Bundestag: Grünen-Politiker Trittin beendet politische Karriere
Berlin, Düsseldorf. Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin will sich aus der Politik zurückziehen. Das erklärte der Bundestagsabgeordnete gegenüber dem „Spiegel“ und kündigte an, sein Parlamentsmandat zum Jahresende niederzulegen.
Bereits zur vergangenen Bundestagswahl im Jahr 2021 habe er beschlossen, 2025 nicht erneut zu kandidieren. Trittin ist seit 1998 ohne Unterbrechung Mitglied des Bundestags.
Er war pointiert, provokativ und polarisierend. Mit Trittins Rückzug verlieren die Grünen einen ihrer profiliertesten Kämpfer für Umwelt- und Klimaschutz, für Menschenrechte, Abrüstung und gegen Atomenergie. Er war oft unpopulär, ging keinem Streit aus dem Weg - gilt aber auch als erfolgreich.
Der 1954 in Bremen geborene Trittin studierte in Göttingen Sozialwissenschaften. Der Stadt im Süden Niedersachsens blieb er bis heute verbunden. Seit 1998 vertritt Trittin den Wahlkreis Göttingen im Bundestag. Bei den Grünen trat er 1980 ein.
Fünf Jahre später zog er in den Niedersächsischen Landtag ein, wo er zeitweise Fraktionschef war. Erste Regierungserfahrung sammelte Trittin von 1990 bis 1994 als Niedersächsischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten im Kabinett des damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder (SPD).
Trittin eckte auch in der Ampel-Koalition an
Als Schröder 1998 für die SPD die Bundestagswahl gewann, war Trittin erste Wahl als Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Auf diesem Posten blieb er bis zu den vorgezogenen Bundestagswahlen im Jahr 2005.
In diese Zeit fielen der erste Beschluss zum Atomausstieg und die Einführung des Dosenpfands, an denen Trittin maßgeblich beteiligt war und mit dem sein Name bis heute verbunden ist. Seit 2014 ist er Mitglieder im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags. Im Ukraine-Krieg befürwortete er früher als andere Panzerlieferungen an das von Russland überfallene Land.
Unbequem blieb der 69-Jährige auch in der Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Als im vergangenen Jahr die Laufzeit für die letzten drei deutschen Atomkraftwerke wegen der unsicheren Energieversorgung um einige Monate verlängert wurden, stimmte Trittin im Bundestag dagegen. Und Pläne seines Parteifreundes Robert Habeck für einen Industriestrompreis nannte er „Unsinn“.
Mit Blick auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Haushalt sagte Trittin im Handelsblatt-Interview, die Ampelkoalition habe die gesetzlichen Vorgaben bei der Schuldenbremse nicht ernst genommen und versucht, sich an ihr vorbeizuschummeln. Dabei sei sie erwischt worden. „Auch ich hätte gegen diesen Haushalt geklagt, wenn ich in der Opposition gewesen wäre.“
Trittin hatte mit Kritik an seiner Partei immer wieder für interne Debatten gesorgt, wurde aber fraktionsübergreifend geschätzt. Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Konstantin Kuhle zollte Trittin auf X „Respekt für diesen Akt der Selbstbestimmung.“
Der Grünen-Politiker Sven Kindler wiederum nannte Trittin auf X wiederum einen der „wichtigsten Politiker in der Geschichte der Bundesrepublik.“ Zu seinem Abschied aber zeigte er sich milde. „Diese Partei, diese Fraktion hat mir doch ermöglicht, alles zu werden, was man als Grüner werden kann“, sagte Trittin dem „Spiegel“.