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Bundesfinanzminister „Als reich würde ich mich nicht empfinden“: Scholz empört mit Seitenhieb gegen Merz

Angesprochen auf sein Vermögen gibt der Minister an, sich nicht zur oberen Mittelschicht zu zählen, und verweist auf den CDU-Politiker Merz. Bei vielen kommt das schlecht an.
05.10.2020 Update: 05.10.2020 - 14:25 Uhr 3 Kommentare
„Als reich würde ich mich nicht empfinden.“ Quelle: AFP
Olaf Scholz

„Als reich würde ich mich nicht empfinden.“

(Foto: AFP)

Düsseldorf Mit einem offenbar nicht ganz ernst gemeinten Seitenhieb gegen Friedrich Merz (CDU) hat SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz einen Shitstorm auf Twitter ausgelöst: Nach der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ räumte der SPD-Kanzlerkandidat am Sonntag auf Nachfrage eines Reporters ein, dass er ganz gut verdiene. „Als reich würde ich mich nicht empfinden“, sagte der Bundesfinanzminister.

Ob er zur oberen Mittelschicht zähle? „Nein, so viel Geld wie derjenige, der das für sich qualifiziert hat, verdiene ich nicht und habe ich auch nicht als Vermögen“, sagte der Vizekanzler leicht grinsend.

Auch wenn Scholz ihn nicht namentlich nennt, ist dennoch klar, auf wen sich diese Aussage bezieht: auf Friedrich Merz, der für den CDU-Vorsitz kandidiert und damit möglicherweise in wenigen Monaten mit Scholz um das Erbe von Angela Merkel buhlen wird.

Merz hatte vor zwei Jahren großen Unmut in der Öffentlichkeit auf sich gezogen, als er sich zur gehobenen Mittelschicht zählte. Kurz darauf gab sich der CDU-Politiker als Einkommensmillionär zu erkennen. „Ich spreche nicht gern darüber, dass ich Millionär bin, weil es nach Angeberei klingt. Und Angeber mag man bei mir zu Hause nicht“, verteidigte er seine früheren Aussagen.

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    Nun zieht auch Scholz mit seiner Aussage viel Kritik auf sich: Unter dem Tweet der Polit-Sendung finden sich mittlerweile Dutzende Kommentare, er wurde bereits fast 200-mal retweetet.

    Viele Nutzer empören sich: „Dieses krampfhafte ,Understatement‘ von höchst privilegierten Menschen ist einfach unerträglich“, heißt es dort unter anderem. Einige Twitter-User fordern von Scholz, dass dieser den Begriff obere Mittelschicht definiert, andere vergleichen ihn mit Merz.

    Und FDP-Fraktionsvize Christian Dürr twitterte: „Als Bundesminister gehören Sie, @OlafScholz, zu den Top-5%-Spitzenverdienern. Aber reich sind anscheinend immer die anderen...“

    Über das Vermögen von Scholz ist nichts bekannt. Im Interview mit „Bild“ hatte der Minister im vergangenen Jahr gesagt: „Ich mache das, was einem kein Anlageberater empfiehlt: Ich lege mein Geld nur auf einem Sparbuch, also sogar auf dem Girokonto an, und da kriege ich, wie bei allen anderen, keine Zinsen.“

    Als Bundesfinanzminister erhält Scholz laut Bundesbesoldungstabelle monatlich fast 15.000 Euro. Hinzu kommen ein Ortsaufschlag sowie eine Aufwandsentschädigung, sodass sich die gesamten Bezüge auf etwa 20.000 Euro im Monat belaufen dürften.

    Seine Ehefrau Britta Ernst erhält als Bildungs- und Jugendministerin in Brandenburg etwa 14.000 Euro pro Monat, auch hier kommen noch Aufschläge hinzu. Laut dem Einkommensrechner des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gehören Scholz und Ernst damit zur Gruppe der einkommensstärksten Haushalte in Deutschland.

    Scholz und Ernst sind überdies schon seit vielen Jahren in hochrangigen Staatsämtern, sodass ihr Einkommen über die vergangenen zehn Jahre addiert brutto im niedrigen einstelligen Millionenbereich liegen dürfte.

    „Ich will der nächste Kanzler werden“

    Trotz zuletzt schwacher Umfragewerte rechnet sich Scholz Chancen auf einen Sieg beim Rennen ums Kanzleramt aus. „Die nächste Bundestagswahl ist anders“, sagte er am Sonntag im „Bericht aus Berlin“. Denn es werde das erste Mal niemand antreten, der schon Kanzler ist. „Ich will der nächste Kanzler werden“, gab sich Scholz kämpferisch.

    In aktuellen Umfragen rangieren die Sozialdemokraten in der Wählergunst hinter der Union und den Grünen auf Rang drei: Im ZDF-Politbarometer kommen sie auf 17 Prozent, im ARD-Deutschlandtrend auf nur 15 Prozent der Stimmen.

    Scholz selbst hatte es bereits vor seiner missglückten Aussage schwer bei den Wählern: Als die Sozialdemokraten den 62-Jährigen im August zum Kanzlerkandidaten kürten, gaben im „Deutschlandtrend im ARD-Morgenmagazin“ nur 44 Prozent der Deutschen an, den Minister für einen guten SPD-Kanzlerkandidaten zu halten.

    Mit diesem Wert erreichte er nicht den Zuspruch seiner beiden Vorgänger Martin Schulz und Peer Steinbrück zum Zeitpunkt ihrer Nominierung.

    Mehr: Handelsblatt-Analyse: Wann bin ich reich?

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    3 Kommentare zu "Bundesfinanzminister: „Als reich würde ich mich nicht empfinden“: Scholz empört mit Seitenhieb gegen Merz"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wieso ist das gesamte Video nicht öffentlich?
      Ich würde mir das gerne ansehen!

    • Diese ganze Diskussion verstärkt doch nur die typisch deutsche Neiddebatte.
      Mal ehrlich - mit € 16.000 (selbst plus üppiger Altersversorgung) ist doch ein Regierungsmitglied nicht überbezahlt. Die meisten Sparkassendirektoren verdienen ähnlich.
      Gemeinsam haben sie alle leider keine Verantwortung, anders als das Führungspersonal in der Privatwirtschaft.
      Die Leistungsträger im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen (wie auch immer berechnet) zu bewerten geht eh am Thema vorbei und sollte eine Zeitung wie das Handelsblatt auch nicht tun. Das ist äußerst billig.
      Leistungsträger leisten eben auch mehr als jemand, der das Durchschnittseinkommen verdient, hat mehr in Bildung investiert und geht höhere berufliche Risiken ein, zumindest jemand wie Friedrich Merz.
      Muss man sich dafür in Deutschland rechtfertigen. Jeder kann es nachmachen.
      Das einfach mal zu sagen garantiert ein Shitstorm - eigentlich schade, denn eigentlich sollten solche Vergleiche doch dazu annimieren sich anzustrengen.
      Jeder kann Millionär, Milliardär o.ä. werden (wenn er/sie es wollen), das haben auch in Deutschland genug Beispiele gezeigt. Das kommt viel zu wenig in dieser Diskussion vor - allerdings birgt das die Gefahr, dass man Menschen spiegelt - du hast dich offenbar nicht genug angestrengt.
      Man kann sich aber auch ein ganz anderes Lebensmodell bauen - ohne streben nach Erfolg, Geld und den übrigen Statussymbolen - dann ist aber Neid nicht angebracht.

    • Hätte er geschwiegen, wäre er ein Philosoph geblieben.

      Das sollte jemand aus der SPD Spitze Scholz mal nahe legen. Jede Aussage die ich von ihm lese ist einfach nur extrem schwach. Wenn ein Kandidat fachlich schwach ist oder die Wahrheit zu hart wäre ist man gewohnt, dass er zumindest den Wählern nach dem Mund redet, aber auch das schafft er nicht.
      Wenn er weiter so oft und viel erzählt und die Leute intelligent genug sind sich mit seinen Aussagen zu beschäftigen wird das sehr schwer mit einer Kanzlerschaft und für die SPD ein neues Wahldesaster.

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