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Morning Briefing Showdown in Cleveland

30.09.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Umfragen sind keine Wahlen, ein TV-Duell ist kein Wahrheitsforum: Unter solchen Voraussetzungen lief in der abgelaufenen Nacht das erste TV-Duell zwischen den Bewerbern um das Amt des US-Regierungschefs. Hier der demokratische Herausforderer Joe Biden, der immer wieder sagte: „Der Präsident hat keinen Plan. Er ist ein Lügner. Er kommt nicht aus seinem Golfbunker.“ Dort Donald Trump, der sich in Selbstbeschwörung der Stärke erging, was das permanente Hineinplappern in die Rede des anderen einschloss. „Shut up, man“, reagierte Biden, der hier als Vertreter der Linken und „Sozialist“ vorgeführt werden sollte. Trump: „An Ihnen ist nichts clever.“

So ging es 90 Minuten lang über Supreme Court, Coronakrise, Wirtschaft, Rassismus, Sicherheit, Gesundheitssystem, Klimawandel. Alles wie bei einem jener amerikanischen Boxkämpfe, zu denen man sich als Deutscher früher nächtens wecken ließ. Schwerstarbeit für den tapferen Moderator, der Trump konstant ermahnen musste. Dem Präsidenten ging es erkennbar darum, durch Aggressivität einen tieferen Eindruck von Virilität zu hinterlassen, ein Mann fit für jede Wirtshausrauferei. Pöbeleien gegen Bidens Sohn gehörten dazu. So würdelos wirkte noch nie ein Vertreter des Weißen Hauses. Das Medium Fernsehen, das er so liebt, ist verräterisch. Joe Biden hielt immerhin im Klamauk in der Rolle des Versöhners und Kümmerers der Nation durch, der den einfachen Mann mehrmals direkt ansprach. Man wünschte manchmal nur, der ehemalige Vizepräsident wäre 20 Jahre jünger.

Wenn Sie mehr über die heiße amerikanische Wahlkampfphase wissen wollen, empfehle ich unseren Newsletter „US-Wahl Briefing“. Er erscheint heute in der Mittagszeit. Meine Kollegin Astrid Dörner wird diesmal im Detail auf das TV-Duell eingehen. Und wir analysieren die Steuersparmodelle des Präsidenten sowie die Corona-Debatten im Kongress. Anschließend reden wir mit Constanze Stelzenmüller, Senior Fellow beim Brookings Institute, über den Fortgang der Stimmenschlacht zwischen Donald Trump und Joe Biden.

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    Quelle: Reuters
    Trump will den chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei beim 5G-Ausbau nicht – aus Angst vor Spionage.

    Eine große Portion Ehrlichkeit muss man Trump in Sachen Huawei bescheinigen: Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er den chinesischen Telekommunikationsausrüster in der US-Wirtschaft und in möglichst vielen anderen Märkten nicht will – aus Angst vor Spionage. Wir Deutschen wollen bei Huawei in den Beziehungen zur Deutschen Telekom auch ein „Nein“, sagen aber „Vielleicht“, damit irgendjemand noch an „Ja“ glaubt. Anders kann man die neuen Sicherheitsnormen für das 5G-Mobilfunknetz gar nicht deuten, die die Bundesregierung nach unseren Informationen stiekum beschlossen hat und zum Gesetz machen will. In einem zweistufigen Verfahren wird künftig die technische Prüfung einzelner Bauteile mit einem Polit-Check der Vertrauenswürdigkeit von Herstellern kombiniert. Bei chinesischem Eigentum geht dann offenbar selbst bei dünnster Beweislage die Warnlampe an. Dieser De-facto-Ausschluss von Huawei begünstigt Nokia und Ericsson – und wird den 5G-Ausbau erheblich verzögern. In der Wirtschaft sind Phobien teuer, in der Politik dagegen normal.

    Wenn alle von Viren reden und von Veränderung, sind Beschäftigungsgarantien nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Das zeigt sich bei MAN (7000 Jobs gestrichen), bald vielleicht auch bei Daimler (mehr als 15.000 Jobs in Gefahr). Es gibt auf Dauer keinen politischen Schutz gegen den Markt. Wir haben nachgerechnet, dass allein bei den 30 Dax-Konzernen in diesem Jahr netto über 40.000 Stellen verloren gehen – mehr als im Folgejahr der Finanzkrise 2008. Und 2021 dürften noch einmal mehr als 80.000 Arbeitsplätze weichen. In der Autobranche passen hohe Fixkosten nicht zur sinkenden Nachfrage nach Pkw, wobei andererseits Fachkräfte händeringend gesucht werden, etwa im Bereich Software. Hier will etwa VW 9000 Mitarbeiter einstellen. „Fiat Lux“ heißt hier: Die schöne neue Welt der Daten soll das Dunkle hell machen.

    Der Paypal-CEO Dan Schulman sieht sich als großen Freund des Kapitalismus – doch er fordert eine Reform.

    Dan Schulman aus dem Silicon Valley kämpft derzeit mit den Folgen der Waldbrände in Kalifornien, profitiert aber von einer Corona-Rente für Internet-Aktivitäten. Der CEO will Paypal nun zum wichtigsten Finanzdienstleister der digitalen Welt machen, erklärt er im Handelsblatt-Interview – noch vor Apple Pay, Alipay und wie sonst die Konkurrenten heißen. Schulman sagt über...

    • ... die Beschleunigung der Digitalisierung bei Firmen und Behörden: „Das gibt uns Rückenwind. Das vergangene Quartal war in vielerlei Hinsicht das beste aller Zeiten. 1,7 Millionen neue Händler haben sich bei uns angemeldet – dreimal so viele wie sonst.“
    • ... das eigene Kreditgeschäft: „Auch in der Krise verleihen wir weiter in verantwortlichem Maße Geld an Firmen. Für Unternehmen, die von Frauen oder Minderheiten geführt werden, sind wir oft die letzte Hoffnung.“
    • ... das wirtschaftliche System: „Ich bin ein großer Fan des Kapitalismus. Aber er braucht ein Upgrade – als Kapitalismus, der auf alle Stakeholder eingeht. Bei Paypal ist jeder Mitarbeiter auch unser Aktionär.“

    Dieser Kapitalist erfüllt die Klugheitskriterien von Abraham Lincoln: „Die Henne ist das klügste Geschöpf im Tierreich. Sie gackert erst, nachdem das Ei gelegt ist.“

    Auf karzinomatöse Verformungen des Kapitalismus weist eine Rekordstrafe von 920 Millionen Dollar hin, auf die sich die US-Behörden mit JP Morgan Chase geeinigt haben. Die amerikanische Großbank, die Jamie Dimon leitet, gab letztendlich nach vielen Verdunkelungsmanövern zu, seit 2008 über acht Jahre die Kurse für Gold, Silber und andere Metalle sowie für US-Anleihen manipuliert zu haben – über Optionsgeschäfte. Dabei kam „Spoofing“ zum Einsatz: Kauf- und Verkauforders werden durch den Trickser rasend schnell platziert und wieder entfernt, sodass der Eindruck höchster Geschäftstätigkeit entsteht. Ein New Yorker FBI-Verantwortlicher sagt: „Über fast ein Jahrzehnt hat eine signifikante Anzahl von Händlern und Verkaufsmanagern bei JP Morgan offen amerikanische Gesetze missachtet, die vor illegalen Aktivitäten im Finanzmarkt schützen sollen.“ Bereits in der vorigen Woche hat übrigens ein Gericht in Chicago zwei ehemalige Händler der Deutschen Bank wegen übler „Spoofing“-Tricks im Gold- und Silbermarkt verurteilt. In ihrer etwas düsteren Vergangenheit des Investmentbankings scheint das Frankfurter Finanzinstitut keinen Kriminaltango ausgelassen zu haben.

    Quelle: Dornbracht
    Das Unternehmen Dornbracht stellt in dritter Generation Badewannen her.
    (Foto: Dornbracht)

    Und dann ist da noch die Iserlohner Unternehmerfamilie Dornbracht, bisher in dritter Generation Designkönige im Badezimmer. Doch mit schicken Armaturen, „Horizontal Shower“ oder „Water Units“ will man sich nach einigen Krisen nicht mehr federführend abgeben – und übergibt die Kontrollmehrheit des Family Office dem Dortmunder Zweig der Baustoff-Dynastie Knauf. Die Investoren hatten schon 2018 beim ebenfalls sauerländischen Hausgerätehersteller Severin zugegriffen und betonen nun, dass auch ihre jüngste Neuerwerbung keinesfalls dem Baustoff-Imperium zugeschlagen werde. Während sich Andreas Dornbracht, 61, ganz zurückzieht und künftig in der freien Wirtschaft als Beirat, Aufsichtsrat und Mentor agiert, bleibt Bruder Matthias mit Sohn und Neffe als Juniorpartner im Stammunternehmen. Er lobt die verschwiegenen Knaufs: „Ein Partner, der global denkt und agiert, aus der Region stammt, die Kultur eines Familienunternehmens kennt und dessen unternehmerische Eigenständigkeit wahrt.“ Hier soll schließlich eines Tages nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden.

    Ich wünsche Ihnen einen entspannten Tag.
    Herzliche Grüße

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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