Morning Briefing : Job-Aus per Ad-hoc-Mitteilung – wie BASF seine Öl- und Gastochter entsorgt
Schock zum Heiligabend: Wintershall-Beschäftigte verlieren ihre Jobs
Guten Morgen liebe Lesersinnen und Leser,
mehr Reichweite als Hollywood-Stars, sechsstellige Beträge für Postings, selbst Hugo Boss will sich mit dem größten TikToker der Welt verjüngen: Influencer-Marketing ist längst ein Multi-Milliardenmarkt. Aber wie funktioniert das Geschäft mit den digitalen Produktempfehlungen, die meist daherkommen, als stammten sie von der guten Freundin oder dem besten Kumpel?
Ein Reporterteam des Handelsblatts hat mit erfolgreichen Influencern ebenso gesprochen wie mit Agenturmanagern und Marketingverantwortlichen. Unser heutiger Freitagstitel ist Pflichtlektüre vor allem für Menschen wie mich, die bis vor kurzem mit Namen wie Younes Zarou oder Khaby Lame noch rein gar nichts anfangen konnten.
Für die rund 850 Beschäftigten von Wintershall Dea an den Standorten Hamburg und Kassel ist es mit der vorweihnachtlichen Ruhe seit gestern Nachmittag vorbei. Da gaben BASF und die Investmentgruppe LetterOne bekannt, dass sie die Geschäfte von Wintershall Dea mit dem britischen Ölkonzern Harbour Energy zusammenlegen – vorbehaltlich kartellrechtlicher Genehmigung.
Das Handelsblatt hatte bereits im Oktober berichtet, dass es zu einem Verkauf an die Briten kommen könnte. Den eigentlichen Schock löst ein Detail der nun geschlossenen Vereinbarung aus: Die Hauptverwaltungen von Wintershall und deren Angestellte sind nicht Teil der Transaktion. Das heißt, dass die Firmensitze in Kassel und Hamburg geschlossen werden. Harbour beabsichtigt laut der BASF-Mitteilung zwar, einige Beschäftigte von dort in das kombinierte Unternehmen zu übernehmen. Aus Unternehmenskreisen ist allerdings zu hören, dass fast alle Angestellten ihre Jobs verlieren dürften.
Wintershall-Chef Mario Mehren hat sich den Ausgang der Verhandlungen offenbar anders vorgestellt. Er sagte gestern: „Für das Team von Wintershall Dea in Kassel und Hamburg und mich persönlich ist diese Nachricht, gerade so kurz vor Weihnachten, eine große Enttäuschung".
Faktisch geht mit dem nun verkündeten Schritt die 125-jährige Geschichte von Wintershall in Deutschland zu Ende – und damit auch die des letzten relevanten deutschen Öl- und Gasförderers.
Damit stellt sich dieselbe Frage wie nach jedem erfolgreichen Börsenjahr: Ist da noch Luft nach oben? Die meisten der 20 Banken und Fondshäuser, die das Handelsblatt nach ihren Dax- und S&P-500-Prognosen für 2024 gefragt hat, sehen auch für das neue Jahr noch Potenzial.
Die optimistischste Prognose für den deutschen Leitindex kommt vom Broker CMC Markets. Chef-Marktanalyst Jochen Stanzl geht davon aus, dass der Dax Ende des kommenden Jahres bei 18.600 Punkten notieren wird. Das entspräche einem Plus von rund zwölf Prozent gegenüber dem derzeitigen Stand von 16.687 Punkten. Der Durchschnitt aller Prognosen beträgt 17.240 Punkte.
Explizit skeptisch mit Blick auf den Dax sind nur zwei der vom Handelsblatt befragten Banken. Die französische Société Générale sieht den deutschen Leitindex bis Ende nächsten Jahres um mehr als zwei, die Bank of America sogar um fast acht Prozent fallen.
Die Prognosen für den S&P 500, der gestern bei knapp 4.747 Punkten schloss, liegen in einer ähnlichen Bandbreite: Oddo BHF sieht ihn Ende 2024 bei 5.300 Punkten. Das andere Extrem bildet JP Morgan mit 4.200 Punkten. Die Durchschnittsprognose der befragten Bankhäuser beträgt 4.850 Punkte.
Gestern habe ich Ihnen im Morning Briefing den unabhängigen US-Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy Jr. nahegebracht, der in Umfragen erstaunlich hohe Werte erzielt. Nicht genug allerdings, um Chancen aufs Weiße Haus zu haben. Und da Kennedy im nahezu gleichen Maße Wähler von Republikanern und Demokraten abzieht, verändert er auch kaum etwas im Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Joe Biden und Donald Trump.
Das sieht ganz anders aus bei dem Präsidentschaftsanwärter, den unsere US-Korrespondentin Annett Meiritz in Washington zum Frühstück getroffen hat: Cornel West, afroamerikanischer Philosophieprofessor an der Universität Harvard, tritt ebenfalls als unabhängiger Kandidat an. Er kommt in Umfragen zwar nur auf zwei Prozent, doch seine Anhänger stammen fast ausschließlich aus Milieus, die sonst eher demokratisch wählen. West genießt vor allem bei linken Studierenden in den USA Kultstatus. Gut möglich, dass sie unfreiwillig die Wahl entscheiden – zugunsten von Trump.
Auch er wollte mal Präsident werden: Einst wurde Rudy Giuliani als New Yorker Bürgermeister für seine Erfolge bei der Verbrechensbekämpfung gefeiert, dann wurde er Donald Trumps Anwalt – und jetzt ist Giuliani pleite. Kurz nach einer Verurteilung zu 150 Millionen Dollar Schadenersatz wegen Verleumdung hat der 79-Jährige Konkurs angemeldet. In dem Antrag beim zuständigen Gericht in New York erklärte Giuliani am Donnerstag, er habe zwischen 100 und 500 Millionen Dollar Verbindlichkeiten und eine bis zehn Millionen Dollar an Vermögenswerten.
Giuliani war in der vergangenen Woche zu dem Schadenersatz verurteilt worden, weil er nach der Präsidentenwahl 2020 fälschlicherweise behauptet hatte, dass Helfer Wahlzettel für Trump weggeworfen und gefälschte Zettel für den Demokraten Joe Biden gezählt hätten.
Und ich habe plötzlich den fast 50 Jahre alten Song von Udo Lindenberg im Ohr: „Rudi Ratlos mit viel Pomade
In den wenigen Haaren, die er noch hat
Schade, schade, schade, schade"
Dies war das letzte Morning Briefing von mir vor dem Weihnachtswochenende. Ich wünsche Ihnen ein friedliches Fest mit einem Tannenbaum, der unserer Leitkultur Ehre macht. Am 27. Dezember lesen wir uns hoffentlich wieder.
Herzliche Grüße
Ihr
Christian Rickens
Textchef Handelsblatt
PS: Die Erhöhung des CO2-Preises, der Stopp der E-Auto-Förderung und das Ende einiger Agrarsubventionen – die Ampelkoalition hat in vielen Bereichen den Rotstift angesetzt. Doch sind die geplanten Sparmaßnahmen angemessen? Darüber hat die Handelsblatt-Leserschaft in dieser Woche diskutiert. Lesen Sie hier eine Auswahl der Kommentare.