klar, dass die Kommunistische Partei Chinas in Wahrheit die CGTN-Sendungen kontrolliere.

Solche Fragen werden auch eine Rolle spielen, wenn das Network demnächst in Frankreich aktiv werden will. Es hat sich in Paris um eine Lizenz beworben. „Wo der Besen nicht hinkommt“, lehrte Chinas ehemaliger Staatspräsident Mao Zedong, „wird der Staub nicht von selbst verschwinden.“

Und dann ist da noch Ex-Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, einst Europameister im Thai-Boxen. Der 58-Jährige, der für die SPD im Pforzheimer Stadtrat saß, hat sich von den Genossen endgültig verabschiedet – und gründet mit Gefährten eine neue Partei. Jene „Bürgerbewegung für Fortschritt und Wandel“ will zur Bundestagswahl antreten und mal so richtig Strukturen aufbrechen sowie Funktionären den Kampf ansagen. Hück agiert als Sprecher und Vize-Chef hinter dem Unternehmer Sebastian Haase, einem früheren Christdemokraten.

Mit einem ähnlichen Programm peilt schon der frühere CDU-Politiker und Burda-Manager Jürgen Todenhöfer die Bundestagswahl an. „Team Todenhöfer“ setzt als „Gerechtigkeitspartei“ auf den „Aufstand des Anstands“. Es sei wichtig, „Träume zu haben“, verkündet der 80-jährige Initiator. Wie es aussieht, wird es auf dem Terrain der Träumer enger als gedacht.

Ich wünsche Ihnen einen traumhaft guten Start in die Woche.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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