Smart: Früher ein Winzling, heute ein SUV
Düsseldorf. Ein Koffer, eine Sporttasche, ein Regenschirm und noch reichlich Platz. Das im Kofferraum eines alten Smart zu erreichen, wäre auch mit herausragenden Einladefähigkeiten nicht möglich gewesen.
Wer einen ab 2022 gefertigten Wagen der Marke fährt, fährt aber nicht nur halb chinesisch – die Mutter Mercedes ist ein Joint Venture mit Geely eingegangen –, sondern auch in einem Auto, das von außen und innen auf den ersten Blick so gar nicht wie ein Smart aussieht.
Die Marke, einst bekannt für zweisitzige City-Flitzer, hatte schon mit dem Vorgängermodell Smart #1 im vergangenen Jahr das Segment der Kleinwagen verlassen und war in die Welt der SUVs gewechselt. Mit dem jetzt neuen Modell Smart #3 entfernt sich das Unternehmen noch weiter von seinen ursprünglichen Modellen.
Smart #3 Premium punktet mit sportlichem Aussehen
„Größer, breiter, sportlicher“ war wohl das Motto bei dem Außendesign des Smart #3. Die Dachlinie fällt stark nach hinten ab, was das Modell zu einem SUV-Coupé macht. Dennoch ist auf der Rückbank ausreichend Platz auch für überdurchschnittlich große Beifahrerinnen und Beifahrer. Beim Kofferraum geht es mit 370 bis 1160 Litern geräumiger zu als beim Vorgänger.
Sportlich ist auch die Leistung: Der Smart #3 Premium verfügt über 272 PS und einen Heckantrieb. Nach Herstellerangaben beschleunigt er von null auf hundert in 5,8 Sekunden. Und der Test zeigt: Das Auto zieht vernünftig, und zwar bis zur vollkommen ausreichenden Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Schneller fahren nur die wenigsten, und wer in der Preisklasse im Elektrosegment gerne noch schneller über die Autobahn brettern möchte, ist besser mit einem Tesla Model 3 bedient.
Dauerhaft schnell zu fahren wirkt sich allerdings logischerweise negativ auf den Verbrauch aus. Der liegt auf der Autobahn so oder so eher in dem Bereich, den Smart in der prognostizierten Reichweite für das dynamische Fahren angibt. Auch abseits der Autobahn ist der Verbrauch etwa in der Stadt bei häufigem Bremsen und Anfahren höher.
Reichweite geringer als von Smart angegeben
Die getestete Premium-Version soll nach Herstellerangaben voll aufgeladen 455 Kilometer weit fahren. Darauf sollte man sich aber bei einer Langstreckenfahrt nicht verlassen und einen Ladestopp einplanen.
Zu loben ist für eine größere Reichweite der Eco-Modus. Am Fahrgefühl ändert sich wenig, am Verbrauch hingegen einiges. Größer ist die Veränderung beim Fahren im Sportmodus.
Das Auto fährt sich deutlich härter, die Illusion eines Sportwagens wirkt zu gewollt. Dafür aufgrund des höheren Verbrauchs noch mehr laden zu müssen lohnt sich nicht.
Mit Blick auf den Innenraum ist das serienmäßige Panoramadach ein großes Plus. Das bietet viel Licht und ein gewisses Flair. Öffnen lässt es sich allerdings nicht.
Die Mittelkonsole wirkt etwas massiv im Vergleich zu der ansonsten sehr offenen Gestaltung des Innenraums. Zugleich bietet sie viel Platz, um seine Arme in diversen Winkeln abzustützen, sein Handy kontaktlos oder über Kabel zu laden und zwei Getränke sicher abzustellen. Diese Getränke können Fahrer und Mitfahrer in einem Fach in der Mittelkonsole sogar kühlen.
Außerdem stört kein Wählhebel das Design. Zwischen den Gängen gewechselt wird am Lenkrad. Zum modernen und aufgeräumten Auftritt passt auch das Head-up-Display, das die Geschwindigkeit sowie Warnungen der Assistenzsysteme anzeigt. Schade ist, dass sich Smart teilweise für Hartplastik entschieden hat – ein starker Kontrast zu dem ansonsten hochwertig gestalteten Auto.
Probleme bei Android Auto
Das Display kommt verspielt – und für einige Fahrerinnen und Fahrer vielleicht zu verspielt – daher. In der Mitte findet sich eine große, fröhlich animierte Weltkugel, unten rechts bewegt sich gelegentlich ein Leopard. Im Smart #1 war es noch ein Fuchs.
Vielleicht wächst mit der Größe des Autos auch die Größe des Tieres: Schließlich ist der Smart #3 deutlich länger und breiter als der Vorgänger. Wer jetzt denkt, dass der Leopard sich mit den Fahrmodi unterschiedlich verhält, liegt falsch.
Ebenfalls vergleichsweise verspielt sind die Geräusche beim Blinken und beim Abschließen. Beim Blinken kann das mit der Zeit etwas anstrengend werden, zumal die Töne dem Smart anscheinend so wichtig sind, dass sie die Audionavigation von Google Maps unterbrechen.
Generell zeigen sich Probleme bei der Verbindung mit Android Auto. Gelegentlich stoppen über Spotify abgespielte Lieder einfach, in anderen Fällen starten sie aus dem Nichts. Dabei könnte das Musikerlebnis angesichts der klangstarken Soundanlage von Beats so schön sein: Diese klingt zunächst etwas hohl, was sich aber mit kleinen Änderungen bei den Einstellungen leicht beheben lässt.
Smart #3 verfügt über zahlreiche Assistenzsysteme
Noch bedauerlicher als die Unterbrechungen bei Google Maps und Spotify sind die Probleme bei der Freisprechanlage: Telefonate enden abrupt, und während man als Fahrerin die Personen am anderen Ende der Leitung noch gut versteht, hören diese einen gar nicht.
Der Smart #3 ist serienmäßig mit zahlreichen Assistenzsystemen ausgestattet, um Sicherheit muss man sich keine Gedanken machen. Zu diesen Assistenzfunktionen gehören unter anderem eine Parknotbremse, eine Totwinkelerfassung, ein Notspurhalteassistent und eine Tempowarnung.
Der Abstandsassistent ist recht vorsichtig eingestellt, piept aber nicht. Angenehm unaufdringlich kommt der Spurassistent daher. Der ist höchstens an Autobahnbaustellen von den verschiedenen Markierungen leicht verwirrt, erkennt dafür aber auch die letzten Reste Spurmarkierungen auf abenteuerlichen Straßen in Recklinghausen.
Positiv hervorzuheben sind die 360-Grad-Kamera und die Einparkhilfen vorn und hinten. Da ist es bei der Parkplatzsuche auch gar nicht mehr so schlimm, dass das Auto im Vergleich zu den alten Smart-Varianten deutlich gewachsen ist. Nicht so hilfreich ist allerdings der automatische Parkassistent, der Parklücken nicht immer erkennt.
Die zahlreichen Parkhilfen sind auch hilfreich fürs Laden an der Straße. Bis auf das günstigste Basismodell laden alle Smart-3-Versionen am Wechselstromanschluss mit 22 Kilowatt. Hier lädt der Smart nach Herstellerangaben in drei Stunden von zehn auf 80 Prozent auf. Schneller geht es wie im Test beim Gleichstrom mit 150 kW. Der Smart lädt hier in rund einer halben Stunde von zehn auf 80 Prozent.
Hochwertiges Design beim Smart #3
Ein Manko: Der Ladestecker ist auf der Fahrerseite. Wer an der Straße lädt, muss das Kabel also um das Auto herumführen. Das ist nicht nur umständlich, sondern schürt in engen Straßen auch die Sorge, dass jemand das Ladekabel abfahren könnte.
Alles in allem ist der Smart #3 ein Auto, das mit einem weitgehend hochwertigen Design, technischen Spielereien und Fahrspaß überzeugt. Die kleineren Makel im Innenraum stehen zwar in einem gewissen Gegensatz zum Einstiegspreis von 46.490 Euro, sind aber zu verkraften.
An den Softwareproblemen sollte Smart aber arbeiten: Wenn mit dem neuesten Modell auch die Fans der ursprünglichen Marke überzeugt werden sollen, reicht nicht nur ein großer Kofferraum.
Technische Details des Smart #3 Premium:
- Preis: ab 46.490 Euro
- WLTP kombinierte Reichweite: 455 km
- Verbrauch WLTP kombiniert: 16,3 kWh/100km
- Gleichstrom-Ladezeit: 30 min (10-80 %) (150 kW)
- Beschleunigung (0-100 km/h): 5,8 s
- Batteriegröße: 66 kWh (gesamt)/62 kWh (nutzbar)
- Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
- Spitzenleistung: 272 PS