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Morning BriefingNordkoreas Schützenhilfe für Moskau und ihre Folgen

Laut der Ukraine sind die ersten nordkoreanischen Soldaten an der Front eingetroffen. Tausende weitere sollen unterwegs sein. Ihr Einsatz für Russland könnte zwei Auswirkungen haben.Christian Rickens 25.10.2024 - 06:16 Uhr Artikel anhören
Handelsblatt Morning Briefing

Rezession durch Regeneration: Krankenstand befeuert Wirtschaftsschwäche

25.10.2024
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Liebe Leserinnen und Leser,

es ist eine dieser Zahlen, die hängenbleiben: Hätte Deutschland 2023 nicht einen rekordhohen Krankenstand erlebt, dann wäre die Wirtschaftsleistung auch nicht um 0,3 Prozent geschrumpft. Stattdessen hätte es im vergangenen Jahr ein Wirtschaftswachstum von knapp einem halben Prozent gegeben.

Es war also nicht nur teures Gas und das wegbrechende China-Geschäft, das Deutschland in die Rezession getrieben hat. Es waren auch die vier Arbeitstage, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer länger krank waren als im langjährigen Durchschnitt.

Errechnet hat diese Zahl das Konjunkturteam des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller. Und dessen Geschäftsführer Wirtschaftspolitik sieht für 2024 eine ähnliche Entwicklung voraus: Claus Michelsen schätzt, dass die Wirtschaftsentwicklung durch die abermals auf einen Rekord zusteuernden Krankenstände in diesem Jahr um 0,4 Prozentpunkte gedämpft werden dürfte. Da die Bundesregierung insgesamt mit einer Wirtschaftsleistung rechnet, die um 0,2 Prozent schrumpft, bedeutet das: Es sind erneut die vielen Krankheitstage, die das Land in die Rezession ziehen.

Im vergangenen Jahr kamen auf je 100 erwerbstätige AOK-Mitglieder 225 Fälle von krankheitsbedingten Arbeitsausfällen – ein Spitzenwert. Und diese Marke ist im laufenden Jahr schon bis August erreicht worden, noch bevor die herbstliche Erkältungswelle begann. Da stellt sich die Frage: Sind wir ein Volk von Drückebergern geworden?

Deutsche Arbeitnehmer melden sich immer häufiger krank. Foto: Getty Images [M]

In den Statements von Arbeitgebern schwingt dieser Verdacht häufig mit. Sie machen wahlweise die erleichterte telefonische Krankschreibung oder die lückenlose Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für die vielen gelben Scheine verantwortlich – mit dem Hauptargument, dass die Krankenstände in den meisten anderen Industriestaaten deutlich niedriger seien.

Die Realität ist komplexer, aber nicht unbedingt erfreulicher, wie unsere Titelgeschichte „Die kranke Republik“ zeigt. So wie die Wirtschaftsschwäche in Deutschland an einer Vielzahl von Faktoren hängt, so erlebt die Bundesrepublik auch beim Krankenstand den perfekten Sturm: Alternde Belegschaften mit entsprechend häufigeren Krankheiten. Ein Arbeitskräftemangel, der die Angst vor Jobverlust durch zu viele Fehltage schwinden lässt. Ein rapider Anstieg der psychischen Erkrankungen seit Corona. Und ja, auch ein Sozialsystem, das es im internationalen Vergleich leicht macht, sich krank zu melden.

Aber es gibt eine gute Nachricht: Bei kaum einem Thema haben Arbeitgeber einen so großen Einfluss wie beim Krankenstand in ihrem Unternehmen. Auch hier gibt es nicht die eine Maßnahme, die alle gesund macht, sondern eine ganze Palette, die jede Führungskraft kennen sollte. Es beginnt bei sauberen Klimaanlagen und endet nicht mit einer ärztlichen Krankschreibung, die schon ab dem ersten Fehltag verlangt werden kann.

Erst Waffenlieferungen, jetzt Menschenlieferungen. Laut dem südkoreanischen Geheimdienst soll Nordkorea insgesamt 3.000 Soldaten nach Russland geschickt haben. Die Truppen befinden sich demnach derzeit in Militäreinrichtungen, wo sie mutmaßlich für einen Einsatz gegen die Ukraine trainieren. Auch die US-Regierung will gesicherte Erkenntnisse dazu haben, dass sich nordkoreanische Soldaten in Russland aufhalten.

Die ersten dort ausgebildeten nordkoreanischen Truppen stehen nach Darstellung des ukrainischen Militärgeheimdienstes bereits seit Mittwoch im Fronteinsatz in der Region Kursk, und es könnten noch viele folgen: 12.000 Soldaten will Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un nach Informationen des südkoreanischen Geheimdienstes insgesamt nach Russland schicken. Selbst das wäre nur ein Prozent aller Soldaten, die in Nordkorea unter Waffen stehen.

Nach südkoreanischen Angaben wird Nordkorea Tausende Soldaten nach Russland schicken. Foto: AP

Befürchtung Nummer eins in Südkorea und im Westen: dass Moskau im Gegenzug für die Schützenhilfe Nordkorea mit Know-how oder Material zum Bau von Raketen und Atomwaffen unterstützt.

Befürchtung Nummer zwei: Durch die gestärkte Achse mit Moskau löst sich Nordkorea ein Stück weit aus der Abhängigkeit von seiner Schutzmacht China. In Peking hatte man sich zumindest halbwegs darauf verständigt, die diversen Diktatoren-Kims vom gröbsten Unfug abzuhalten.

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau will entgegen der Wünsche einiger Parteikollegen als Spitzenkandidat seiner Liberalen Partei in die nächsten Parlamentswahlen ziehen. Es gebe „gute Gespräche“ darüber, wie der beste Weg nach vorn aussehe, doch werde er Spitzenkandidat sein, sagte Trudeau.

Diese Wahlen könnten irgendwann zwischen diesem Herbst und Oktober 2025 stattfinden. Sollte Trudeau sie gewinnen, wäre er der erste kanadische Premierminister seit mehr als einem Jahrhundert, der vier Amtszeiten in Folge regiert. Und ab 2027 könnte ihm dann auch Emmanuel Macron nicht länger den Titel als bestaussehender Regierungschef des Westens streitig machen. Frankreichs Präsident darf bei der nächsten Wahl nicht noch einmal antreten.

Der bayerische Flugtaxi-Entwickler Lilium will nach gescheiterten Bemühungen um Staatshilfe nun ein Insolvenzverfahren für seine beiden wichtigsten operativen Töchter beantragen. Das kündigte das Unternehmen am Donnerstag in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC an. Dabei hofft Lilium, das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchlaufen zu können. Die an der US-Technologiebörse Nasdaq notierte Aktie des Unternehmens verlor als Reaktion auf die Nachricht zwischenzeitlich mehr als 63 Prozent.

Lilium entwickelt seit Jahren einen elektrischen Senkrechtstarter für Passagiere. Der erste bemannte Flug sollte eigentlich Anfang 2025 starten, deutlich später als ursprünglich geplant. Und bis zum kommerziellen Einsatz wäre es dann immer noch ein sehr langer und teurer Weg gewesen.

Eigenen Angaben zufolge verfügte Lilium Ende Juni noch über etwa 109 Millionen Euro an Barmitteln. Im ersten Halbjahr hat das Unternehmen aber 190 Millionen Euro verbraucht. Für eine angestrebte Bürgschaft des Bundes über 50 Millionen Euro, die einen KfW-Kredit in der Gesamthöhe von 100 Millionen Euro absichern sollte, gab es in der vergangenen Woche keine Mehrheit im Haushaltsausschuss des Bundestags.

Prototyp von Lilium: Das Unternehmen hatte auf Hilfen durch den Bund gehofft. Foto: REUTERS

Dass Lilium anschließend so schnell in die Insolvenz gerutscht ist, deutet für mich darauf hin: Die angestrebte Bundesbürgschaft war nicht der finale noch fehlende Baustein in einer durchdachten Finanzierungsstrategie. Sondern der letzte Strohhalm, um noch ein bisschen an einer zugegeben faszinierenden Technologie weiterbasteln zu können. Ich bin ganz froh, dass mein Steuergeld dafür nicht eingesetzt wurde.

Grundstückskaufverträge sollen ab 2027 nur noch komplett digital vollzogen werden. Das sieht ein Gesetzentwurf aus dem Bundesjustizministerium von Marco Buschmann (FDP) vor, der unserer Justiz-Reporterin Heike Anger vorab vorliegt. Konkret geht es dabei um den Austausch von Dokumenten und Informationen zwischen Notaren, Gerichten und Behörden nach der Beurkundung eines Immobilienkaufvertrags.

Also keine Sorge: Das Privileg, einem Notar mehrere tausend Euro zu bezahlen, um persönlich seine Fähigkeiten im Schnellvorlesen des Kaufvertrags zu bewundern, bleibt Immobilienkäufern weiterhin erhalten.

Ich wünsche Ihnen einen amtlichen Wochenausklang.

Herzliche Grüße,

Ihr

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Christian Rickens

PS: In dieser Woche haben wir Sie gefragt, warum kein Kanzlerkandidat die Deutschen so richtig überzeugt. Eine Auswahl der Leserkommentare finden Sie hier.

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