Arbeitsmarkt: HDE-Konsumbarometer zeigt Sorgen der Verbraucher
Düsseldorf. Deutschlands Verbraucher blicken skeptisch auf das Jahr 2026. Das signalisiert das HDE-Konsumbarometer, das für November mit 95,57 Punkten auf den tiefsten Stand seit März abgerutscht ist. Wesentliche Ursache für das Acht-Monats-Tief ist der Einbruch der Einkommenserwartungen.
Das Konsumbarometer basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 1600 Haushalten und wird monatlich vom Handelsblatt Research Institute (HRI) für den Handelsverband HDE berechnet. Die einzelnen Fragen fließen entsprechend ihrer Bedeutung in den Gesamtindex ein.
Die Verbraucher schätzen die Entwicklung ihres Einkommens derzeit als so schlecht ein wie zuletzt im Juni 2023, als die deutsche Volkswirtschaft nach dem kurzen Post-Corona-Boom wieder in die Rezession rutschte. Offenbar sorgen sich derzeit immer mehr Konsumenten um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes.
Die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit ist in den vergangenen 36 Monaten nur in drei Monaten nicht gestiegen; im Schnitt wuchs die Arbeitslosigkeit seitdem jeden Monat um knapp 13.000 Personen. Gemessen an den Tiefstständen vom Frühjahr 2019 sind heute rund 750.000 mehr Menschen arbeitslos gemeldet.
„Die Beschäftigungsentwicklung bleibt schwach, und die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern ist nur gering“, sagte die Chefin der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, bei der Vorstellung der Monatsdaten für Oktober. In den vergangenen Monaten hatten zahlreiche Industriekonzerne umfassende Stellenstreichungen angekündigt. Nach Hochrechnung der BA erhielten 984.000 Personen im Oktober Arbeitslosengeld, 104.000 mehr als vor einem Jahr – Arbeitslosengeld wird meist nur ein Jahr lang gezahlt. Langzeitarbeitslose können Bürgergeld beantragen; die Zahl der erwerbsfähigen Bürgergeldberechtigten lag im Oktober bei 3,83 Millionen.
Kurzarbeit wegen Chipmangel
Überdies droht nun in vielen Werken vor allem der Autoindustrie Kurzarbeit wegen akuten Halbleitermangels. In einer aktuellen Ifo-Umfrage haben 10,4 Prozent der befragten Unternehmen Engpässe gemeldet, nach nur 7,0 Prozent im Juli und 3,8 Prozent im April. „Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen und verschärfen, wird das auch das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.
Nach Angaben der IG Metall hat Bosch am Standort Salzgitter wegen der Engpässe beim niederländischen Halbleiterhersteller Nexperia Kurzarbeit angemeldet. Der kürzlich von Continental abgespaltene Zulieferer Aumovio bereitet für seinen Standort Villingen-Schwenningen Kurzarbeit vor. Volkswagen konnte drohende Produktionsstopps zwar abwenden, prüft aber ebenfalls Kurzarbeit – Kurzarbeit geht stets mit Einkommenseinbußen einher: Beschäftigte erhalten 60 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts als Kurzarbeitergeld, Beschäftigte mit mindestens einem Kind bekommen 67 Prozent.
Laut BA müssen Betriebe vor Beginn von Kurzarbeit eine Anzeige über den voraussichtlichen Arbeitsausfall erstatten. Vom 1. bis einschließlich 26. Oktober wurde für 37.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis August 2025 zur Verfügung. In diesem Monat zahlte die BA nach vorläufigen Daten für 171.000 Beschäftigte konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Das waren 32.000 weniger als im Vormonat, aber 6000 mehr als im August des Vorjahres.
GroKo hat Vorschusslorbeeren schon aufgebraucht
Ungeachtet der von der Bundesregierung geplanten massiven Ausweitung von Staatsausgaben für Rüstung und Infrastruktur erwarten die im Rahmen des Konsumbarometers befragten Verbraucher keinen raschen Aufschwung. Zwar verbesserten sich die Konjunkturerwartungen gegenüber dem Vormonat leicht. Sie liegen jedoch nicht höher als im April, also während der Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU und SPD.
Unmittelbar nachdem der Koalitionsvertrag unterzeichnet war, zogen die Konjunkturerwartungen deutlich an, sind aber seit dem Spätsommer genauso rasch wieder gesunken. Auch das aktuelle Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ist im Oktober merklich abgesackt. Die Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat ihre Vorschusslorbeeren offenbar schon aufgebraucht.
Nach ersten Daten des Statistischen Bundesamts stagnierte die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal. Der Umsatz der Einzelhandelsunternehmen stieg nach vorläufigen Ergebnissen im September zwar gegenüber dem Vormonat um real 0,2 Prozent. Allerdings hat das Statistische Bundesamt die Daten für August nach unten revidiert: Der Einzelhandelsumsatz sank gegenüber Juli real um 0,5 und nicht wie bislang geschätzt um 0,2 Prozent.
Im Jahr 2026 dürfte die deutsche Wirtschaft, befeuert von den schuldenfinanzierten Staatsausgaben, erstmals seit 2022 wieder spürbar wachsen. Die Mehrheit der Beobachter rechnet mit ein bis 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum. Das Handelsblatt Research Institute ist mit einem erwarteten Zuwachs von 0,7 Prozent vorsichtiger.
Erstpublikation: 03.11.2025, 04:05 Uhr.