CDU: Spahn prüft eigene Kanzlerkandidatur
Berlin. Laut „Bild“-Zeitung bestätigte ein CDU-Landes-Fraktionschef die Überlegung des Gesundheitsministers. „Jens Spahn hat mir gegenüber klargemacht, dass er für eine Kanzlerkandidatur offen ist, wenn seine Umfragewerte im März wesentlich besser sind als die von Laschet“, sagte er. Auch der „Spiegel“ berichtet über Sondierungsgespräche von Spahn zum Jahresende 2020 über seine Chancen bei der Wahl im September.
Spahn soll sich danach in mehreren Telefonaten an Fraktionskollegen, Landesfunktionäre und Abgeordnete gewandt haben, um deren Haltung zu ergründen. In diesen Gesprächen soll er auch darauf hingewiesen haben, dass er derzeit der beliebteste Politiker Deutschlands sei.
Die Umfragewerte haben sich allerdings seitdem wieder verschlechtert. Seit der Debatte, dass Deutschland zu wenig Impfstoff habe, sowie dem Koalitionsstreit mit der SPD darüber, sind die Umfragewerte von Spahn wieder gefallen.
Spahn selbst erklärte, dass er in diesen Telefonaten nicht seine Chancen auf eine Kanzlerkandidatur sondiert habe. Sein Sprecher teilte mit, der Minister tausche sich ständig mit Parteimitgliedern aus. Doch die Spekulationen kommen zur Unzeit.
Team mit Armin Laschet
Der Gesundheitsminister tritt als Tandempartner mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet auf dem CDU-Parteitag an. Dort stellt sich Laschet gegen Friedrich Merz und Norbert Röttgen zur Wahl.
Hinweise auf eine mögliche Kanzlerkandidatur von Spahn gab es bereits vor einigen Tagen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sagte zur Wahl des CDU-Vorsitzenden, dass ein Unions-Kanzlerkandidat nicht zwingend Vorsitzender der CDU oder der CSU sein müsse.
Dieser Einschätzung schloss sich auch Unions-Fraktionschef Ralf Brinkhaus an. Kanzlerin Angela Merkel tritt im Herbst nicht mehr an.
FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sieht eine Kanzlerkandidatur von Spahn skeptisch. „Angesichts des Verlaufs der Corona-Pandemie mit hohen Infektions- und Todeszahlen muss Spahn seine Hausaufgaben machen und seine ganze Kraft auf das Bundesgesundheitsministerium konzentrieren“, sagte Theurer dem Handelsblatt. Für politische Karrierepläne in Hinblick auf eine mögliche Kanzlerkandidatur bleibe in der Krise keine Zeit.
Spahn denkt laut Berichten von „Bild“ und „Spiegel“ über eine Kanzlerkandidatur auch dann nach, wenn Laschet den CDU-Vorsitz übernehmen sollte.