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AltersvorsorgeDie digitale Rentenübersicht geht in den Regelbetrieb

Bürger können digital abrufen, welche Rentenansprüche sie haben. Doch am Ende der Pilotphase ist die Resonanz eher gering. Liegt es am unbeliebten E-Ausweis?Frank Specht 02.12.2023 - 11:31 Uhr

Berlin. Sie stand schon in drei Koalitionsverträgen, doch erst die letzte Große Koalition hat sie dann auch tatsächlich umgesetzt: die digitale Rentenübersicht. Nach der Pilotphase beginnt nun im Dezember der Regelbetrieb. Und die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) sieht eines der größten Digitalisierungsprojekte des Bundes auf einem guten Weg.

„Wir sind im Kosten- und Zeitplan“, sagte Stephan Fasshauer, der als DRV-Direktoriumsmitglied für das Projekt zuständig ist, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Schon 2002 saß er erstmals in einer Arbeitsgruppe, die sich mit einer säulenübergreifenden Renteninformation befasste. Doch erst 21 Jahre später ist sie Wirklichkeit geworden.  

Mit der digitalen Rentenübersicht erhalten Bürger Auskunft, welche Ansprüche sie aus allen drei Säulen der Alterssicherung erworben haben, also aus der gesetzlichen Rente sowie der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge.

Seit Mitte des Jahres ist das Portal in der Pilotphase online, wo Interessenten sich mit ihrer freigeschalteten Online-Ausweisfunktion anmelden müssen, um ihre individuellen Ansprüche abzurufen.

Dazu mussten Pensionsfonds, Versorgungswerke oder Versicherer an das Portal angebunden werden, um die bei ihnen gespeicherten Informationen abrufbar zu machen.

Digitale Rentenübersicht: Keine zentrale Datenspeicherung

Der Zeitplan war eng, denn der Gesetzgeber hatte der Rentenversicherung nach Inkrafttreten des Gesetzes im Februar 2021 nur 21 Monate Zeit gegeben, um mit der Pilotphase zu starten. Das habe man auch deshalb geschafft, weil die digitale Rentenübersicht eines der ganz wenigen Gesetzesvorhaben sei, „die wirklich digital durchdacht waren“, sagt Fasshauer.

„Es wurde bewusst auf eine zentrale Speicherung der Daten verzichtet, was die Arbeit enorm beschleunigt hat“, erklärt Manfred Baer, der beim IT-Konzern IBM den Bereich öffentlicher Sektor im deutschsprachigen Raum verantwortet. Bei der Entwicklung hat IBM die DRV unterstützt.

Die Daten über Versorgungsansprüche werden also nicht zentral auf einer Plattform gespeichert, sondern erst beim jeweiligen Anbieter abgerufen, wenn Bürgerinnen oder Bürger über das Portal eine Abfrage starten. Und das Ergebnis bekommen dann auch nur sie zu sehen. Viele Datenschutzfragen einer zentralen Speicherung stellen sich so gar nicht erst.

Aufgebaut wurde das Projekt in der Hochphase mit einem kleinen Team von im Schnitt nur 35 Leuten. Für die Entwicklung und die erste Betriebsphase in den Jahren 2021 bis 2023 entstehen Kosten in Höhe von rund 20 Millionen Euro, für den technischen Betrieb wird mit jährlichen Kosten von 4,5 Millionen Euro gerechnet.

Über 100 Einrichtungen sind an das Portal für die digitale Rentenübersicht angebunden

Mittlerweile sind mehr als 100 Vorsorgeeinrichtungen an das Portal angebunden, bei denen bereits rund 840.000 Datenabrufe erfolgt sind. Bei 400 weiteren Institutionen läuft der Anbindungsprozess. Zur Teilnahme verpflichtet sind nur Altersvorsorgeanbieter, die eine jährliche Standmitteilung an ihre Versicherten und Kunden verschicken müssen.

Laut Fasshauer arbeiten das Bundesarbeits- und das Finanzministerium aktuell an einer Verordnung, dass diese bis Ende 2024 angeschlossen sein müssen. Nach Angaben der Rentenversicherung wäre mit 600 angebundenen Einrichtungen ein Großteil des Marktes abgedeckt.

130.000
Menschen
sind bei der digitalen Rentenversicherung registriert.

Auf bisher eher verhaltene Resonanz stößt die digitale Rentenübersicht bei den Bürgern. Zwar haben 1,3 Millionen Menschen die Seite bei der Rentenversicherung aufgerufen. Doch tatsächlich registriert sind bisher nur 130.000 Nutzer.

Das könnte auch daran liegen, dass Deutschland bei der Nutzung der elektronischen Ausweisfunktion, die zur Registrierung beim Rentenportal erforderlich ist, weit hinter anderen europäischen Ländern herhinkt, wie etwa eine Studie für den Digitalverband Bitkom gezeigt hat.

DRV-Direktoriumsmitglied Fasshauer fordert deshalb: „Wir brauchen dringend einen einheitlichen und möglichst niedrigschwelligen Zugang zu allen digitalen Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung.“

Digitale Rentenübersicht bisher nicht für Beamte

Denkbar wäre etwa, Angaben zur Identität in einer sogenannten ID-Wallet-App auf dem Smartphone zu speichern, um sich damit in Kombination beispielsweise mit der Gesichtserkennung bei Behörden digital ausweisen zu können. Doch eine erste staatliche Ausweis-App hatte die Bundesregierung im Herbst 2021 wegen Sicherheitsbedenken wieder vom Markt genommen.

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Verbesserungsbedarf sieht Fasshauer bei der digitalen Rentenübersicht aber auch noch an anderer Stelle. Auf Druck eines Bundeslandes waren Beamte ausgenommen worden, sie erhalten also nicht auf einen Klick Informationen über ihre Pensions- und Versorgungsansprüche. „Diese Lücke sollte die Politik noch schließen“, sagt der DRV-Direktor.

Erstpublikation: 30.11.2023, 19:18 Uhr.

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