Ford Puma Gen-E: Elektro-Puma mit Schwächen am Lader
Flotte Fahrt über kurvige Landstraßen: Das gelingt dem elektrischen Puma, wie unser Tester erfahren hat.
Foto: dpaBerlin. Ford in Europa braucht dringend ein elektrisches Erfolgsmodell. Denn nachdem sie anfangs nur den US-Import Mustang Mach-E verkauft und sich dann für Explorer und Capri aus dem Modularen Elektro Baukasten (MEB) des VW-Konzerns bedient haben, bringen die Kölner nun ein selbst entwickeltes Akku-Auto an den Start.
Mit Batterie statt Benzintank
Dafür gibt es das handliche SUV jetzt statt mit Benzintank mit einer Batterie von 43 Kilowattstunden. Und wo bislang Verbrenner mit maximal 125 kW/170 PS brummen, kann jetzt an der Vorderachse alternativ auch ein Magnetläufer surren, der es auf 124 kW/168 PS bringt und von der ersten Sekunde an freudvolle 290 Nm Drehmoment mobilisiert.
Umgekehrt gewinnt er beim Verzögern Energie zurück und erlaubt bei der entsprechenden Einstellung auch das so genannte One-Pedal-Fahren, bei dem die konventionelle Bremse weitgehend überflüssig wird.
Mit den Instinkten eines Raubtiers
Entsprechend sprintstark zeigt sich der Puma. Schon als Verbrenner immer einen Tick sportlicher und leidenschaftlicher abgestimmt als Konkurrenten wie etwa Opel Mokka oder VW T-Cross, wird der Gen-E jetzt zum Sportwagen mit erhöhter Bodenfreiheit.
Die Lenkung direkt, der Schwerpunkt dank der Batterie im Boden niedriger als bei den Benzinern und die Federung stramm. So wird die Landstraße in Angriff genommen und man fährt bisweilen flotter, als es dem Nachwuchs auf der Rückbank lieb ist.
Denn dass man in einer klassischen Familienkutsche sitzt, hat man schnell vergessen. Nur auf der Autobahn ist das Vergnügen vergleichsweise kurz, weil die Elektronik schon bei 160 Stundenkilometern den Stecker zieht. Da haben viele Wettbewerber mittlerweile mehr Auslauf.
Außerdem schmilzt dann auch der Energievorrat rasant dahin und die ohnehin schon eher durchschnittliche Reichweite von bestenfalls 376 Normkilometern rückt in weite Ferne.
An der Ladesäule eher lahm
So flott der Puma fährt, so gemütlich gibt er sich danach allerdings an der Ladesäule: Selbst am Gleichstrom-Kabel sind maximal 100 Kilowatt möglich und stempeln den Puma zu einem der lahmsten Lader in seinem Segment. Wie viel Leistung am Wechselstrom möglich sind, behält Ford noch für sich. Dass er es 23 Minuten von 10 auf 80 Prozent schafft, ist da nur ein schwacher Trost, weil es allein dem kleinen Akku geschuldet ist.
Lieber Ein- als Aufladen
Während sich Ford beim Aufladen also blamiert, können sich die Kölner beim Einladen dagegen umso mehr profilieren. Denn wo der Puma schon bislang der Praktiker war in seiner Klasse, steckt er jetzt sogar noch mehr weg. Schließlich haben die Ford-Entwickler genau wie schon bei ihren VW-Übernahmen Explorer und Capri auch beim Puma noch einen kleinen Frunk unter die Motorhaube gequetscht. Der fasst immerhin 43 Liter und ist damit groß genug ist für das Ladekabel und den Verbandkasten.
Und weil die Batterie im Heck weniger Platz braucht als der Benzintank, wird aus der „Mega Box“ - dem Stauraum unter dem Ladeboden - die „Giga Box“. Sie wächst auf 145 Liter an. Damit bietet der mit 4,21 Metern eher kurze Puma insgesamt 523 Liter Kofferraum und macht so mach einem Kombi Konkurrenz.
Auf Tarnkurs in die elektrische Zukunft
Das sind allerdings fast schon die einzigen konstruktiven Änderungen an dem SUV. Denn ansonsten machen von außen nur die geschlossene Maske auf dem nicht mehr benötigten Kühlergrill oder die entfernten Endrohre sowie innen die Grafiken auf den Bildschirmen den Unterschied zum Geschwister mit Verbrenner. So recht bekennen zur neuen Zeit kann sich die Generation E mit dem Puma „Gen-E“ deshalb nicht.
Fazit: Gemächlicher Start für eine neue Zeit
Nachdem Ford den Start ins Elektrozeitalter ein bisschen verpatzt hat, ist auch der Puma Gen-E so recht kein Befreiungsschlag. Denn seine elektrischen Qualitäten sind allenfalls durchschnittlich. Doch dafür haben die Kölner ihre alten Stärken bewahrt und sogar noch einmal nachgelegt.
Der elektrische Puma fährt deshalb engagierter als der Verbrenner und als die Konkurrenz und er ist mit Frunk und „Giga-Box“ zudem noch einmal praktischer geworden. Innerhalb der Ford-Familie dürfte er also der Bestseller bleiben und vielleicht zumindest ein paar Kunden auch von den Wettbewerbern weglocken.