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Morning Briefing Wer die „Menschen des Jahres“ sind

18.12.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

dieses Jahr hat erschöpft – dieser stete Wechsel zwischen Lothar H. Wieler und Donald J. Trump, zwischen pandemischer „Inzidenz“ und politischer Demenz. Alle fragen sich: War dieses Jahr ein Ausreißer? Oder Vorbote für das, was noch kommt? Und wer ist eigentlich mein „Mensch des Jahres“? Das US-Magazin „Time“, über die Jahre alt geworden mit dieser Kategorie, hat mit liberaler Zwangsläufigkeit das Team Joe Biden und Kamala Harris gewählt.

Mein Favorit hat keinen Namen. Diese Person ist weiblich, männlich, jung, alt, deutsch, nicht-deutsch. Wir haben ihr im Frühling von Balkonen aus zugeklatscht, und wir werden ihr – angesichts von täglich mehr als 30.000 Neu-Infektionen – wieder zuklatschen.

Sie ist die, die im Krankenhaus, Seniorenheim, Supermarkt, Müllwagen Dienst schiebt, wenn wir im „Lockdown“ sind. Und wenn jemand einen Namen braucht, und die Mediengesellschaft braucht immer Namen: Dann nehmt Sandra Lindsay, Krankenschwester in New York. Sie bekam als erste das Impfmittel von Biontech aus Mainz. Das war auf jeden Fall eine gute Wahl.

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    Mit dem dänischen Philosophen Sören Kierkegaard verstehen wir: „Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden.“ Und sind flugs bei denen, die Millionen und Millionen Euro in die Entwicklung von Covid-19-Vakzinen gesteckt haben: die Unternehmer Dietmar Hopp (Curevac) sowie Andreas und Thomas Strüngmann (Biontech). Sie gehören zum prächtigen „Line-up“ all der Jahresmenschen, die eine Jury für unsere Redaktion gekürt hat und die von bemerkenswerten Fremdautoren auf 36 Seiten gewürdigt werden.

    Über die drei Bio-Tech-Investoren schreibt Bayer-CEO Werner Baumann. „Wir sollten nicht vergessen“, resümiert er, wem wir die neu erwachte Hoffnung auf ein wirklich normales Leben, nicht auf das neblige „New Normal“, letztlich verdanken: „den unermüdlichen Forscherinnen und Forschern – und den Investoren, die an sie glauben.“

    Und dank des gestrigen „Corona-Gipfels“ von Angela Merkel mit den Biontech-Gründern Ugur Sahin und Özlem Türeci wissen wir auch, dass der Startschuss für die Corona-Impfstoff-Forschung tatsächlich am 24. Januar am Frühstückstisch fiel. Noch einen Schluck Kaffee, und dann ab ins Labor.

    Quelle: Merck, Imago, Curevac, dpa(2), A. Brosch, Reuters, ddp, getty, reuters, ap [M]
    Dietmar Hopp, Elon Musk, Joe Biden: Eine Jury hat für unsere Redaktion die Jahresmenschen gekürt.
    (Foto: Merck, Imago, Curevac, dpa(2), A. Brosch, Reuters, ddp, getty, reuters, ap [M])

    In unserem Wochenendtitel über die „Menschen 2020“ finden sich viele reizvolle Autor-Berichtsobjekt-Paarungen:

    • Da lobt Ursula von der Leyen die Krisenmanagerin Angela Merkel für ihre Marathon-Qualitäten.
    • Reiner Calmund findet den Großmetzger Clemens Tönnies viel besser als die Schnellurteiler im Volk.
    • Frank Thelen sieht in den Start-up-Königen von Celonis wahre Systemgewinner
    • Renate Köcher preist zurecht den unterschätzten Infineon-Chef Reinhard Ploss als „Manager des Jahres“
    • Und schließlich haben gleich zwei – Hildegard Müller und Peter Altmaier – ihr Herz für „Antreiber“ Elon Musk entdeckt.

    „Antreiben“ heißt in diesem Fall, andere aus Wolfsburg, München und Stuttgart hinter sich „herzutreiben“.

    Blick zurück auf dieses Jahr der Verrücktheiten, im Merkel-Speak „Zumutungen“, verbindet Janina Kugel mit dem leidenschaftlichen Flehen, bloß nicht mit Reformen nachzulassen. Jetzt die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Jetzt die Warnungen der Wissenschaft vor den Gefahren des Klimawandels ernst zu nehmen.

    „Einige Unternehmen und Organisationen scheinen eher im Fokus zu haben, den alten Status quo wiederherzustellen“, klagt die Ex-Siemens-Vorstandsfrau, die jetzt als Senior Advisor der Boston Consulting Group die Usancen der Wirtschaft weiter genau kennt.

    Es habe fast den Anschein, so Kugel, als ob manche die Krise benutzen wollten, um „zurück in die Vergangenheit zu springen“. Das bewirke Frustration. Ihre Helden des Jahres sind Joe Biden und Kamala Harris aus den USA sowie Jacinda Ardern aus Neuseeland. Menschen, die etwas für Diversität tun.

    Das Fluten der Märkte mit Zentralbankgeld wirft derzeit oft eine Frage auf: Wann kommt die Inflation? In der „Quantitätsgleichung“ des Ökonomen Irving Fisher und später im Monetarismus wäre das auch so, die Preise galoppierten davon.

    Dem hält Wirtschaftsprofessor Bert Rürup in seiner Kolumne „Der Chefökonom“ entgegen, die Inflation in entwickelten Industrieländern sei „weitgehend tot“: Die Globalisierung brach die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften, Digitalisierung machte Produkte billiger und die Ersparnisse aufsteigender Mittelschichten überstiegen die Nachfrage so stark, dass die Realzinsen sinken.

    Vor diesem Hintergrund sei es „Fakt“, so Rürup, dass alle traditionellen Ansätze zur Erklärung und Prognose von Inflation scheitern – und die Europäische Zentralbank längst Staatsfinanzierung betreibe.

    Und dann ist man schnell beim „Gedankenexperiment“ der Stunde: der „Modern Monetary Theory“ (MMT). Folgt man ihr, wird der künftige Konsolidierungskurs nicht via steigender Zinsen geregelt, sondern fiskalisch, über höhere Steuern und niedrigere Staatausgaben. Rürup rät, sich mit MMT zu beschäftigen – es habe „den Anschein, dass die Realität den etablierten ökonomischen Theorien wieder einmal vorausgeeilt ist“.

    Quelle: AFP
    Seit dem Frühjahr gelten Beschränkungen für Europäer, wenn sie in die USA einreisen wollen.
    (Foto: AFP)

    Mit der Illusion „coronafreier“ Füge werben derzeit Airlines wie Alitalia für Reisen nach Nordamerika, eine Reihe von Tests würden das garantieren. Doch das Einreiseverbot für Europäer in die USA gilt auch weiterhin.

    Es handelt sich derzeit um Pilotprojekte, interessant vor allem für US-Reisende nach Europa. Die Luftfahrtbranche will damit rechtzeitig beweisen, dass Fernreisen über den Atlantik auch während der Pandemie möglich sind. Auch die Lufthansa hat „coronafreie“ Flüge erprobt, zwischen München und Hamburg. CEO Carsten Spohr berichtet in der „Wirtschaftswoche“ darüber, dass sich die Buchungen für den nächsten Sommer verdreifacht hätten – seitdem die konkrete Aussicht auf einen Impfstoff besteht.

    Zurückhalten mit konkreten Empfehlungen will sich diesmal Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble bei der Wahl des neuen Vorsitzenden seiner CDU. Nun gut, er sei mit Friedrich Merz befreundet (für den er 2018 trommelte), schätze aber auch Armin Laschet und habe zu Norbert Röttgen gute Beziehungen, erklärte er in der „Frankfurter Allgemeinen“.

    Im weiteren Verlauf der Plauderei, die man im Englischen „sophisticated“ nennen würde, beschreibt sich der 78-jährige Christdemokrat als „Digital Immigrant“, der da nicht einmal besonders integriert sei.

    Richtig Fahrt nahm Schäuble bei der Frage nach dem Unions-Kanzlerkandidaten auf. Diese Sache sollte spät, also zwischen Ostern und Pfingsten, entschieden werden, meint er. Und feixt, die Zahl der möglichen Personen sei überschaubar: „fünf, sechs, sieben, acht, (lacht) darunter auch Frauen, vielleicht jemand von der CSU.“ Seine CDU hat nun eine Aufgabe: Cherchez la femme.

    Morning Briefing: Alexa
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