1. Startseite
  2. Meinung
  3. Morning Briefing
  4. Morning Briefing: Trump mit neuem Coup für Russland

Morning BriefingTrump mit neuem Coup für Russland

Teresa Stiens 28.03.2025 - 06:05 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Longevity: Das Geschäft mit dem ewigen Leben / Autozölle: Der hohe Preis für deutsche Unternehmen

28.03.2025
Abspielen 07:40

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

was seit Jahrtausenden ein frommer Wunsch ist, wird in den USA gerade zum Verkaufsschlager: das ewige Leben. Ob das Versprechen von der Ewigkeit heutzutage schon eingelöst werden kann, ist fraglich. Aber die Prediger der „Longevity“ versprechen immerhin ein sehr, sehr langes Leben.

David Sinclair, Gründer von mindestens sieben Biotech-Unternehmen, verkündete auf der Longevity-Messe in Las Vegas die frohe Botschaft: Der Alterungsprozess sei kein Schicksal, seine Effekte ließen sich nicht nur verlangsamen, sondern sogar umkehren.

Es sind solche Botschaften, die in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Boom bei Gründern, Investoren und Pharmakonzernen geführt haben. Und so entwickelt sich, was lange als Spleen von Superreichen galt, zum wichtigsten Trend der Biotech-Branche – und zu einem gigantischen Wachstumsmarkt, von dem auch deutsche Unternehmen profitieren wollen.

Für den heutigen Freitagstitel hat ein Team von Handelsblatt-Reporterinnen und -Reportern diesen Wachstumsmarkt des ewigen Lebens analysiert. Sie haben sich die sinnvollen und die obskuren Methoden der Longevity-Jünger angeschaut und sich mit der Frage beschäftigt, ob es nicht doch eine Altersgrenze gibt, die Menschen nicht überschreiten können.

Der unendliche Geburtstag: Das ewige Leben erscheint vielen wie die letzte Grenze des technologisch Machbaren. Foto: Mona Eing & Michael Meissner

Die Kosten der Zölle für die Autoindustrie

Vorgestern Abend hat US-Präsident Donald Trump Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Autoimporte in Aussicht gestellt. Heute gibt es erste Berechnungen, wie hoch der dadurch entstehende Schaden für die deutsche Automobilindustrie ausfallen dürfte.

Die Experten des US-Analysehauses Bernstein schätzen die Nettokosten der Zölle für die drei großen deutschen Autokonzerne zusammengerechnet auf etwa elf Milliarden Euro. Die Gewinnmargen dürften sinken, wenn die Maßnahmen längere Zeit Bestand haben. Die Aktien der Autobauer gaben gestern deutlich nach.

Von den drei großen Konzernen verkauft Volkswagen die meisten Autos in den USA – insgesamt waren es 2024 knapp 730.000 Fahrzeuge, Audi und Porsche miteingerechnet. Immerhin unterhalten VW sowie BMW und Mercedes eigene Produktionsstätten in den USA, wodurch sie zumindest einen Teil ihrer Fahrzeuge zollfrei auf dem amerikanischen Markt verkaufen können.

Verschiffung von Autos in Bremerhaven. Die angekündigten US-Zölle würden deutsche Autobauer empfindlich treffen. Foto: Getty Images

Im Interview mit meinem Kollegen Felix Holtermann ordnet Wilbur Ross, Handelsminister in Trumps erster Amtszeit, die aktuelle Zollpolitik des Präsidenten für das Handelsblatt ein. Ross betont, dass der jetzige Schritt niemanden überraschen sollte – schließlich hatte Trump solche Zölle auch schon während seiner ersten Amtszeit erhoben. Ross betont:

Alle hatten Zeit, sich darauf einzustellen.

Er weist aber auch auf ein Schlupfloch für deutsche Hersteller hin, das beim ersten Lesen der Verordnung wohl nur wenigen aufgefallen sein dürfte. Bei betroffenen Teilen sei nur von „wichtigen Autoteilen“ die Rede. Das sei „konstruktiv“, es gebe den Unternehmen Spielraum. Man müsse wissen, wie Trump agiere – das letzte Wort sei mit der aktuellen Ankündigung noch nicht gesprochen. Es gelte, den 2. April abzuwarten, dann möchte Trump weitere Schritte verkünden. Ross schätzt:

Möglich ist, dass höhere Zölle zu den Autozöllen hinzukommen – oder dass sie völlig unabhängig davon erhoben werden.
Wilbur Ross mit Donald Trump (2016): Der US-Präsident hat Zölle von 25 Prozent auf Autoimporte ab dem 2. April verhängt. Foto: AP

Trump mit neuem Coup für Russland

Oft und viel wurde darüber spekuliert, welche Verbindungen Donald Trump nach Russland hat. Der Mueller-Report fand 2019 keine strafrechtlich verwertbaren Beweise für eine direkte Zusammenarbeit der Trump-Kampagne mit Moskau bei der Präsidentschaftswahl 2016.

Und doch stellt sich die Frage, die der demokratische Senator Jeff Merkley bei einer Anhörung von Trump-Nominierten Anfang März formulierte:

Wie könnte Präsident Trump als russischer Agent noch mehr im Sinne russischer Interessen handeln, als er es eh schon tut?

Trump agiert schon länger als Wünscheerfüller Moskaus, er übernahm das Narrativ, die Ukraine sei schuld am Krieg in ihrem eigenen Land. Jetzt greifen die USA Russland auch wirtschaftlich noch stärker unter die Arme. Wie offiziell bestätigt wurde, verhandeln die beiden Länder über eine Inbetriebnahme von Nord Stream 2. Die Ostsee-Pipeline zwischen Russland und Deutschland ist Gegenstand der Gespräche über eine Beendigung des Ukrainekrieges. Die Bundesregierung lehnt eine Inbetriebnahme der Pipeline allerdings strikt ab.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte Donald Trump im russischen Fernsehen dazu auf, seine Macht in Europa im Sinne der Russen geltend zu machen. Es werde interessant sein zu sehen, „ob die Amerikaner ihren Einfluss auf Europa nutzen und es zwingen, russisches Gas nicht weiter abzulehnen“.

Gasleitungen von Nord Stream 2: Russland und die USA verhandeln über eine Inbetriebnahme der Ostseepipeline – zum Missfallen Europas. Foto: REUTERS

Das Comeback einer totgeglaubten Handelspolitik

Handelspolitisch verfolgt die US-Regierung derzeit einen Ansatz, der zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert schwer in Mode war: der Merkantilismus. Der Ansatz beruhte auf der Vorstellung, dass der Wohlstand eines Staates nur durch eine positive Handelsbilanz – also mehr Exporte als Importe – gesteigert werden könnte. Harte Zollbeschränkungen waren damals genauso in Mode wie die Idee, Parfum zu tragen, statt sich zu waschen. Beides hat sich nicht durchgesetzt – eigentlich.

Denn mit Donald Trump ist der Merkantilismus zurück. Das bringt die Sorge am Aktienmarkt mit sich, dass dort die USA zu hoch gewichtet sein könnten. Der Anteil von US-Werten am Aktienmarkt ist Daten des Finanzdienstes Bloomberg zufolge binnen zehn Jahren von 58 Prozent auf 74 Prozent gestiegen.

Das wird jetzt zum Nachteil. Denn Leidtragende des Neo-Merkantilismus könnten ausgerechnet US-Konzerne sein, wenn Länder, die mit hohen amerikanischen Zöllen konfrontiert sind, Vergeltungsmaßnahmen einführen.

Wall Street: US-Aktien waren die Gewinner der vergangenen Jahre. Nun könnten sie vor schwierigen Zeiten stehen. Foto: E+/Getty Images

Zum Abschluss noch ein Blick auf einen kuriosen Fund der Wissenschaft. Kennen Sie das? Sie suchen Ihre Brille überall und finden sie schließlich auf Ihrer eigenen Nasenspitze? Ähnlich erging es einem Team von kanadischen Biologen, die auf der Suche nach einem neuen antibiotischen Molekül waren. Nach langer Zeit wurden sie schließlich fündig – im Garten eines Labortechnikers. Es handelt sich dabei um eine durchaus bemerkenswerte Entdeckung. Denn das neue Molekül greift auf ganz besondere Weise die Proteinfabrik der Bakterien an.

Kim Lewis, Mikrobiologe an der Universität Boston, fasste den erstaunlichen Fund so zusammen:

Es gibt furchtbar interessante Dinge, die sich direkt vor unseren Augen verstecken.

Wer weiß schon, was für wissenschaftliche Durchbrüche sich in Ihrem Garten alle noch so finden lassen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Sie nichts übersehen.

Verwandte Themen
Donald Trump
USA
Russland
Europa
Nord Stream 2
Longevity

Es grüßt Sie herzlich,

Ihre
Teresa Stiens

PS: Zu wenig Zeit zum Lesen? Dann nutzen Sie doch einfach die neue Vorlesefunktion vom Handelsblatt! Mit verbesserter KI-Stimme und optimierter Audioqualität können Sie jetzt Artikel in der App und auf handelsblatt.com anhören. Mehr dazu...

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt