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Morning Briefing Zeit zum Durchstarten nach Corona

02.02.2021 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

nach dem gestrigen Impfgipfel gibt es jetzt einen nationalen Impfplan, was glorreich nach Punktlandung klingt. Die Politik muss das wortbombastische Versprechen jedoch erst einmal erfüllen – und sie braucht die entsprechenden Serumdosen. „Es kann sein, dass wir noch viele Jahre impfen müssen“, dämpft Kanzlerin Angela Merkel. Wer wirklichen Optimismus erleben will, muss lesen, was Mc-Kinsey-Deutschlandchef Cornelius Baur und Gabriel Felbermayr, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, im Handelsblatt-Gastkommentar schreiben. Sie erwarten für den Sommer einen kräftigen Aufschwung: Statt zaghaft zu warten, bis die Pandemie abflaut, sollten Unternehmen deshalb schon jetzt auf Durchstarten umschalten. Dazu müssten die Konsumenten aber auch reichlich von jenem Geld ausgeben, das sie in den Corona-Homeoffice-Monaten zwangsweise gespart haben.

Quelle: Heider-Sawall; dpa [M]
Cornelius Baur und Gabriel Felbermayr empfehlen: „Statt zaghaft zu warten, bis die Pandemie abflaut, sollten Unternehmen schon jetzt auf Durchstarten umschalten.“
(Foto: Heider-Sawall; dpa [M])

Am heutigen Dienstag soll klar werden, wie der Neuanfang der Finanzaufsichtsbehörde Bafin aussehen soll. An der dortigen Spitze waren Felix Hufeld und Stellvertreterin Elisabeth Roegele Ende voriger Woche nach Versagen im Wirecard-Skandal nicht mehr zu halten. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte so lange mit der Remedur gezögert, dass er seine Kanzlerkandidatur für die SPD fast beschädigt hätte.

Nun fordern Grüne und Linkspartei, dass der neue Chef von außerhalb der Bafin kommen solle, womöglich aus dem Ausland. Das wäre hilfreich, um „durchzulüften“, sagt der Linkspartei-Wirtschaftsexperte Fabio De Masi. Scholz hat eine Mitverantwortung der Bafin für den Bilanzskandal im früheren Dax-Konzern eingeräumt – und verspricht nun eine Finanzaufsicht „mit mehr Biss“. Da kann man nur hoffen, dass nicht gleich wieder eine Plombe herausfällt.

Den Zockerkrieg an der Wall Street kann der Online-Dienstleister Robinhood mit 3,4 Milliarden Dollar an frischen Investorengeldern fortsetzen. Die Summe ist größer als alles, was die Firma seit Gründung 2013 erhalten hat. Robinhood braucht das viele Geld, um der gestiegenen Nachfrage neuer Kunden Herr zu werden. Die App rückte vergangene Woche ins Rampenlicht, als Kleinanleger der Plattform Reddit hierüber das Geschäftsmodell von Hedgefonds angegriffen haben. Gegen deren Leerkäufe haben die Anleger mit konzertierten Käufen den Kurs der Videospielkette Gamestop hochgetrieben.

Allerdings zog sich Robinhood-Chef Vlad Tenev zuletzt auch bei Fans Kritik zu, als er die Käufe von Gamestop-Titeln einstellte, Verkäufe jedoch weiterhin zuließ, wovon Hedgefonds profitierten. Reddit-Spekulanten haben bereits ein neues Ziel entdeckt. Sie setzen auf steigende Silberpreise, ganz so, wie es der Volksmund empfindet: Jeder hält sein Blei für Silber.

Quelle: Threema
In der Welt der Konzerne schwören nun viele auf Threema, eine kleine, 3,99 Euro teure App aus der Schweiz.

Noch ist WhatsApp mit mehr als zwei Milliarden Nutzern der erfolgreichste Messenger-Dienst der Welt, gefolgt vom Facebook-Messenger mit 1,3 Milliarden und WeChat aus China mit 1,2 Milliarden. Doch die prompte Änderung der WhatsApp-Nutzernormen, die ein Datenteilen mit dem Mutterkonzern Facebook erlauben soll, verschreckt weiter viele in der Internet-Gemeinde. In der Welt der Konzerne schwören nun viele auf Threema, eine kleine, 3,99 Euro teure App aus der Schweiz. „Wir sind ganz besonders für Unternehmen attraktiv, in denen viele Beschäftigte nicht über einen Bildschirmarbeitsplatz verfügen“, sagt uns Mitgründer und CEO Martin Blatter. Schon überzeugt: Bosch und Daimler. Sie stehen auf die eidgenössische Lösung, wie auch Bündnis 90/Die Grünen und das Land Baden-Württemberg. Sie alle lockt das Versprechen, dass hier nirgendwo auf einem Server Daten gespeichert werden.

Ziemlich viel Trubel gibt es derzeit bei Institutionen, die den berühmten Namen des Marktliberalen Friedrich August von Hayek (1899-1992) tragen. Einerseits gab die Hayek-Stiftung jüngst eine „Unvereinbarkeitserklärung“ zu der in Teilen vom Verfassungsschutz beäugten AfD ab. Andererseits verkündete die von der Stiftung finanzierte Hayek-Gesellschaft, diesen Beschluss nicht zu akzeptieren. Der Stiftungsrat überschreite seine Kompetenzen, findet Stefan Kooths, Chef der Hayek-Gesellschaft.

Über so viel Zwist im Klub und die fehlende Grenzziehung nach rechts verließen die FDP-Politiker Frank Schäffler und Linda Teuteberg sowie der Unternehmer Frederik Roeder und der Politologe Christoph Zeitler die Hayek-Gesellschaft. Es folgt nun eine AfD-Prominente: Fraktionschefin Alice Weidel. Dieser Schritt falle ihr schwer, sagt sie, er sei aber sinnvoll, „damit eine völlig verfehlte Debatte möglichst rasch ein Ende nehmen kann.“

Vor ein paar Jahren ging die chinesische HNA Group mit einer weit geöffneten „Geldkatze“ durch die Welt. Man kaufte, was man kriegen konnte, unter anderem Beteiligungen an der Deutschen Bank und den Hilton-Hotels. Nun ist das hochverschuldete Konglomerat rund um das Herzstück Hainan Airlines insolvent. Was den Pleitiers noch blieb, ist der Flughafen Hahn im Hunsrück – ein Krisenfall seit Jahren, der allenfalls im Frachtgeschäft von seiner Nachtflugerlaubnis profitiert.

Die Airport-Geschäftsführung beruhigt die Mitarbeiter, die Probleme bei HNA hätten keinen Einfluss auf den eigenen Betrieb. Mit den Folgen für die Politik sieht das allerdings anders aus, denn es war das Land Rheinland-Pfalz, das der HNA Group seinen 82,5-Prozent-Anteil am Kapital der Flughafengesellschaft verkauft hatte. Zuvor war die Landesregierung auf einen chinesischen Hochstapler hereingefallen. Pleitier statt Hochstapler: Vor der Landtagswahl im März dürfte Ministerpräsidentin Malu Dreyer viele bessere Themen haben.

2021 soll das Jahr des Sieges über Corona werden. Und was noch? Manche Aufgaben sind wegen der Pandemie in den Hintergrund geraten, neue Herausforderungen warten. Wie kann die EU digitale Souveränität erhalten, wie kommen wir auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow mit dem Umweltschutz weiter? Was bedeutet die Wahl Joe Bidens für das transatlantische Verhältnis, was erwarten die Bündnispartner von Deutschland im Jahr der Bundestagswahl?

Über Europa im Jahr 2021 sprechen wir drei Tage lang mit Spitzenkräften aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in der Veranstaltungsreihe „Europe 2021“. Das „Wir“ sind in diesem Fall „Tagesspiegel“, „Zeit“, „Handelsblatt“ und „Wirtschaftswoche“. Es diskutieren unter anderem Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Klimaaktivistin Greta Thunberg und Bestseller-Autor Paul Auster. Heute um 9.30 Uhr eröffnen Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes und seine Chefredakteurskollegen die Konferenz. Sie sind herzlich eingeladen. Hier geht es zur Anmeldung...

Quelle: Reuters
Großbritanniens ehemaliger Schatzkanzler George Osborne wird Partner der Investmentbank Robey Warshaw, wo man 2019 bis zu 27 Millionen Pfund verdienen konnte.

Und dann ist da noch der einstige britische Schatzkanzler George Osborne, der bisher ein besonderes Kunststück im Repertoire hatte. Einerseits war der Konservative neben anderen Jobs Chefredakteur der Londoner Tageszeitung „Evening Standard“, andererseits beriet er gegen 65.000 Pfund Sterling Jahressalär einmal pro Woche den US-Finanzgiganten Blackrock.

Nun ist Schluss mit der bizarren Ämterhäufung. Der 49-Jährige wird Partner der Investmentbank Robey Warshaw, wo man 2019 bis zu 27 Millionen Pfund verdienen konnte. Er sei jetzt beim „Besten der Besten“, sagt Osborne. Die Labour-Opposition merkt dagegen leicht gallig an, die Drehtür zwischen der konservativen Regierung und den Finanzhäusern der Londoner City sei schon immer „sehr lukrativ“ gewesen.

Ich wünsche Ihnen einen einträglichen Tag.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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1 Kommentar zu "Morning Briefing : Zeit zum Durchstarten nach Corona "

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  • "Wir haben einen Plan!"

    - TOLL! -

    Schon mal gehört, dass "Planung lebt"? "Was kümmert mich mein dummes Jewäsch vun jestern (Adenauer)"
    Was ist denn nun gewonnen? Nichts, außer ein weiteres Papier, das gleich wieder zerrissen werden kann.
    Der Stoff von AstraZeneca ist übrigens schlecht verträglich (Quelle: wdr/RKI), weshalb in den Zulassungsstudien gleich PROPHYLAKTISCH Paracatamol verabreicht wurde.
    Die EMA konnte das scheinbar in den Studien nicht lesen.
    Noch 'ne EU-Behörde zum durchkärchern. Korruption und Lobby, wohin das müde Auge schaut.

    Da wirddas Publikum doch in Scharen vor der Spritze davonrennen, wenn derart vertrauensbildend zugelassen wird.

    Mahlzeit!

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